{"id":2678,"date":"2012-07-15T18:40:31","date_gmt":"2012-07-15T16:40:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2678"},"modified":"2025-12-15T15:19:12","modified_gmt":"2025-12-15T14:19:12","slug":"die-internet-player-haben-unsere-geschaefte-zerschossen","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/die-internet-player-haben-unsere-geschaefte-zerschossen\/","title":{"rendered":"\u00abDie Internet-Player haben unsere Gesch\u00e4fte zerschossen\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-verse\"><strong>\u00abMedienbereiche, die stark wachsen, liegen dann doch eher im digitalen Bereich \u2013 schauen Sie sich doch nur an, was dort in den letzten 10 Jahren entstanden ist.\u00bb<\/strong><br>Christian Unger, CEO Ringier AG 2009 bis M\u00e4rz 2012<\/pre>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Welt spinnt\u201c, hat Verleger Michael Ringier seine Kolumne in der Dezemberausgabe des Unternehmensmagazins DOMO \u00fcberschrieben. Der Schweizer l\u00e4sst sich dort \u00fcber Hedgefonds und Rotweine als Portfoliotipps au: \u201eNichts ist mehr heilig vor der Ausicht auf schnelles Geld\u201c. Er f\u00fchle sich angesichts der Spukationswut \u201ealtmodisch\u201c. Das iPad bezeichnete Ringier auf einer Veranstatlung deutscher Zeitschriftenverleger mal als eine moderne Form der \u201eM\u00e4rklineisenbahn\u201c. Altmodisch sieht der Hauptsitz der Ringier AG in der Z\u00fcrcher Dufourstrasse derweil keineswegs aus. Bestehchend sind die \u00fcberall an den W\u00e4nden h\u00e4ngenden Bilder \u2013 Michael Ringier besitzt eine grosse Sammlung moderner Kunst. Im obersten Stockwerk, im B\u00fcro von CEO Chistian Unger, schaut man \u00fcber die D\u00e4cher von Z\u00fcrich, vorm Fenster fliesst ein kleiner k\u00fcnstlicher Bach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-herr-unger-ihr-verleger-michael-ringier-hat-eine-der-gr-ssten-privaten-kunstsammlungen-im-land-im-verlag-h-ngen-berall-bilder-welche-haben-sie-sich-f-r-ihr-b-ro-ausgesucht-und-warum\"><strong>Herr Unger, ihr Verleger Michael Ringier hat eine der gr\u00f6ssten privaten Kunstsammlungen im Land. Im Verlag h\u00e4ngen \u00fcberall Bilder. Welche haben Sie sich f\u00fcr Ihr B\u00fcro ausgesucht \u2013 und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Ringier hat nicht nur eine faszinierende und herausragende Kunstsammlung aufgebaut, sondern erlaubt den Ringier-Mitarbeitern sogar, sich daraus etwas f\u00fcr die B\u00fcror\u00e4ume auszusuchen. Auch in den allgemeinen Bereichen wie Personalrestaurant, Empfang oder in den G\u00e4ngen ist Kunst allgegenw\u00e4rtig. Das heisst, wir d\u00fcrfen alle mit Kunst leben und uns damit auseinandersetzen. Die Auswahl bei mir? Es sind coole Bilder, zum Teil von K\u00fcnstlern, die ich auch privat sammle, wie Steven Shearer, Kelly Walker oder Wade Guyton.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-ist-der-ehemalige-deutsche-bundeskanzler-gerhard-schr-der-ebenfalls-kunstsammler-eigentlich-noch-berater-bei-ringier\"><strong>Ist der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der, ebenfalls Kunstsammler, eigentlich noch Berater bei Ringier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christian Unger: (lacht) Was Sie alles wissen wollen&#8230; Wie viele Medienunternehmen haben wir externe Berater. Herr Schr\u00f6der wurde schon vor meiner Zeit von Herrn Ringier geholt. Wir waren gerade mit ihm in Asien unterwegs.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-sie-sind-selber-ein-kenner-chinas-haben-dort-f-r-bertelsmann-drei-jahre-das-gesch-ft-mit-aufgebaut-wozu-brauchen-sie-da-einen-ehemaligen-politiker\"><strong>Sie sind selber ein Kenner Chinas, haben dort f\u00fcr Bertelsmann drei Jahre das Gesch\u00e4ft mit aufgebaut. Wozu brauchen Sie da einen ehemaligen Politiker?