{"id":2687,"date":"2011-01-03T19:05:58","date_gmt":"2011-01-03T18:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2687"},"modified":"2025-12-15T14:49:37","modified_gmt":"2025-12-15T13:49:37","slug":"fuerchtet-euch-nicht","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/fuerchtet-euch-nicht\/","title":{"rendered":"F\u00fcrchtet euch nicht!"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-verse\">\r\n<strong>\u00abWir investieren ins transaktionsbasierte Zukunftsgesch\u00e4ft im Internet und in Entertainment, was zur DNA des Unternehmens geh\u00f6rt.\u00bb<\/strong>\nMarc Walder und Christian Unger<\/pre>\n\n\n\n<p id=\"h-christian-unger-sie-stehen-seit-rund-zwei-jahren-an-der-spitze-von-ringier-marc-walder-sie-f-hren-mit-der-schweiz-die-wichtigste-landesgesellschaft-was-war-denn-bisher-die-gr-sste-meinungsverschiedenheit-zwischen-ihnen\"><strong>Christian Unger, Sie stehen seit rund zwei Jahren an der Spitze von Ringier. Marc Walder, Sie f\u00fchren mit der Schweiz die wichtigste Landesgesellschaft. Was war denn bisher die gr\u00f6sste Meinungsverschiedenheit zwischen Ihnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Pause)<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Das mag jetzt seltsam t\u00f6nen: keine.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-t-nt-echt-seltsam\"><strong>T\u00f6nt echt seltsam.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Die Konzernleitung von Ringier umfasst nur vier Personen, die alle im gleichen Alter sind. Sie funktioniert als homogenes Team.<\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Nat\u00fcrlich gibt es manchmal unterschiedliche Interessen. Wir k\u00e4mpfen ja auch um finanzielle Ressourcen und manchmal auch um Humanressourcen. Aber diese Fragen werden durchdiskutiert, bis es einen gemeinsamen Nenner gibt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sehr-demokratisch\"><strong>Sehr demokratisch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Ringier ist ein Unternehmen mit fast 200 Produkten in zehn L\u00e4ndern. Das k\u00f6nnen Sie nicht zentral f\u00fchren. Die Verantwortung f\u00fcr das Gesch\u00e4ft in der Schweiz und in Deutschland tr\u00e4gt Marc, als wenn es sein ei genes Unternehmen w\u00e4re. Das gilt auch f\u00fcr die Kommunikation. Ich halte mich gerne im Hintergrund, die Stars bei Ringier sind die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Landesgesellschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Christian ist ein CEO, der uns stark gestalten l\u00e4sst. Dadurch habe ich gen\u00fcgend Spielraum. Christian ist mehr Entrepreneur denn Manager.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-christian-unger-sie-haben-eine-fadengerade-verlagskarriere-hingelegt-marc-walder-dagegen-ist-der-einzige-bekannte-autodidakt-in-der-leitung-eines-wichtigen-deutschsprachigen-medienhauses-sie-scheint-einiges-zu-trennen\"><strong>Christian Unger, Sie haben eine fadengerade Verlagskarriere hingelegt. Marc Walder dagegen ist der einzige bekannte Autodidakt in der Leitung eines wichtigen deutschsprachigen Medienhauses. Sie scheint einiges zu trennen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Was uns vereint, ist der unternehmerische Spirit und der Mut zur Ver\u00e4nderung. Marc zeichnet aus, dass er 20 Jahre bei Ringier ist und wirklich jede Schraube dieses Konzerns kennt. Das ist ein Riesenvorteil, denn jetzt hat er erstmals die M\u00f6glichkeit, an diesen Schrauben zu drehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Marc ist ein Sportler, ein unheimlich ehr geiziger und energiegeladener Mensch. Ich bringe unternehmerische Erfahrung und Know-how mit, deshalb erg\u00e4nzen wir uns gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Wir m\u00f6gen uns auch