{"id":2666,"date":"2013-03-31T18:29:42","date_gmt":"2013-03-31T16:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2666"},"modified":"2021-09-07T18:01:37","modified_gmt":"2021-09-07T16:01:37","slug":"was-ich-fuehle-ist-eher-druck-als-macht","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/was-ich-fuehle-ist-eher-druck-als-macht\/","title":{"rendered":"\u00abWas ich f\u00fchle, ist eher Druck als Macht\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-verse\"><strong>\n\u00abIn meinem B\u00fcro h\u00e4ngt der allererste \"Blick\" aus dem Jahr 1959, und da steht unter dem Logo \"Die unabh\u00e4ngige Zeitung der Schweiz\"\u00bb<\/strong>\nMarc Walder, CEO Ringier AG<\/pre>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-walder-was-bedeutet-ihnen-macht\"><strong>Herr Walder, was bedeutet Ihnen Macht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marc Walder: Es w\u00e4re unehrlich zu sagen, Macht sei mir nicht wichtig, nur weil es dann bescheidener und zur\u00fcckhaltender t\u00f6nen w\u00fcrde. Wer, um beruflich weiterzukommen, so viel Zeit und Energie in sein berufliches Leben investiert hat wie ich, der hat definitiv auch das Interesse daran, dass seine Ideen umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-geniessen-sie-diese-macht\"><strong>Geniessen Sie diese Macht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was ich f\u00fchle, ist eher Druck als Macht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-druck-im-sinne-von-belastung\"><strong>Druck im Sinne von Belastung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ringier ist ein sehr komplexes Unternehmen. Wir sind in 16 L\u00e4ndern t\u00e4tig und haben verschiedenste Gesch\u00e4ftsmodelle: Zeitungen, Zeitschriften, Druckereien, Entertainment-Unternehmen, die Konzerte veranstalten, Radio machen, Sport vermarkten oder Ticketing vollziehen. Dann wiederum sind wir im E-Commerce oder im digitalen Classified-Gesch\u00e4ft t\u00e4tig. In den letzten f\u00fcnf Jahren haben wir rund 1,2 Milliarden Franken in die Transformation unseres Unternehmens investiert. Der Druck \u2013 physisch und psychisch \u2013 ist sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-unsere-jury-sieht-sie-als-den-einflussreichsten-mann-im-schweizer-showbiz-sie-selber-erleben-ihren-job-aber-nicht-als-machtposition\"><strong>Unsere Jury sieht Sie als den einflussreichsten Mann im Schweizer Showbiz. Sie selber erleben Ihren Job aber nicht als Machtposition?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Alltag f\u00fchlt sich nicht so an. Aber es ehrt mich nat\u00fcrlich, dass die Jury dies so entschieden hat. In meiner Zeit als Tennisprofi war ich w\u00e4hrend vieler Jahre immer im hinteren Teil der ATP-Rangliste anzutreffen \u2013 nun einmal ganz vorne zu sein, ist ein v\u00f6llig neues Gef\u00fchl (lacht).<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-als-oberster-herr-ber-blick-schweizer-illustrierte-und-gl-ckspost-haben-sie-einfluss-darauf-wen-die-ffentlichkeit-kennt-und-wer-als-star-oder-als-versager-gilt-wie-w-hlen-sie-diese-leute-aus\"><strong>Als oberster Herr \u00fcber \u00abBlick\u00bb, \u00abSchweizer Illustrierte\u00bb und \u00abGl\u00fcckspost\u00bb haben Sie Einfluss darauf, wen die \u00d6ffentlichkeit kennt und wer als Star oder als Versager gilt. Wie w\u00e4hlen Sie diese Leute aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00e4hle niemanden aus! Aber viel wichtiger: Stars kann man nicht einfach so \u00abmachen\u00bb. Stars machen sich selbst! Der gr\u00f6sste Schweizer Star ist ohne Zweifel Roger Federer. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind jene, die f\u00fcr alle anderen auch gelten, egal ob Sport, Entertainment, Wirtschaft, Kunst oder was auch immer das Genre sein mag: Leistung, Leistung, Leistung. Roger ist dar\u00fcber hinaus auch noch integer, sympathisch und bescheiden. Die wirklich grossen Stars machen nicht auf d\u00e4mlich-d\u00fcmmlich-peinlichesSchickimicki-Gehabe, sondern sind enorm leistungsorientiert, zuverl\u00e4ssig \u2013 und oft auch bescheiden in ihrer Pers\u00f6nlichkeitsstruktur. Dies sind die Menschen, die mir imponieren.