Saskia Leber (m.) gewinnt den Prix Courage 2026.
Saskia Leber (m.) gewinnt den Prix Courage 2026.
3. November 2026

Saskia Leber gewinnt den Prix Courage 2026 des Beobachters

Die Baslerin Saskia Leber wird mit dem Prix Courage 2026 ausgezeichnet. Sie kämpft gegen behördliche Hürden nach sexualisierter Gewalt und setzt sich öffentlich dafür ein, dass Opfer ernst genommen werden. Anlässlich der 30. Verleihung des Prix Courage geht zudem ein Spezialpreis an Paolo und Gianni Campolo für ihren lebensrettenden Einsatz in Crans-Montana. Beide Preise sind mit 10’000 Franken dotiert.

Die Baslerin Saskia Leber entging zweimal einer Vergewaltigung, danach stellte der Täter ihr und ihren Kindern nach. Später beging er Suizid. Seither ringt die heute 38-Jährige darum, dass man ihr vorbehaltlos glaubt und sie als Opfer anerkennt.

Denn die Institutionen versagten: Nach dem zweiten Übergriff schaltete Leber die Polizei ein. Doch das kantonale Bedrohungsmanagement der Polizei blieb untätig – obwohl die Behörden wissen mussten, dass der Täter bereits mehrfach Frauen gegenüber gewalttätig geworden war. Zudem lehnte das kantonale Amt für Sozialbeiträge Lebers Gesuch um Genugtuung ab. Die stossende Begründung: Sie habe sich in Chat-Nachrichten zu wenig deutlich abgegrenzt. Deshalb anerkannte das Amt Saskia Leber nicht als Opfer. 

Leber liess das nicht auf sich sitzen. Sie machte ihre Geschichte im März 2026 im Beobachter publik und zog den Entscheid vors Appellationsgericht Basel-Stadt. Mit Erfolg: Das Gericht hiess ihren Rekurs teilweise gut und hielt unmissverständlich fest, dass Saskia Leber Opfer ist und die Schuld einzig beim Täter liegt. 

Für diesen unerschrockenen Kampf gegen gesellschaftliche Tabus und institutionelle Widerstände erhält Saskia Leber den mit 10’000 Franken dotierten Prix Courage 2026. «Jeder Form von Victim Blaming ist entschieden entgegenzutreten. Der Grundsatz ‹Nein heisst Nein› gilt unabhängig davon, was zuvor geschehen ist», würdigt Jurypräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf die Preisträgerin.

Saskia Leber, die sich heute als Überlebende und nicht mehr nur als Opfer sieht, nutze ihre Stimme nun, um anderen gewaltbetroffenen Frauen auf Augenhöhe Mut zu machen.

30. Prix Courage: Spezialpreis für Lebensretter

In diesem Jahr wird der Prix Courage des Beobachters zum 30. Mal verliehen. Zu diesem Jubiläum vergibt die Redaktion einen ebenfalls mit 10’000 Franken dotierten Spezialpreis für herausragende Zivilcourage. Er geht an Paolo und Gianni Campolo.

In der Silvesternacht 2026 brach in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana ein Feuer aus. Vater und Sohn zögerten nicht: Mit einem Feuerlöscher bewaffnet drangen sie trotz extremer Rauchentwicklung in das brennende Gebäude ein. Sie trugen verletzte Partygäste ins Freie und leisteten Erste Hilfe. Durch das Aufbrechen einer verschlossenen Glastür bahnten sie gemeinsam mit weiteren Helfern zahlreichen Eingeschlossenen den Weg nach draussen. Insgesamt retteten sie in jener Nacht 20 jungen Menschen das Leben.

Dominique Strebel, Chefredaktor des Beobachters, sagt über Vater und Sohn: «Sie sind ein Vorbild in einer Zeit, in der grosse Teile von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein anderes Ideal vorleben. Jenes von Eigennutz und Egoismus.» Darum zeichnet sie der Beobachter als herausragende Vorbilder für Mitmenschlichkeit und Zivilcourage aus.

Zweistufiges Wahlverfahren und Jury

Die Vergabe des Prix Courage basiert auf einem zweistufigen Wahlverfahren. In einem öffentlichen Publikums-Voting standen dieses Jahr fünf mutige Taten zur Auswahl: Saskia Leber, Manuela Eggli, Lea Blattner, André Wyss sowie die Frauen Agnes, Faye, Nathi, Alisha und Franny. Die drei Nominationen mit den meisten Stimmen wurden anschliessend der sechsköpfigen Jury vorgelegt, die über die Vergabe des Hauptpreises entschied.

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:

  • Eveline Widmer-Schlumpf, ehemalige Bundesrätin und Präsidentin der Prix-Courage-Jury
  • Nora Scheidegger, Juristin am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht in Freiburg im Breisgau (D)
  • Sarah Akanji, Mitbegründerin des Frauenteams des FC Winterthur, alt SP-Kantonsrätin in Zürich
  • Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt psychiatrische Dienste Berner Oberland
  • Gian-Marco «Gimma» Schmid, Autor, Texter und Musiker
  • Mahbube Ibrahimi, Gewinnerin des Prix Courage 2025

Weitere Informationen & Kontakt:

Die Fotos der Preisträgerin und der Preisträger sowie deren Porträts, die Laudationes und mehr finden Sie unter www.beobachter.ch/mediencenter.

Kontakt für Nachfragen:
Dominique Strebel, Chefredaktor Beobachter
+41 79 588 90 68, [email protected]