privat. Inzwischen sind unsere Familien befreundet und wir unternehmen auch schon mal am Wochenende etwas gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-bei-jobwechseln-im-topmanagement-dringt-nur-wenig-nach-aussen-man-stellt-sich-das-so-vor-nach-dem-headhunter-ruft-irgendwann-michael-ringier-selbst-an-oder\"><strong>Bei Jobwechseln im Topmanagement dringt nur wenig nach aussen. Man stellt sich das so vor: Nach dem Headhunter ruft irgendwann Michael Ringier selbst an, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Nat\u00fcrlich l\u00e4uft das in etwa so. Das ist im Grossen nicht viel anders als im Kleinen. Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, dass in einem privat gef\u00fchrten Unternehmen die wichtigste Personalentscheidung nur durch Michael Ringier getroffen werden kann. Durch wen sonst?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-marc-walder-wie-kam-es-zu-ihrer-berufung\"><strong>Marc Walder, wie kam es zu Ihrer Berufung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Ich liess Michael Ringier im Tennis gewinnen. (lacht) Im Ernst: Ich war immer ein kommerziell denkender Chefredaktor. F\u00fcr mich war klar, dass ich nach 13 Jahren in verschiedenen Chefredaktionen ins Management wechseln wollte. Mein Wunsch war, zu gestalten, das Unternehmen weiterzuentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-leiden-sie-darunter-dass-sie-oft-als-ex-tennispartner-von-michael-ringier-tituliert-werden-der-es-nach-oben-geschafft-hat\"><strong>Leiden Sie darunter, dass Sie oft als Ex-Tennispartner von Michael Ringier tituliert werden, der es nach oben geschafft hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Michael Ringier und ich kennen uns seit fast 30 Jahren. Deswegen gibt es eine pers\u00f6nliche und eine berufliche Komponente. Und das haben wir immer getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-was-hat-sie-beide-am-meisten-berrascht-bei-ihrer-neuen-aufgabe\"><strong>Was hat Sie beide am meisten \u00fcberrascht bei Ihrer neuen Aufgabe?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Die dramatische Entwicklung der Weltwirtschaft und wie sehr sie Ringier erwischt hat. Zus\u00e4tzlich zur neuen Strategie mussten wir gleich beginnen, drakonisch Kosten zu sparen.<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Eindr\u00fccklich ist, wie stark wir das Unternehmen in den letzten drei Jahren dynamisieren konnten. Der Verleger hat immer gesagt, in der Krise muss man kreativ sein. Er hatte recht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-haben-sie-gedacht-ringier-sei-eher-ein-beh-biger-laden\"><strong>Haben Sie gedacht, Ringier sei eher ein beh\u00e4biger Laden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Nein, aber ich h\u00e4tte nicht gedacht, dass sich Ringier derart schnell weiterentwickeln kann. Strategien haben alle, wir haben unsere Ideen jedoch immens schnell umgesetzt. Die Krise hat vieles beschleunigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Titel, die nicht wirklich gut funktionieren, schliessen Sie nur, wenn der Leidensdruck hoch ist. Wir haben rund 150 Millionen Franken Kosten innerhalb eines Jahres ein gespart. Es wusste ja niemand, dass sich die M\u00e4rkte so schnell wieder erholen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-haben-sie-den-weg-zur-strategie-gefunden-gab-es-berater\"><strong>Wie haben Sie den Weg zur Strategie gefunden? Gab es Berater?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Uns zeichnet aus, dass wir nicht besonders Berater-affin sind. Wenn Sie Umsetzungen beschleunigen wollen, k\u00f6nnen Berater helfen, aber wenn das Kern-Know how nicht in den K\u00f6pfen der Unternehmensleitung sitzt, dann sind Sie verloren. Da bin ich sehr kategorisch.