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herr Schr\u00f6der hilft uns, eine richtige Einsch\u00e4tzung zu finden, ob dieser Markt f\u00fcr uns attraktiv ist oder nicht. Er muss uns keinen Riesendeal bringen. Was wichtiger ist: Er hat die \u00fcbergeordnete politische Lage im Blick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-was-hat-sie-in-ihrer-zeit-in-china-gepr-gt\"><strong>Was hat Sie in Ihrer Zeit in China gepr\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschwindigkeit der Ver\u00e4nderung. Die Chinesen arbeiten unheimlich schnell. Sie blicken nach vorne, und das positiv. Sie wissen: Im Zweifel entsteht durch Ver\u00e4nderung mehr, als wenn man beim Status Quo bleibt. Das ist schon faszinierend, denn die Chinesen k\u00f6nnten ja 1.000 Gr\u00fcnde haben, eben diese Ver\u00e4nderung zu hinterfragen. Die haben schliesslich fast ihr gesamtes kulturelles Korsett verloren. Vor zehnJahren hatten viele B\u00fcrger noch nie einen Geldschein in der Hand gehabt. Heute ist das Land im Grunde kapitalistischer unterwegs als wir alle. Die Chinesen besitzen diese H\u00e4rte, an sich zu arbeiten. Sie sind nie satt. Das kann einen sorgenvoll stimmen, wenn man das mit Europa vergleicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-inwiefern-kaufen-die-chinesen-bald-unsere-medien-auf\"><strong>Inwiefern? Kaufen die Chinesen bald unsere Medien auf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das k\u00f6nnte theoretisch passieren, klar. Die Chinesen kaufen sich ja bereits in amerikanische und europ\u00e4ische Unternehmen ein. Sie sichern sich Rohstoffe in Afrika. Sie haben einen Geltungsanspruch und ein Selbstbewusstsein bekommen, wie wir es uns vor zehn Jahren nicht h\u00e4tten tr\u00e4umen lassen. Aber f\u00fcr den Mediensektor halte ich es derzeit eher f\u00fcr unwahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-wie-viele-m-glichkeiten-stecken-wirklichf-r-europ-ische-medienunternehmen-im-asiatischen-markt\"><strong>Wie viele M\u00f6glichkeiten stecken wirklichf\u00fcr europ\u00e4ische Medienunternehmen im asiatischen Markt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Markt ist hochspannend, weil er w\u00e4chst. Aber f\u00fcr nicht asiatische H\u00e4user ist es schwer. Viele Medienunternehmen haben sich schon zur\u00fcckgezogen. Ich habe drei Jahre in China gelebt und auch viele Ern\u00fcchterungen erfahren. Die Euphorie westlicher Investoren noch vor ein paar Jahren hat sich verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-wie-kommt-s\"><strong>Wie kommt\u00b4s?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Manager haben gemerkt, dass die gro\u00dfen inl\u00e4ndischen Absatzm\u00e4rkte, die uns damals versprochen wurden, tats\u00e4chlich nur begrenzt sind. Da werden wir mit ganz starken chinesischen Playern konfrontiert und nat\u00fcrlich mit der allgegenw\u00e4rtigen Regulierung. Darum k\u00f6nnen sie im klassischen Inhaltegesch\u00e4ft nur punktuell re\u00fcssieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-das-heisst\"><strong>Das heisst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Springer hat seine Investments stark zur\u00fcckgeschraubt. Vom Bertelsmann-Gesch\u00e4ft, das wir breit aufstellen wollten, \u00fcber Zeitschriften, Radio, B\u00fccher und Dienstleistungen hinweg, sind eigentlich nur Zeitschriften von Gruner+Jahr und Dienstleistungen von Arvato \u00fcbrig geblieben. Es ist schwer, wenn Bill Clinton seine Biographie ver\u00f6ffentlicht und das Kapitel \u00fcber China geschw\u00e4rzt ist. Das inl\u00e4ndische Gesch\u00e4ft geht an grosse Player wie Tencent, Baidu, an die Shanghai Media Group, an CCTV. Optionen f\u00fcr uns sind Rubrikenm\u00e4rkte im Internet oder E-Commerce, da greift die Regulierung weniger. Aber die permanente Rechtsunsicherheit im Land macht es kompliziert. Die muss eben mit eingepreist werden, wenn man dort ein Gesch\u00e4ft aufbauen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-daf-r-investiert-ringier-in-vietnam\"><strong>Daf\u00fcr investiert Ringier in Vietnam.