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-welche-stars-ziehen-auf-dem-cover-der-schweizer-illustrierten-am-kiosk-am-besten\"><strong>Welche Stars ziehen auf dem Cover der \u00abSchweizer Illustrierten\u00bb am Kiosk am besten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2012 verkaufte sich die SI mit Roger Federer auf dem Titel am besten. Dies nach seinem historischen Wimbledon-Sieg. Mirka Federer mit den beiden herzigen Zwillingen verkaufte sich ebenfalls gut. Aber leider auch ein trauriges Ereignis: der Tod von Kurt Felix.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-roger-federer-und-kurt-felix-das-sind-zwei-pers-nlichkeiten-die-si-erscheint-aber-52-mal-also-braucht-es-auch-reihenweise-cervelat-promis-auf-der-front-die-k-nnen-sie-durchaus-machen\"><strong>Roger Federer und Kurt Felix \u2013 das sind zwei Pers\u00f6nlichkeiten. Die SI erscheint aber 52-mal. Also braucht es auch reihenweise Cervelat-Promis auf der Front. Die k\u00f6nnen Sie durchaus \u00abmachen\u00bb.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe sieben Jahre die SI als Chefredaktor gef\u00fchrt und weiss, wie hart der Kampf um gute Geschichten von wirklich spannenden Menschen ist. Das ist in den letzten Jahren eher noch schwieriger geworden. Fr\u00fcher gab es erstens weniger Medien, die im People-Gesch\u00e4ft t\u00e4tig waren \u2013 und zweitens mehr wirkliche Identifikationsfiguren wie beispielsweise Bernhard Russi, Vreni Schneider, Pirmin Zurbriggen, Maria Walliser, Nicolas Hayek, Dr. Beat Richner und andere mehr. Sie waren alle nationale Idole. Heute haben wohl nur noch Roger Federer oder vielleicht einmal ein Dario Cologna diese Zugkraft.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-gehen-uns-die-echten-stars-aus\"><strong>Gehen uns die echten Stars aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alles ist komplexer und vor allem internationaler geworden. Die Schweiz hat immer wieder internationale Leucht figuren hervorgebracht, in vielen Bereichen. Das d\u00fcrfte so bleiben, wenn auch seltener werden. DJ Bobo beispielsweise hatte im Ausland riesigen Erfolg gehabt und wurde hierzulande stets eher gering gesch\u00e4tzt. In der Architektur haben wir Herzog &amp; de Meuron oder einen Zumthor, in der Kunst unter vielen anderen Fischli\/Weiss, in der Politik \u2026 (denkt nach): Da hatte Ogi eine internationale Ausstrahlung. Und in der Wirtschaft ist Nick Hayek jun. gerade daran, in die grossen Fussstapfen seines Vaters zu treten.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-k-nnen-stars-die-sie-pers-nlich-gut-kennen-damit-rechnen-dass-sie-von-den-ringier-medien-pfleglich-behandelt-werden\"><strong>K\u00f6nnen Stars, die Sie pers\u00f6nlich gut kennen, damit rechnen, dass Sie von den Ringier-Medien pfleglich behandelt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als CEO eines Medienunternehmens hat man das Privileg, viele spannenden Menschen kennen zu lernen, und da ergeben sich in der Tat auch Kollegialit\u00e4ten oder gar Freundschaften. Aber es ist nie Teil der Freundschaft, kritische Geschichten zu verhindern. Ich mische mich nur dann ein, wenn ich das Gef\u00fchl habe, es laufe etwas nun wirklich falsch. Dies gilt genauso f\u00fcr Michael Ringier.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-bestimmt-wenden-sich-ihre-freunde-an-sie-wenn-sie-ein-problem-haben\"><strong>Bestimmt wenden sich Ihre Freunde an Sie, wenn Sie ein Problem haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt in der Natur der Sache. Bernhard Russi beispielsweise rief mich an, als er und seine Ehefrau Mari sich vor rund drei Jahren trennten. Er fragte: \u00abMarc, irgendwann m\u00fcssen wir das der \u00d6ffentlichkeit mitteilen. Wie machen wir das am besten?