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-l-uft-die-strategiefindung-ganz-praktisch-wo-haben-sie-sich-getroffen\"><strong>Wie l\u00e4uft die Strategiefindung ganz praktisch? Wo haben Sie sich getroffen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Ganz unspektakul\u00e4r: Wir trafen uns in der Hotelfachschule im Belvoirpark, weil wir Ruhe haben wollten. Kurz nach meinem Antritt bei Ringier verloren wir die Konzession von Radio Energy, dann kam schon bald die Meldung vom Deal zwischen Tamedia und Edipresse. Der Handlungsdruck war damals gross.<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Die neue Strategie zu erarbeiten und sie dann scharf zu definieren, war gar kein Hexenwerk. Die drei S\u00e4ulen waren schnell klar. Erstens: Unser Kerngesch\u00e4ft sind und bleiben die Zeitungen und Zeitschriften. Zweitens: Digitale Gesch\u00e4ftsmodelle werden immer wichtiger, das ist offensichtlich. Drittens: Entertainment. Ringier war in seiner DNA immer affin zu Events, zu Sport, zu Stars.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-gab-es-alternativen\"><strong>Gab es Alternativen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Wir h\u00e4tten in Osteuropa auch nicht zwingend das Joint Venture mit Springer eingehen m\u00fcssen. Die Konsequenz w\u00e4re wahrscheinlich gewesen, dass wir uns aus einzelnen L\u00e4ndern zur\u00fcckgezogen h\u00e4tten, um andere digitalisieren zu k\u00f6nnen. Es gab viele Alternativen.<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Im digitalen Gesch\u00e4ft setzen wir auf das transaktionsbasierte Gesch\u00e4ft, wir investieren nicht in soziale Netzwerke, weil wir nicht erkennen, wie man die hohen Reichweiten kommerzialisieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ich-fasse-zusammen-sie-wollen-den-journalismus-retten-indem-sie-in-andere-gesch-ftsfelder-investieren-richtig-oder-falsch\"><strong>Ich fasse zusammen: Sie wollen den Journalismus retten, indem Sie in andere Gesch\u00e4ftsfelder investieren. Richtig oder falsch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Wie Sie das jetzt zuspitzen, ist das falsch. Wenn wir das Ergebnis 2000 vorstellen, werden Sie sehen, dass vor allem die Kerngesch\u00e4fte hervorragend gearbeitet haben. In der Schweiz hat die Blick Gruppe ein fantastisches Jahr hingelegt. Das gilt auch f\u00fcr die Zeitschriften und Ringier Roman die. In diesen Kernbereichen haben wir das grosse Plus eingefahren.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-und-dennoch-setzen-sie-k-nftig-nicht-mehr-nur-auf-dieses-erfolgreiche-kerngesch-ft\"><strong>Und dennoch setzen Sie k\u00fcnftig nicht mehr nur auf dieses erfolgreiche Kerngesch\u00e4ft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Aber das bedeutet keine Abwertung des klassischen Gesch\u00e4fts. Im Gegenteil: Das Mediengesch\u00e4ft m\u00fcssen wir weiter pflegen, um die Renditen f\u00fcr das Wachstum in anderen Bereichen zu erwirtschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch haben wir die h\u00f6chsten Umsatzrenditen im Printgesch\u00e4ft. Wir m\u00fcssen uns aber auch fragen: Wo entsteht k\u00fcnftig die Dynamik, wenn Sie weiter wachsen wollen? Es ist extrem schwierig, neue journalistische Produkte f\u00fcr marktf\u00fchrende Positionen zu erfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Wir werden im Moment auf Diversifikation und Entertainment reduziert, weil das neu ist, und spannend. Aber wie viele Investitionen und Innovationen wir im Kerngesch\u00e4ft gemacht haben, wird kaum thematisiert. Dabei bleibt Printjournalismus unser Fokus. Wir haben hervorragende Marken, alles grosse nationale Titel, die nicht so stark vom Internet konkurrenziert werden wie beispielsweise