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, das l\u00e4uft ganz ordentlich. Gerade haben wir eine Lizenzausgabe der Modezeitschrift \u201eElle\u201c gestartet. Rechtsunsicherheiten gibt es nat\u00fcrlich auch dort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-ist-die-idee-eines-globalen-medienhauses-nicht-nur-vermessen-sondern-auch-gescheitert\"><strong>Ist die Idee eines globalen Medienhauses nicht nur vermessen, sondern auch gescheitert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube nicht, dass wir uns jemals als globales Medienhaus bezeichnet h\u00e4tten. Wir sind international und dezentral. Wenn wir in einem Land einen guten Partner finden, werden wir etwas gemeinsam unternehmen. Aber wir haben keinen Masterplan. Wir m\u00fcssen nicht zwingend in diese L\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-in-deutschland-ist-ringier-derweil-mit-den-zwei-publikationen-cicero-und-monopol-fast-ein-kleinverlag-k-rzlich-wurde-das-blatt-literaturen-dazugekauft-um-die-auflage-von-cicero-ein-wenig-anzuheben-welche-ambitionen-haben-sie\"><strong>In Deutschland ist Ringier derweil mit den zwei Publikationen \u201eCicero\u201c und \u201eMonopol\u201c fast ein Kleinverlag. K\u00fcrzlich wurde das Blatt \u201eLiteraturen\u201c dazugekauft, um die Auflage von \u201eCicero\u201c ein wenig anzuheben. Welche Ambitionen haben Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eLiteraturen\u201c war eine kleine Sache. In Deutschland sind die M\u00e4rkte verteilt, es ist extrem schwer, neue Felder zu finden, die zu uns passen. Gespr\u00e4che gab es mit dem Bielefelder Klocke Verlag, das ist kein Geheimnis (der Klocke Verlag gibt u.a. Restaurant- und Reisezeitschriften heraus, Anm. d. Red.).Das ruht derzeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-mit-der-axel-springer-ag-ist-ringier-in-osteuropa-ein-joint-venture-eingegangen-ist-das-erst-der-anfang-immerhin-f-hrten-beide-verlage-vor-jahren-schon-mal-gespr-che-ber-eine-fusion\"><strong>Mit der Axel Springer AG ist Ringier in Osteuropa ein Joint Venture eingegangen. Ist das erst der Anfang? Immerhin f\u00fchrten beide Verlage vor Jahren schon mal Gespr\u00e4che \u00fcber eine Fusion.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube nicht, dass wir die Zusammenarbeit noch ausbauen. Das Joint Venture is ja Ergebnis einer umfassenden Analyse, was wir zusammen machen k\u00f6nnen. Am Ende des Tages entstand das Gemeinschaftsunternehmen in Osteuropa, und es funktioniert sehr gut. Alle anderen M\u00e4rkte haben wir bereits durchdekliniert und entschieden, unsere Zusammenarbeit auf Mittel- und Osteuropa zu konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-ein-eckpfeiler-von-ringier-ist-seit-einiger-zeit-auch-das-event-und-entertainmentgesch-ft-wie-lukrativ-ist-das-und-warum\"><strong>Ein Eckpfeiler von Ringier ist seit einiger Zeit auch das Event- und Entertainmentgesch\u00e4ft. Wie lukrativ ist das \u2013 und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es erlaubt uns, einen Wachstumsmarkt zu erschliessen der den gleichen Medienkonsumenten bedient, wie der unserer anderen Gesch\u00e4fte. Und wir reduzieren damit den Anteil unseres Umsatzes, der von Anzeigen abh\u00e4ngt. Das ist f\u00fcr uns