\u00bb Die Trennung war dann die Titelgeschichte im \u00abSonntagsBlick\u00bb. Korrekt, unaufgeregt. Damit war das Thema gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-russi-ist-in-ihren-medien-seit-vierzig-jahren-ein-star-was-macht-ihn-speziell\"><strong>Russi ist in Ihren Medien seit vierzig Jahren ein Star. Was macht ihn speziell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er ist ein absolut aussergew\u00f6hnlicher Mensch. Bernhard Russi war vor Jahrzehnten aktiver Sportler und noch heute geniesst er eine geradezu einzigartige Vorbildfunktion. Nichts verdeutlicht diese Tatsache besser, als dass Russi seit 34 Jahren treuer Botschafter von Subaru ist \u2013 ohne Vertrag, einfach per Handschlag. Und dies in einer Zeit, in der sich jeder Manager eines Sternleins j\u00e4hrlich darum bem\u00fcht, von Automarke A zu Automarke B zu wechseln, weil es dort noch zehn Franken mehr zu holen geben k\u00f6nnte. Roger Federer wird, wie Russi, weit \u00fcber seine Karriere hinaus eine solch grosse Integrationsfigur bleiben. Sonst w\u00fcrde ich eine solche Prognose nicht f\u00fcr viele Stars wagen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ringier-hat-eine-eigene-firma-die-stars-vermarktet-wegen-der-vermischung-von-journalismus-und-pr-wird-vor-allem-der-blick-dauernd-kritisiert-verdienen-sie-mit-den-promis-so-viel-geld-dass-sich-all-der-rger-lohnt\"><strong>Ringier hat eine eigene Firma, die Stars vermarktet. Wegen der Vermischung von Journalismus und PR wird vor allem der \u00abBlick\u00bb dauernd kritisiert. Verdienen Sie mit den Promis so viel Geld, dass sich all der \u00c4rger lohnt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber diese angebliche Vermischung steht in keinem Verh\u00e4ltnis zur wirtschaftlichen Bedeutung dieser kleinen Firma Pool Position. Das ging so weit, dass man uns diesen Vorwurf selbst bei Prominenten machte, die wir gar nicht betreuen \u2013 etwa bei der Trennung von Florian Ast und Francine Jordi.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-h-ren-sie-nicht-wieder-auf-mit-diesem-gesch-ft\"><strong>Warum h\u00f6ren Sie nicht wieder auf mit diesem Gesch\u00e4ft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Ausdauersportler setze ich darauf, dass die anderen Medien irgendwann m\u00fcde sind, immer das Gleiche zu schreiben und quasi ermattet aufgeben (schmunzelt). Im Ernst: Es gibt kein einziges Beispiel, bei dem man dokumentieren k\u00f6nnte, dass die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit verletzt worden w\u00e4re. Stars und Entertainment \u2013 das passt zur DNA von Ringier und ist ein Wachstumsfeld.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-wenn-g-l-den-sie-promoten-zuerst-seine-trennung-und-dann-die-hochzeit-mit-seiner-neuen-frau-im-blick-ausbreiten-muss-hat-das-einen-schalen-nachgeschmack\"><strong>Aber wenn G\u00f6l\u00e4, den Sie promoten, zuerst seine Trennung und dann die Hochzeit mit seiner neuen Frau im \u00abBlick\u00bb ausbreiten muss, hat das einen schalen Nachgeschmack.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war immer so, dass die bekannten Pers\u00f6nlichkeiten an den \u00abBlick\u00bb oder die \u00abSchweizer Illustrierte\u00bb oder den \u00abSonntagsBlick\u00bb gedacht haben, wenn sie etwas Neues zu vermelden hatten\u2026<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ok-aber-fr-her-als-ringier-die-stars-nicht-gleich-auch-vermarktete-fehlte-das-gschm-ckle\"><strong>\u2026 ok, aber fr\u00fcher, als Ringier die Stars nicht gleich auch vermarktete, fehlte das \u00abGschm\u00e4ckle\u00bb.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben klare Spielregeln, einen Code of Conduct, um zu vermeiden, dass wir uns unkorrekt verhalten. Und wir stehen ja hier unter enormer medialer Beobachtung. Fr\u00fcher h\u00e4tten wir doch genauso \u00fcber G\u00f6l\u00e4 berichtet \u2013 einfach darum, weil er der vielleicht erfolgreichste Schweizer Musiker ist, dazu noch eine Saftwurzel und eine unangepasste, ehrliche Haut. Wir schreiben \u00fcber Menschen, die interessieren. Heute erarbeiten wir aber eine h\u00f6here Wertsch\u00f6pfung, indem beispielsweise Ticketcorner den Billettverkauf macht und wir \u2013 etwa im Sport \u2013 auch noch die Vermarktungsrechte besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-oft-kostet-doch-die-strategie-mehr-als-sie-bringt-ottmar-hitzfeld-h-tte-f-r-den-blick-auch-dann-eine-kolumne-geschrieben-wenn-man-ihn-nicht-unter-vertrag-genommen-h-tte-zu-einem-jahreslohn-von-400-000-franken\"><strong>Oft kostet doch die Strategie mehr, als sie bringt. Ottmar Hitzfeld h\u00e4tte f\u00fcr den \u00abBlick\u00bb auch dann eine Kolumne geschrieben, wenn man ihn