Regionalzeitungen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-f-rchten-sie-die-diskussion-ber-ihre-neue-strategie-so-sehr\"><strong>Warum f\u00fcrchten Sie die Diskussion \u00fcber Ihre neue Strategie so sehr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Ich f\u00fcrchte sie nicht, aber sie greift einfach zu kurz. Es ist doch faszinierend, was Ringier gemacht hat: Wir haben im Kernbereich aufger\u00e4umt. Wir investieren ins transaktionsbasierte Zukunftsgesch\u00e4ft im Internet und in Entertainment, was zur DNA des Unternehmens geh\u00f6rt. So k\u00f6nnen wir einerseits wachsen und erschliessen gleichzeitig neue Erl\u00f6sstr\u00f6me.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-die-journalisten-f-rchten-den-bedeutungsverlust-fr-her-waren-sie-die-wichtigsten-mitarbeiter-bei-ringier-heute-stehen-sie-neben-einem-tierfutterverk-ufer-im-internet-und-dem-tingeltangel-irgendwelcher-events-haben-sie-auch-an-so-was-gedacht\"><strong>Die Journalisten f\u00fcrchten den Bedeutungsverlust. Fr\u00fcher waren sie die wichtigsten Mitarbeiter bei Ringier. Heute stehen sie neben einem Tierfutterverk\u00e4ufer im Internet und dem Tingeltangel irgendwelcher Events. Haben Sie auch an so was gedacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Nat\u00fcrlich wissen wir, dass das ein sensibler Punkt ist. Der Verlag hat in seiner 177-j\u00e4hrigen Geschichte eine Kultur und Tradition entwickelt und ist gerade dabei, sieh neu zu erfinden. Das ist f\u00fcr viele nat\u00fcrlich be\u00e4ngstigend. Aber es ist zugleich auch faszinierend. Der Wandel ist letztlich ein \u00dcherzeugungsprozess. Genau da liegt Mares absolute St\u00e4rke: Er hat eine grosse Gabe, die Mitarbeiter in diesen Ver\u00e4nderungsprozessen mitzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man nehme die Diskussion um den Newsroom. Das ist hochkontrovers diskutiert worden auch in Ihrer Zeitschrift. Warum ist der Newsroom so ein Erfolg geworden? Weil wir es geschafft haben, die Mitarbeiter mitzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-der-newsroom-ist-ein-erfolg-daf-r-ist-die-personalfluktuation-aber-recht-hoch\"><strong>Der Newsroom ist ein Erfolg? Daf\u00fcr ist die Personalfluktuation aber recht hoch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Der Newsroom ist ein Erfolg. Das heisst aber nicht, dass wir keine Probleme haben. Der Schritt in den Newsroom war radikal, doch wenn wir ehrlich sind, wir haben unsere Organisationen der Blick Gruppe im allerletzten Moment den neuen Begebenheiten angepasst.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-zur-wahrheit-des-newsrooms-geh-rt-auch-dass-die-mitarbeiter-f-r-das-gleiche-geld-mehr-arbeiten-m-ssen\"><strong>Zur Wahrheit des Newsrooms geh\u00f6rt auch, dass die Mitarbeiter f\u00fcr das gleiche Geld mehr arbeiten m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Das m\u00fcssen wir alle. Das gilt f\u00fcr unsere Salse-Abteilung ebenso wie f\u00fcr mich und die Redaktoren. Wir sind in einer Umbruchphase. Wir alle m\u00fcssen mehr leisten.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-fehler-haben-sie-keine-gemacht-beim-newsroom\"><strong>Fehler haben Sie keine gemacht beim Newsroom?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Gemessen an der Aufgabe: wenige. Vor einem gravierenden Fehler hat mich Michael Ringier allerdings bewahrt. Wir h\u00e4tten den Newsroom fast auf der gr\u00fcnen Wiese ausserhalb von Z\u00fcrich geplant, weil wir da r\u00e4umlich optimale Voraussetzungen gehabt h\u00e4tten. Aber der Verleger wollte den Newsroom unbedingt am Stammsitz. Auch als Signal, dass sich das ganze Haus ver\u00e4ndert und ver\u00e4ndern muss.