von grosser strategischer Bedeutung &#8211; wir wollen den Umsatzanteil erh\u00f6hen, der transaktionsabh\u00e4ngig und damit direkt mit dem Endkunden in Verbindung ist. Wir haben zum Beispiel gerade Anteile an einem Radiosender in Basel gekauft, der jetzt zu Radio Energy wird. Damit &nbsp;haben wir in drei Jahren ein Radionetzwerk Z\u00fcrich-Bern-Basel aufgebaut, das durch die Marke Energy noch viel mehr ist als ein Radio. Unter dem Brand organisieren wir zum Beispiel grosse Events oder Konzerte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-ist-print-eigentlich-ein-auslaufmodell\"><strong>Ist Print eigentlich ein Auslaufmodell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab zuletzt durchaus erfolgreiche Zeitschriftengr\u00fcndungen. Beispielsweise \u201eLandLiebe\u201c. Aber bei einem Gesamtkonglomerat von rund einer Milliarde Umsatz sind das punktuelle Nischenthemen. Medienbereiche, die stark wachsen, liegen dann doch eher im digitalen Bereich \u2013 schauen Sie sich doch nur an, was dort in den letzten 10 Jahren entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-gutes-stichwort-welche-fragen-bewegen-sie-als-chef-des-gr-ten-schweizer-medienhauses-eigentlich-derzeit\"><strong>Gutes Stichwort: Welche Fragen bewegen Sie als Chef des gr\u00f6\u00dften Schweizer Medienhauses eigentlich derzeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir versuchen, ein sehr gutes Gef\u00fchl zu entwickeln, wie sich die Mediennutzung unserer Leser und Zuh\u00f6rer ver\u00e4ndert, aber auchbeispielsweise die Mediennutzung von Konzertbesuchern, die \u00fcber unsere Tochterfirmen ein Ticket kaufen. Das Erstaunliche ist ja, dass wir im Alter zwischen f\u00fcnf und 15 Jahren den Grundstein f\u00fcr unsere Mediennutzung legen. Bei mir war das noch das Lesen der Zeitung. Aber alles, was sp\u00e4ter passiert, unterliegt einem permanenten Wandel. Fr\u00fcher schrieben wir Briefe, heute E-Mails. Das hei\u00dft, die Einkommensstr\u00f6me und Gesch\u00e4ftsmodelle von Medienunternehmen unterliegen einem dramatischem Wandel. Nat\u00fcrlich lesen die heute 10 bis 15 j\u00e4hrigen noch Zeitung &#8211; allerdings viel weniger im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Gesamtmediennutzung als es fr\u00fcher der Fall war. Nur: sie wollen daf\u00fcr nicht mehr bezahlen; und deshalb kann man davon ausgehen, dass sie dies auch nicht tun werden, wenn sie \u00e4lter werden. Das heisst f\u00fcr uns: wir m\u00fcssen unsere Gesch\u00e4ftsmodelle neu erfinden, so dass unsere Inhalte, die wir produzieren, weiter so attraktiv bleiben, dass daf\u00fcr bezahlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-was-bedeutet-das-noch-etwas-konkreter\"><strong>Was bedeutet das noch etwas konkreter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die permanente Ver\u00e4nderung f\u00fchrt dazu, dass Entscheidungen \u00fcber Investitionen schwieriger werden. Vor eineinhalb Jahren haben wir beispielsweise ein Onlineportal in der Slowakei gekauft. Man muss wissen, wie solche Portale zu bewerten sind. Da gibt es kaum Erfahrungswerte. Die Planung f\u00fcr eine hundertj\u00e4hrige Zeitung l\u00e4sst sich dagegen f\u00fcr die n\u00e4chsten 30 Jahre halbwegs stabil abbilden, auch wenn die Wachstumsraten vielleicht nicht so positiv aussehen m\u00f6gen wie bei dem Onlinegesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-sie-waren-selber-bevor-sie-zu-ringier-gingen-chef-der-online-plattform-tradus-sie-kamen-damals-von-einem-anderen-gro-konzern-bertelsmann-was-hat-ihnen-diese-zwischenstation-gebracht\"><strong>Sie waren selber, bevor Sie zu Ringier gingen, Chef der Online-Plattform Tradus. Sie kamen damals von einem anderen Gro\u00dfkonzern, Bertelsmann. Was