nicht unter Vertrag genommen h\u00e4tte zu einem Jahreslohn von 400 000 Franken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Zahl kommentiere ich nicht. Die Sache an sich gerne: Die Kolumne ist nur ein sehr kleiner Teil unserer Koopera tion. Im Rahmen unserer Sportdiversifikation spielt Fussball eine zentrale Rolle. Da ist Hitzfeld f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ein wichtiger Berater, und das wird er auch \u00fcber seine Zeit als Nati-Trainer hinaus sein. Er spielte bereits eine ganz zentrale Rolle, als Ringier sich entschied, die Rechte f\u00fcr die Super League zu sichern. Ich diskutierte mit Ottmar Hitzfeld lange dar\u00fcber, wie er die mittelfristige Perspektive des Schweizer Klubfussballs einsch\u00e4tzt. Sein positives Urteil war mitentscheidend daf\u00fcr, dass wir uns dann f\u00fcr diese Investition entschieden haben.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-verleger-michael-ringier-hat-wiederholt-gefordert-der-blick-m-sse-politisch-wieder-relevanter-werden-da-interessiert-die-frage-wie-tickt-eigentlich-der-ceo-politisch\"><strong>Verleger Michael Ringier hat wiederholt gefordert, der \u00abBlick\u00bb m\u00fcsse politisch wieder relevanter werden. Da interessiert die Frage: Wie tickt eigentlich der CEO politisch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meinem B\u00fcro h\u00e4ngt der allererste \u00abBlick\u00bb aus dem Jahr 1959, und da steht unter dem Logo \u00abDie unabh\u00e4ngige Zeitung der Schweiz\u00bb\u2026<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-wort-unabh-ngig-fehlt-heute\"><strong>Das Wort \u00abunabh\u00e4ngig\u00bb fehlt heute.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gilt nach wie vor. Der \u00abBlick\u00bb durchlief verschiedene Phasen: Vor gut 20 Jahren rutschte er nach rechts, vor rund zehn Jahren nach links. Wichtig ist, dass die Zeitungen von Fall zu Fall Position beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-klingt-nach-wischiwaschi\"><strong>Das klingt nach Wischiwaschi.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Denken im starren Links-rechts-Schema d\u00fcrfte etwas zu eng sein in der heutigen Welt. Was ich pers\u00f6nlich von dieser oder jener Vorlage halte, ist nicht so relevant. Ich war zum Beispiel gegen die Abzocker-Initiative; die ging mir zu weit. Davon haben Sie in unseren Publikationen aber nicht allzu viel gesp\u00fcrt. Die Journalisten schrieben, was sie f\u00fcr richtig hielten.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-als-sie-eingangs-ber-international-bedeutende-schweizer-gesprochen-haben-nannten-sie-den-namen-adolf-ogi-den-wichtigsten-politiker-der-letzten-20-jahre-haben-sie-aber-vergessen\"><strong>Als Sie eingangs \u00fcber international bedeutende Schweizer gesprochen haben, nannten Sie den Namen Adolf Ogi. Den wichtigsten Politiker der letzten 20 Jahre haben Sie aber vergessen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wen meinen Sie?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-christoph-blocher\"><strong>Christoph Blocher.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Christoph Blocher Bundesrat wurde, fuhr ich nach Bern, um mit ihm ein Hintergrundgespr\u00e4ch zu f\u00fchren \u2013 um das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Haus Ringier und Blocher zu entkrampfen. Dies gelang meiner Meinung nach. SVP-Politiker sollen mit der gleichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit in unseren Medien stattfinden wie Politiker anderer Parteien.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-die-svp-betont-gebetsm-hlenhaft-die-schweizer-medien-seien-linkslastig-teilen-sie-diese-ansicht\"><strong>Die SVP betont gebetsm\u00fchlenhaft, die Schweizer Medien seien linkslastig. Teilen Sie diese Ansicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Jahren ist die Medienlandschaft politisch eher wieder breiter geworden. Dass die \u00abSchweiz am Sonntag\u00bb zum Beispiel oder andere Titel links w\u00e4ren, h\u00e4tte ich nicht festgestellt. Was ich eher feststelle, ist eine \u00abMain streamisierung\u00bb der Medien bei einzelnen Themen. Journalisten sind manchmal wie Schafe, die alle in die gleiche Richtung