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-sind-stolz-auf-die-vielen-ver-nderungen-und-das-hohe-tempo-man-hat-inzwischen-den-eindruck-ringier-sei-ein-gemischtwarenhandel-mit-angeschlossenen-medien\"><strong>Sie sind stolz auf die vielen Ver\u00e4nderungen und das hohe Tempo. Man hat inzwischen den Eindruck, Ringier sei ein Gemischtwarenhandel mit angeschlossenen Medien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben die Diversifizierung in den vergangenen zwei Jahren \u00fcberprononciert, aber das m\u00fcssen Sie, wenn Sie 8.000 Mitarbeiter mit auf den Weg nehmen wollen. Nachdem diese Hausaufgaben jetzt erledigt sind, wird es wieder mehr um Journalismus gehen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-die-journalisten-sehen-ihre-unabh-ngigkeit-in-gefahr-wenn-ihr-verlag-auch-tickets-und-prominente-verkauft-f-r-derartige-ethische-berlegungen-werden-sie-nicht-bezahlt-oder\"><strong>Die Journalisten sehen ihre Unabh\u00e4ngigkeit in Gefahr, wenn ihr Verlag auch Tickets und Prominente verkauft. F\u00fcr derartige ethische \u00dcberlegungen werden sie nicht bezahlt, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Doch! Wenn die Glaubw\u00fcrdigkeit ihrer Titel leiden w\u00fcrde, h\u00e4tten Sie als Medienhaus ein Riesenproblem<\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Derzeit werden wir ja von allen doppelt beobachtet, weil jeder den ersten grossen Fall aufdecken will. Bisher ist das nicht gelungen und es wird auch nicht gelingen, weil wir dezentral organisiert sind. Meinen Sie ernsthaft, die &#8222;Blick\u201c-Redaktion im Newsroom w\u00fcrde sich von unserem Ticket-Joint-Venture oder sonst wem etwas vorschreiben lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Bei der \u201eSl\u201c haben wir \u00fcber Jahre Events thematisiert, wie die Wahl zur Miss Schweiz, die AVO Session oder das Montreux Jazz Festival. Allein in Montreux hat sich die Besucherzahl aus der Deutschschweiz deshalb verdoppelt. Wenn wir jahrelang Events gross gemacht haben, warum sollen wir nicht selbst davon profitieren? Dies ist, stark vereinfacht, der Gedanke dahinter.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-genau-da-liegt-der-zielkonflikt-sie-k-nnen-n-mlich-nicht-mehr-schreiben-wie-g-hnend-langweilig-das-alles-ist\"><strong>Genau da liegt der Zielkonflikt. Sie k\u00f6nnen n\u00e4mlich nicht mehr schreiben, wie g\u00e4hnend langweilig das alles ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Der &#8222;Blick\u201c hat Lara Gut, die bei unserer Firma Pool Position unter Vertrag ist, als &#8222;Zicke des Jahres\u201c betitelt. Oder ein anderes Beispiel: Bernhard Burgener hat den Spielfilm &#8222;Sennentuntschi\u201c gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sagte vor dem Kinostart, es w\u00fcrde ihn freuen, wenn Ringier dar\u00fcber schreiben w\u00fcrde, weil es ein toller Film sei. Das habe ich den Chefredaktoren gesagt. Drei Tage sp\u00e4ter sehe ich die &#8222;Blick\u201c Headline: Darf Kino so brutal sein? Es folgte ein sehr kritischer Artikel, ein Verriss. Und dann? Der Film wurde ein Riesenerfolg. Die Angst vor Beliebigkeitsjournalismus ist v\u00f6llig \u00fcber zogen. Es ist auch insgesamt falsch, den Journalismus als Auslaufmodell bei Ringier zu betrachten. Unsere Strategie ist nur m\u00f6glich, weil wir im Zentrum starke Printtitel haben. Deshalb waren und sind wir interessant f\u00fcr derart viele Joint-Venture-Partner aus verschiedensten Branchen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-f-r-springer-zum-beispiel-herr-unger-wer-ist-eigentlich-bei-der-zusammenlegung-des-osteuropa-gesch-fts-auf-wen-zugegangen\"><strong>F\u00fcr Springer zum Beispiel: Herr Unger, wer ist eigentlich bei der Zusammenlegung des Osteuropa-Gesch\u00e4fts auf wen zugegangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Das ist kein Geheimnis. Ich bin zu Mathias