hat Ihnen diese Zwischenstation gebracht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unheimlich viel. Tradus war zun\u00e4chst ein Auktionshaus und dann haben wir es zu einem E-Commerce-Player umgebaut, der zum Marktf\u00fchrer in Osteuropa avancierte. Vor ein paar Jahren waren solche Plattformen noch Anti-Verlagsmodelle, die Ums\u00e4tze von Druckmedien abzogen und eigene Marken bildeten. Die haben gesagt: Lasst uns blo\u00df mit Offline-Verlagsjungs in Ruhe! Da habe ich schon ein unheimlich gutes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr bekommen, wie die Kultur im Internet funktioniert. Ausserdem war es eine M\u00f6glichkeit, sich auch mal selbst an einem Gesch\u00e4ft unternehmerisch zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-warum-sind-sie-dann-zu-ringier-gewechselt\"><strong>Warum sind Sie dann zu Ringier gewechselt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil ich glaube, das diese beiden Kulturen nun zusammenwachsen. Die Zeit der v\u00f6lligen Autarkie von Internet-Firmen war nur der Startpunkt. Da Medienunternehmen ja expandieren m\u00fcssen, haben sie sich auch damit zu besch\u00e4ftigen, wie sie solche Angebote und Plattformen integrieren. Viele Verlage haben in der ersten Internetwelle gesagt: Das ist nicht unser Gesch\u00e4ft, damit wollen wir nichts zu tun haben. Das sind irgendwelche Anarchos, die nur Geld verbrennen. Mittelfristig geh\u00f6ren wir zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-im-vergangenen-sommer-hat-ringier-die-mehrheit-an-deindeal-gekauft-einem-groupon-klon-sie-sprachen-vor-kurzem-vom-nachholbedarf-den-verlage-auf-diesem-feld-haben-doch-hand-aufs-herz-viel-aufzuholen-ist-doch-in-manchen-m-rkten-gar-nicht-mehr-der-zug-ist-abgefahren\"><strong>Im vergangenen Sommer hat Ringier die Mehrheit an DeinDeal gekauft, einem Groupon-Klon. Sie sprachen vor kurzem vom \u201eNachholbedarf\u201c, den Verlage auf diesem Feld haben. Doch, Hand aufs Herz, viel aufzuholen ist doch in manchen M\u00e4rkten gar nicht mehr. Der Zug ist abgefahren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist so. Wir m\u00fcssen nicht entwickeln, was es anderswo schon gibt. Das w\u00e4re naiv. Viele Medienunternehmen versuchen, Gesch\u00e4ftsmodelle zu kopieren und glauben, mit ihrer Medienpower k\u00f6nnten sie Gesch\u00e4ftsmodelle besser anschieben als andere Anbieter. Ich glaube aber, es geht eher darum, einenfirst mover advantage zu bekommen. Wir m\u00fcssen akzeptieren, dass andere die Gesch\u00e4ftsmodelle aufbauen, die wir h\u00e4tten aufbauen m\u00fcssen. Innovation ist heute an Technologie gekoppelt, und da sind uns andere voraus. Wir m\u00fcssen darum jetzt ebenso schnell \u00fcberlegen, wie wir mit solchen Firmen kooperieren k\u00f6nnen, gerade mit den Marktf\u00fchrern. Das ist besser, als sie zum Feind zu erkl\u00e4ren. Denn viele Gr\u00fcndungen basieren ja auf verlagsnahen Gesch\u00e4ften. Wenn wir behaupten, diese Firmen betrieben ein ganz anderes Gesch\u00e4ft, dann wird die Plattform, auf der wir selber sitzen, doch immer kleiner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-die-idee-der-internet-companies-war-es-ja-einstmals-analoge-gesch-fte-neu-f-r-den-digitalen-raum-zu-denken-so-besetzten-sie-entwicklungsfelder-von-medienunternehmen-jetzt-m-ssten-diese-eigentlich-ihrerseits-hingehen-und-ganz-neue-modelle-erfinden-doch-das-liegt-nicht-in-ihrer-natur\"><strong>Die Idee der Internet-Companies war es ja, einstmals analoge Gesch\u00e4fte neu f\u00fcr den digitalen Raum zu denken. So besetzten sie Entwicklungsfelder von Medienunternehmen. Jetzt m\u00fcssten diese eigentlich ihrerseits hingehen und ganz neue Modelle erfinden. Doch das liegt nicht in ihrer Natur.