rennen. Der Mainstream kann je nach Dossier oder Thema nach links oder nach rechts fliessen. Er kann dann aber auch wieder rechtsumkehrt oder linksumkehrt machen, wie man das in Deutschland wunderbar sieht bei der medialen Beurteilung von Altkanzler Gerhard Schr\u00f6der: Er wurde wegen seiner Agenda medial beinahe verteufelt. Und heute? Er wird er f\u00fcr dieselbe Agenda als \u00abRetter der deutschen Wirtschaft\u00bb verehrt. Dies bis hinein in die Herzkammer des Kapitalismus \u2013 dem \u00abWall Street Journal\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-glauben-sie-dass-am-tag-ihrer-pensionierung-der-blick-und-die-schweizer-illustrierte-noch-auf-papier-erscheinen-werden\"><strong>Glauben Sie, dass am Tag Ihrer Pensionierung der \u00abBlick\u00bb und die \u00abSchweizer Illustrierte\u00bb noch auf Papier erscheinen werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re also in 18 Jahren. (Denkt lange nach) Gehen wir mal 18 Jahre zur\u00fcck und \u00fcberlegen uns, wie die Welt damals ausgesehen hat. Geben wir uns der wohl korrekten These hin, die Entwicklung w\u00fcrde sich in Zukunft eher noch beschleunigen \u2013 dann w\u00fcrde ich sagen: Der \u00abBlick\u00bb und viele andere Zeitungen \u00fcberall auf der Welt werden eher nicht mehr in der Form erscheinen, wie wir sie heute kennen. Dass es die Marke \u00abBlick\u00bb mit all ihrer Relevanz aber noch geben wird: Da bin ich mir sicher. Bei den Zeitschriften erwarte ich, dass man die auch in 18 Jahren noch gern auf Papier zur Hand nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-werden-sie-bei-ringier-pensioniert-werden-oder-k-nnen-sie-sich-vorstellen-mal-noch-f-r-einen-anderen-verlag-zu-arbeiten\"><strong>Werden Sie bei Ringier pensioniert werden oder k\u00f6nnen Sie sich vorstellen, mal noch f\u00fcr einen anderen Verlag zu arbeiten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweiz wohl kaum, das w\u00fcrde mir meine Loyalit\u00e4t zu diesem grossartigen Unternehmen und dieser wunderbaren Familie verbieten. Vielleicht einmal im Ausland. Aber vielleicht werde ich bei Ringier irgendwann einmal in der Zukunft wieder in anderer Funktion t\u00e4tig sein.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-woran-denken-sie\"><strong>Woran denken Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht an den Journalismus\u2026<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-m-chten-zur-ck-auf-einen-chefredaktoren-sessel\"><strong>Sie m\u00f6chten zur\u00fcck auf einen Chefredaktoren-Sessel?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht hierarchisches Denken hat meine Karriere gepr\u00e4gt. Sondern Tatendrang. Ein Team zu f\u00fchren, das jeden Tag oder jede Woche etwas zustande bringt, wor\u00fcber die Schweiz spricht \u2013 faszinierend.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-klingt-schon-fast-nach-einer-bewerbung-als-blick-chefredaktor\"><strong>Das klingt schon fast nach einer Bewerbung als \u00abBlick\u00bb-Chefredaktor.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer weiss. Vor zwanzig Jahren begann meine berufliche Laufbahn beim \u00abBlick\u00bb. Vielleicht endet sie einst dort.<\/p>\n\n\n\n<p>Sportler, journalist, CEO&nbsp;<br>Marc Walder (47) war in jungen Jahren Tennis-Profi und bestritt zwischen 1984 und 1991 die Turniere der ATP-Tour. Nach seiner Sportkarriere absolvierte als 28-J\u00e4hriger die Ringier-Journalistenschule. Schnell stieg er auf. Er war unter anderem \u00abBlick\u00bb-Sportchef, wurde sp\u00e4ter Chefredaktor der \u00abSchweizer Illustrierten\u00bb und des \u00abSonntagsBlicks\u00bb. 2008 wechselte er ins Management: Walder \u00fcbernahm die operative Verantwortung von Ringier Schweiz und Deutschland. Im April 2012 wurde er CEO des Gesamtkonzerns mit weltweit \u00fcber 7000 Mitarbeitern. Marc Walder wohnt in der Region Z\u00fcrich, ist verheiratet mit Susanne Walder, Ex- Unterhaltungschefin der \u00abSchweizer Illustrierten\u00bb, und Vater zweier T\u00f6chter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist der oberste Chef \u00fcber \u00abBlick\u00bb, \u00abSchweizer Illustrierte\u00bb und \u00abGl\u00fcckspost\u00bb. 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