D\u00f6pfner gefahren, und zwar schon recht schnell, wenige Monate nach Amtsantritt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-im-m-rz-2010-haben-sie-dann-ihre-allianz-bekannt-gegeben-die-pressekonferenz-war-hierbei-ringier-sie-hatten-das-erste-wort-und-der-sitz-der-neuen-gesellschaft-ist-in-z-rich-der-verlierer-bekommt-die-symbolik-der-gewinner-die-macht\"><strong>Im M\u00e4rz 2010 haben Sie dann Ihre Allianz bekannt gegeben. Die Pressekonferenz war hierbei Ringier, Sie hatten das erste Wort und der Sitz der neuen Gesellschaft ist in Z\u00fcrich. Der Verlierer bekommt die Symbolik, der Gewinner die Macht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Die Pressekonferenz war hier, weil die neue Gesellschaft ihren Sitz in Z\u00fcrich hat. Wir wollen ja vielleicht in Zukunft mit dem Joint Venture an die B\u00f6rse, und da ist Z\u00fcrich f\u00fcr beide Partner der optimale Standort. Das war also alles eher pragmatisch.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-die-wahrnehmung-in-der-branche-ist-dass-springer-das-sagen-hat\"><strong>Die Wahrnehmung in der Branche ist, dass Springer das Sagen hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Aber bitte! Ringier brachte ein h\u00f6her bewertetes Portfolio ein. Die Ausgleichszahlung von 125 Millionen Euro ist ja bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Da k\u00f6nnen Sie sich jetzt noch so sehr bem\u00fchen. Sie finden weder strategisch noch operativ einen Dissens, weil es einfach gut funktioniert. Das f\u00fcgt sich in einer Art und Weise zusammen, dass unsere Konkurrenten sagen: Das h\u00e4ttet ihr schon l\u00e4ngst machen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-sieht-der-eskalationsmechanismus-aus-wenn-es-nicht-mehr-so-harmonisch-ist\"><strong>Wie sieht der Eskalationsmechanismus aus, wenn es nicht mehr so harmonisch ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Wir haben festgelegt, dass der parit\u00e4tisch besetzte Verwaltungsrat entscheidet. Wenn es dann zu einem Dissens k\u00e4me, zu dem es meiner Meinung nach nicht kommen kann, weil wir den gleichen Gesch\u00e4ftsansatz haben, dann m\u00fcssten Michael Ringier und Friede Springer sich hinsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Eskalationsmechanismus lautet: zwei \u00e4ltere Herrschaften trinken gemeinsam Kaffee?<\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Das weiss ich nicht, aber theoretisch ist es so geregelt. Die Eigent\u00fcmer m\u00fcssten sich dann einigen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-haben-sie-russland-ausgeklammert-wo-springer-recht-aktiv-ist\"><strong>Warum haben Sie Russland ausgeklammert, wo Springer recht aktiv ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Das war der Wunsch des Verlegers. Wenn Sie von Journalisten erwarten, dass sie hervorragende Arbeit leisten, setzen Sie sie in Russland gleichzeitig einer grossen Gefahr aus.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aktuell-ist-die-medienfreiheit-in-ungarn-bedroht-der-spiegel-kritisierte-das-schweigen-der-westlichen-medienh-user\"><strong>Aktuell ist die Medienfreiheit in Ungarn bedroht. Der &#8222;Spiegel\u201c kritisierte das &#8222;Schweigen der westlichen Medienh\u00e4user\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Wir haben klar betont, dass wir die Situation in Ungarn mit Besorgnis beobachten, dass wir aber die Resultate der EU- Untersuchung abwarten wollen. Diese liegen ja mittlerweile vor, und vieles deutet darauf hin, dass nun das ungarische Mediengesetz mit EU-Recht und der Charta der Grundrechte in Einklang gebracht wird &#8211; was wir nat\u00fcrlich begr\u00fcssen. Wir werden aber die Anwendung des Gesetzes in der Praxis genau verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-war-es-keine-option-druck-auszu-ben\"><strong>War es keine Option, Druck auszu\u00fcben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Nein, unsere Redaktionen k\u00f6nnen frei berichten. Ich bin aber auch in diesem Zusammenhang froh \u00fcber das Joint Venture mit Springer. So haben wir mehr Gewicht, beispielsweise bei Eingaben an die EU. \u00dcbrigens steht die Entscheidung der Kartellbeh\u00f6rde zum Zusammenschluss mit Springer als erster grosser Fusionsfall in Ungarns Medienlandschaft ja noch aus.