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stimmt schon. Die Internet-Player haben unsere Gesch\u00e4fte, die wir mit hohen Fixkosten, aber noch h\u00f6hreren Ums\u00e4tzen und Gewinnen betrieben, zerschossen. Das gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr das Anzeigengesch\u00e4ft. Um \u00fcber eine Print-Anzeige einen Jobbewerber zu bekommen, betr\u00e4gt der Aufwand etwa 15.000 bis 20.000 Franken (20.000 Franken entsprechen etwa 16.500 Euro, d. Red.) Online erreicht man das gleiche Ergebnis mit 4.000bis 5.000 Franken. Nat\u00fcrlich sind unsere Mitarbeiter auch innovativ. Aber gro\u00dfe Medienunternehmen k\u00f6nnen nicht ihre Gesch\u00e4ftsmodelle ausbauen und sie gleichzeitig zerst\u00f6ren. Das w\u00e4re ein bisschen viel verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-aber-vision-r\"><strong>Aber vision\u00e4r&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, in dem Augenblick, wo sie ein Gesch\u00e4ft betreiben, bauen sie doch logischerweise automatisch Schutzmechanismen auf, um sie zu verteidigen. Im Gegenzug rennen ja auch nicht die Startup-Gr\u00fcnder den Verlagen die T\u00fcr ein, sondern sie sprechen mit Investoren. Wenn ein Verlag da mithalten wollte, m\u00fcsste er zu einem Inkubator werden. Und st\u00fcnde damit als Verlag pl\u00f6tzlich in direkter Konkurrenz zu den Early-Stage Finanzinvestoren oder Venture-Capitalist-Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-die-haben-etwas-mehr-geld-zur-verf-gung\"><strong>Die haben etwas mehr Geld zur Verf\u00fcgung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und sie agieren in ihrem ureigenen Gesch\u00e4ft. Verlage haben dagegen ihr Stammgesch\u00e4ft. Sie verfolgen eher das Ziel der Wertsch\u00f6pfung als schnelle Profite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-im-jahr-2010-machte-ringier-laut-bilanz-etwa-zehn-prozent-des-umsatzes-mit-dem-digitalgesch-ft-wo-lag-dieser-anteil-im-vergangenen-jahr\"><strong>Im Jahr 2010 machte Ringier laut Bilanz etwa zehn Prozent des Umsatzes mit dem Digitalgesch\u00e4ft. Wo lag dieser Anteil im vergangenen Jahr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa bei 15 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-und-wie-hoch-war-davon-der-umsatz-mit-origin-ren-journalistischen-inhalten\"><strong>Und wie hoch war davon der Umsatz mit origin\u00e4ren journalistischen Inhalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa ein Drittel, also rund f\u00fcnf Prozent. Aber es ist extrem schwer, das genau zu sagen. Die Newsportale Blick.ch oder Fakt.pl \u2013 das w\u00fcrde erst gar nicht existieren, wenn wir nicht das Verlagsgesch\u00e4ft betrieben. Die Wachstumsdynamik in den journalismusnahen Feldern ist geringer als in anderen Feldern. Im Internet dominierenSearch, Dating, Transaktionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-was-versprechen-sie-sich-von-tablet-und-smartphone-apps\"><strong>Was versprechen Sie sich von Tablet- und Smartphone-Apps?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einiges, denn die Schweiz ist ein reiches Land und es gibt bereits etwa 1,2 Millionen iPhones und \u00fcber 150.000 iPads bei nur knapp acht Millionen Einwohnern. Es gibt die Bereitschaft, f\u00fcr solche Produkte zu zahlen. Eine Gourmet-App f\u00fcr Gault Millau k\u00f6nnen wir heute gut f\u00fcr 15 Schweizer Franken verkaufen. Auf einer Webseite h\u00e4tten wir vermutlich nichts verlangen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen selbstbewusster werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-trotzdem-wurde-das-ambitionierte-ipad-projekt-the-collection-im-vergangenen-jahr-eingestellt-ihr-kollege-thomas-tr-b-wurde-mit-dem-satz-zitiert-wir-haben-ganz-klar-gelernt-dass-der-endverbraucher-nicht-mehr-bereit-ist-f-r-content-zu-bezahlen\"><strong>Trotzdem wurde das ambitionierte iPad-Projekt The Collection im vergangenen Jahr eingestellt. Ihr Kollege Thomas Tr\u00fcb wurde mit dem Satz zitiert: \u201eWir haben ganz klar gelernt, dass der Endverbraucher nicht mehr bereit ist, f\u00fcr Content zu bezahlen.