Wer sind die Stars von morgen? Die GaultMillau-Weinjury listet jedes Jahr die «150 besten Winzer der
Schweiz». Und sie scoutet im Nachwuchsbereich, testet blind die Weine von jungen Winzerinnen und
Winzer. Vier haben die Jury besonders beeindruckt und werden als «Rookies des Jahres» ausgezeichnet: Arielle und Beni Andrey (Schafis BE), Tobias Wegelin (Malans GR), Pierre Dorsaz (Charrat VS) und Vincent Graenicher (Tartegnin VD).
GaultMillau kümmert sich in Zusammenarbeit mit Swiss Wine auch um den Sommelier-Nachwuchs. Die «Jungsommelière des Jahres» heisst Martina Wilhelm, steckt in der harten Ausbildung zur Weinakademikerin und begeistert die Gäste in der «Wöschi» in Zürich.
Rookies & Jungsommelière im Kurzporträt:
Weingut Andrey
Arielle und Beni Andrey, Schafis BE
Was Arielle und Beni Andrey wohl von allen Winzer-Ehepaaren der Welt unterscheidet: Sie sind beide
gelernte Bäcker-Konditoren, die sich statt für die Backstube für den Rebberg entschieden haben. Im
Schloss-Beck in Nidau BE lernten sie sich kennen – danach orientierten sie sich um. Wobei sie keine
reinen Quereinsteiger sind: Arielle stammt aus einer seit fünf Generationen in Schafis am Bielersee
ansässigen Winzerfamilie, Beni hat ihren Namen angenommen. Doch auch das früher Gelernte ist für
den Betrieb nicht verloren: Für die zahlreichen Events backen die beiden Focaccia oder kreieren Tapas.
Bei der Betriebsübernahme wollten Arielle und Beni nicht alles über den Haufen werfen. So wird bei
der Traditionslinie die Arbeit der Eltern plus-minus fortgeführt. Die Handschrift der jungen Generation
tragen der Chardonnay «Au Clos» und der Pinot noir «Roche au Cros»: spontan vergoren, unfiltriert,
direkt im 300-Liter-Fût vergoren. Originell auch der «Naturtrüeb», effektiv ein «Non filtré».
www.andreyschafis.ch

Graenicher Vins
Vincent Graenicher, Tartegnin VD
Weingüter sammeln? Etwas für Investoren und andere Gutbetuchte. Winzer machen das in der Regel
nicht. GaultMillaus «Rookie des Jahres» Vincent Graenicher ist eine Ausnahme: Die «Domaine de
Penloup» in Tartegnin ist seit 1983 in Familienbesitz. Dazu bewirtschaftet er «Les Cordelières» in Châtagneréaz und die «Domaine de Famolens» in Mont-sur-Rolle. Graenicher hat ein Flair für neue Ideen, baut neben dem traditionellen Chasselas zum Beispiel einen Mischsatz an, bei dem er 85 Prozent Rot- mit 15 Prozent Weisswein «verdünnt». Zurzeit in der Pipeline ist auch ein Sauvignon blanc, den er
ohne das gängige, von Thiolen geprägte Aromaprofil keltern möchte. Sein Fokus liegt dabei «stets auf
Frische und Finesse». Welchen Wein würde Graenicher aus seiner Palette hervorheben? «Ich bin
angetan von meinen 2025er-Chasselas. Ich produziere vier davon. Ihr Stil ist geprägt vom biologischen
Anbau, wir lesen von Hand in kleine Kistchen. Da ist Herzblut drin.»
www.graenicher-vins.ch

La Cave des Collines
Pierre Dorsaz, Charrat VS
Im Leben von Pierre Dorsaz gibt es einen Tag X. Es ist jener, an dem er am «Mondial du Chasselas» mit
seinem Fendant zuoberst auf dem Treppchen stand, nota bene als erster Walliser. «Das war schon
wichtig für das Renommee. So konnten meine Weine ein wenig aus dem Schatten treten.» Auch die
GaultMillau-Weinjury holt ihn nun auf die grosse Bühne: Er ist «Rookie des Jahres 2027». Dorsaz hat
auch Obstbau gelernt. Aprikosen sind sein zweites Standbein. Vor nicht allzu langer Zeit spielte er mit
dem Gedanken, auf gewissen Parzellen die Reben durch Aprikosenbäume zu ersetzen. Ist das nach dem
Triumph noch ein Thema? «Nur, wenn eine Lage spezifisch für die Früchte geeignet ist.» Und was ist
sein Lieblingswein? «Meine beiden Amphoren-Crus mit Jahrgang 2025 verzaubern mich!», sagt er. Und
nennt dann doch seinen Petite Arvine: «Er ist der Leuchtturm in meinem Angebot. Das von Granit
geprägte Terroir von Fully drückt sich darin am klarsten aus.»
www.cavelescollines.ch

Il Vin
Tobias Wegelin, Malans GR
Tobias Wegelin ist kein Mann der lauten Töne. Selbstbewusstsein blitzt allerdings auf, wenn er sagt:
«Mein Ziel ist, mich im Kreis der besten Pinot-noir-Produzenten zu etablieren.» Trotz seinen Ausflügen
ins Bordelais und nach Südafrika ist es die Bündner Paradesorte, der sein Interesse gilt: Sie steht
exklusiv in seinen Rebbergen. Und das ist gut so: Die GaultMillau-Weinjury zeichnet ihn als «Rookie des
Jahres 2027» aus. Wegelin war durchaus für den Winzerberuf prädestiniert. Sein Onkel Peter Wegelin
hat das berühmte Malanser Weingut aufgebaut. Tobias Wegelins Weg führte zu Christoph Rutishauser
nach Thal SG und auf den Rütihof in Uerikon ZH. Und noch heute geht er dem Bündner Weinbauer
Thomas Studach in einem 60-Prozent-Pensum zur Hand. Seit 2019 baut er an seiner eigenen Existenz,
wie er das ausdrückt. Dem Pinot noir gewinnt Wegelin zwei biozertifizierte Weine ab, einen klassischen
Rotwein und einen Blanc de Noir. Der Rotwein geht stets durch das kleine Holz. Thomas Studach habe
ihm gesagt, das trinke heute niemand mehr. «Und das habe ich beherzigt.»
www.ilvin.ch

JUNGSOMMELIÈRE DES JAHRES
Martina Wilhelm
Gesucht: Nachwuchs-Sommeliers. Gefunden: Martina Wilhelm in der «Wöschi» Zürich. Sie ist
GaultMillaus «Jungsommelière des Jahres 2027».
Martina Wilhelm, 30, steckt mittendrin in der anspruchsvollen Ausbildung zur Weinakademikerin.
Aber: «Nur aus Büchern zu lernen, ist für mich nur die halbe Miete», sagt die quirlige junge Frau. Sie
sucht die Nähe zu den Winzern, steht schon mal selber im Rebberg und im Keller eines Weinguts, will
«Menschen für Wein begeistern, ohne sie zu überfordern». Entdeckt hat sie die Liebe zum Wein bei
Stefan Heilemann im «Widder». Heute zeigt sie bei David Klocksin («Wöschi» Zürich, 16 Punkte), was
sie draufhat.