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-unger-der-osten-l-uft-bald-auch-ohne-sie-und-f-r-die-schweiz-braucht-sie-ihr-kollege-walder-offenbar-auch-nicht-arbeiten-sie-an-ihrer-eigenen-abschaffung\"><strong>Herr Unger, der Osten l\u00e4uft bald auch ohne Sie. Und f\u00fcr die Schweiz braucht Sie Ihr Kollege Walder offenbar auch nicht. Arbeiten Sie an Ihrer eigenen Abschaffung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Sie untersch\u00e4tzen, wie komplex Ringier unterwegs ist. Wir haben fast 80 Joint Venture und sind ein Medienunternehmen, das sich mitten in einer Umbruchphase befindet. Als CEO sind Sie da permanent gefordert. Ich h\u00e4tte es gerne so, wie Sie es beschreiben, dann w\u00fcrde ich statt 80 Stunden in der Woche n\u00e4mlich nur 40 arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-marc-walder-sie-sind-immer-weiter-aufgestiegen-die-n-chste-stufe-ist-der-job-von-christian-unger\"><strong>Marc Walder, Sie sind immer weiter aufgestiegen. Die n\u00e4chste Stufe ist der Job von Christian Unger?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Ich bin in der spannendsten und zufriedenstellendsten Situation meines Berufslebens. Ich bin sehr gl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wird-es-eigentlich-einsam-wenn-man-ganz-oben-angekommen-ist\"><strong>Wird es eigentlich einsam, wenn man ganz oben angekommen ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Nein, ich hab ja Christian.<\/p>\n\n\n\n<p>Unger: Muss ich jetzt antworten, ich habe Marc? (beide lachen laut) Es ist schon richtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich tr\u00e4gt man bei vielen Entscheidungen die Verantwortung am Ende ganz allein.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-walder-fr-her-haben-sie-als-praktikant-kartons-geklebt-heute-sitzen-sie-hier-oben-in-der-teppichetage-wie-gehen-sie-damit-um\"><strong>Herr Walder, fr\u00fcher haben Sie als Praktikant Kartons geklebt, heute sitzen Sie hier oben in der Teppichetage. Wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Einmal war Springer-CEO Mathias D\u00f6pfner bei uns zu Gast vor dem Joint Venture des Osteuropagesch\u00e4fts und ich habe ihn zum Ausgang begleitet. Da fragte mich der Portier: &#8222;Marc, kann ich helfen?\u201c Mathias D\u00f6pfner staunte und meinte: &#8222;Sie sind hier ja mit allen per Du!\u201c Wenn man von unten kommt, ist man mit fast allen per Du und dann ergeben sich gewohnheitsbed\u00fcrftige Situationen, weil Sie mit Leuten, die neu dazustossen, eher per Sie sind.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wir-haben-uns-jetzt-eine-stunde-bem-ht-einen-unterschied-zwischen-ihnen-zu-finden-verraten-sie-uns-zum-schluss-wenigstens-einen\"><strong>Wir haben uns jetzt eine Stunde bem\u00fcht, einen Unterschied zwischen Ihnen zu finden. Verraten Sie uns zum Schluss wenigstens einen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Walder: Das ist doch offensichtlich: die Frisur! Marc Walder (45) arbeitet seit 20 Jahren f\u00fcr Ringier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marc Walder und Christian Unger haben das Unternehmen in nur zwei Jahren v\u00f6llig auf den Kopf gestellt. 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