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aussage war so, wie sie zitiert wurde, ungl\u00fccklich und auch etwas missverst\u00e4ndlich. Die Antwort ist: The Collection war ein Test mit einer monothematischen Magazin-Ausgabe. Eine faszinierende Idee mit einer faszinierenden Umsetzung, aber wir haben falsch eingesch\u00e4tzt, wie viel die Nutzer zu zahlen bereit sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-eine-ausgabe-kostete-3-99-euro\"><strong>Eine Ausgabe kostete 3,99 Euro.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war schon frustrierend zu sehen, dass Nutzer zumindest im Augenblick bereit sind, mehr f\u00fcr das Spiel Fruit Ninja auszugeben als f\u00fcr so etwas wie The Collection. Darum haben wir uns vorerst auf gesponserte Apps verlegt. Richard Branson und Rupert Murdoch, die beide auch aufw\u00e4ndige Tablet-Magazine haben entwickeln lassen, mussten ihre Angebote ebenfalls zur\u00fcckdampfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-und-doch-bleibt-die-entwicklung-neuer-marken-f-r-neue-endger-te-eine-ureigene-aufgabe-f-r-verleger\"><strong>Und doch bleibt die Entwicklung neuer Marken f\u00fcr neue Endger\u00e4te eine ureigene Aufgabe f\u00fcr Verleger.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein Dilemma. Wir m\u00fcssen uns n\u00e4her an die Erwartungshaltung der Leser heranrobben. Allein in der Schweizhaben wir in der Zwischenzeit 20 Apps kreiert. Es gibt eine wahnsinnige Unsicherheit, was das Pricing angeht. Und es gibt noch viele offene Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-muss-man-unsicherheit-zulassen\"><strong>Muss man Unsicherheit zulassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Unsicherheit und Vielfalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" id=\"h-die-digitalen-wachstumsfelder-bekommen-derzeit-viel-aufmerksamkeit-gleichzeitig-wirft-das-analoge-gesch-ft-oft-noch-mehr-geld-ab-wie-verteilen-sie-ihre-aufmerksamkeit-zwischen-diesen-feldern\"><strong>Die digitalen Wachstumsfelder bekommen derzeit viel Aufmerksamkeit, gleichzeitig wirft das analoge Gesch\u00e4ft oft noch mehr Geld ab. Wie verteilen Sie Ihre Aufmerksamkeit zwischen diesen Feldern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich muss pendeln. Die Konjunkturaussichten haben sich zuletzt deutlich eingetr\u00fcbt. In diesen Zeiten stehen automatisch kurzfristige Themen wie Profitabilit\u00e4tssicherung im Vordergrund und Investitionen in digitale Gesch\u00e4ftsmodelle muss ich st\u00e4rker hinterfragen. Sie fokussieren dann auf die Gesch\u00e4fte, die schneller cashflow positiv sind.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-und-dieser-modus-wird-2012-anhalten\">Und dieser Modus wird 2012 anhalten?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich nehme es an. Wir m\u00fcssen uns auf ein bis drei gro\u00dfe Wachstumsthemen konzentrieren und viele kleine Themen zur\u00fcckschrauben. Profitabilit\u00e4t steht im Vordergrund. Ich erwarte pers\u00f6nlich ein sehr hartes Jahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ringier ist der gr\u00f6sste Schweizer Medienkonzern \u2013 und im Privatbesitz. Das Spannungsfeld von Ringier reicht vom Boulevardblatt Blick bis zum Debattenmagazin Cicero. 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