{"id":2653,"date":"2014-05-26T18:18:10","date_gmt":"2014-05-26T16:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2653"},"modified":"2025-12-15T15:39:38","modified_gmt":"2025-12-15T14:39:38","slug":"die-macht-von-google-ist-exorbitant","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/die-macht-von-google-ist-exorbitant\/","title":{"rendered":"\u00abDie Macht von Google ist exorbitant\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-verse\"><strong>\u00abNach einem halben Jahr durfte ich die ersten 40 Zeilen \u00fcber eine bulgarische Tennisspielerin schreiben, mit meinem K\u00fcrzel. Das habe ich mir dann zu Hause aufgeh\u00e4ngt.\u00bb<\/strong>\r\nMarc Walder, CEO Ringier AG<\/pre>\n\n\n\n<p>Er ist einer der wichtigsten Medienmanager der Schweiz: Marc Walder, 48. Er macht einen sportlichen Eindruck &#8211; kein Wunder, denn seine eigentliche Leidenschaft gilt dem Tennis. Walder war fr\u00fcher Profi; er spielte im Schweizer Nationalkader und bestritt weltweit Turniere der ATP World Tour Finals. Ganz nach oben schaffte er es dann beim Z\u00fcricher Verlag Ringier.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>MONTAGSINTERVIEW<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sz-herr-walder-sie-haben-ringier-grundlegend-umgebaut-f-hren-sie-berhaupt-noch-eine-medienfirma\"><strong>SZ: Herr Walder, Sie haben Ringier grundlegend umgebaut. F\u00fchren Sie \u00fcberhaupt noch eine Medienfirma?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marc Walder: Im Herzen, aber auch im Geist sind wir ein journalistisch getriebenes Medienunternehmen geblieben. Unser Verleger Michael Ringier ist Journalist, und ich bin Journalist. Aber wir diversifizieren mit aller Konsequenz und H\u00e4rte. Etwa 55 Prozent unseres Umsatzes entf\u00e4llt heute noch auf klassische Verlagsaktivit\u00e4ten, knapp 30 Prozent auf digitale Gesch\u00e4fte, gut 15 Prozent auf den Bereich Entertainment.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-heisst-aber-auch-journalismus-ist-nur-noch-die-h-lfte-ihres-gesch-ftes\"><strong>Das heisst aber auch: Journalismus ist nur noch die H\u00e4lfte Ihres Gesch\u00e4ftes.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt. Wir haben viel investiert &#8211; \u00fcbrigens aus eigener Kraft -\u201a weil niemand weiss, wie lange man noch vom klassischen Verlagsgesch\u00e4ft, also von Zeitungen, Zeitschriften und Druckereien, allein leben kann. Etwa 1,4 Milliarden Franken haben wir in neue Gesch\u00e4fte investiert &#8211; in Internetportale, Online-Anzeigenanbieter, in E-Commerce, Ticketing, in Sportvermarktung, in Radio. Wir schlafen ruhig. Man kann sagen: Wir haben uns von einem klassischen Verlag zu einer operativ gef\u00fchrten Medienholding entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sind-sie-da-schon-am-ende\"><strong>Sind Sie da schon am Ende?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Ringier, dem das Unternehmen zusammen mit seinen beiden Schwestern Evelyn und Annette geh\u00f6rt, und ich hatten vor knapp zwei Jahren ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch. Damals sagten wir uns: \u00abWir sind jetzt durchs Gr\u00f6bste durch, jetzt kommen ruhigere Zeiten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-es-kam-anders\"><strong>Es kam anders.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, auch 2013 war wieder ein Jahr mit enormem Rhythmus. Wir haben die Scout-24-Aktivit\u00e4ten in der Schweiz voll \u00fcbernommen, wir haben das Gesch\u00e4ft in Tschechien verkauft und viele kleinere Transaktionen get\u00e4tigt. Das Tempo bleibt hoch. Konstant bleibt lediglich die Inkonstanz.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-besteht-nicht-die-gefahr-dass-sie-sich-dabei-verzetteln\"><strong>Besteht nicht die Gefahr, dass Sie sich dabei verzetteln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben auch deshalb unsere Strategie gesch\u00e4rft, setzen auf drei S\u00e4ulen: Verlagswesen, also Publishing, Entertainment und digitale Gesch\u00e4fte. Es g\u00e4be noch viele Opportunit\u00e4ten, aber diese Breite an Gesch\u00e4ften reicht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-bremst-da-michael-ringier-sind-sie-derjenige-der-unbedingtwill-und-der-verleger-als-v-terlicher-freund-h-lt-sie-zur-ck\"><strong>Bremst da Michael Ringier? Sind Sie derjenige, der unbedingtwill, und der Verleger als v\u00e4terlicher Freund h\u00e4lt Sie zur\u00fcck?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist kein schlechtes Rollenmodell, die Ruhe und Lebensweisheit von Michael Ringier ist wichtig. Manchmal sagt er: Damit sollten wir es nunbewendenlassen. Andererseits ist beachtlich, wie viel Speed, wie viel Geschwindigkeit dieses Unternehmen entwickelt hat. Die Harvard-Universit\u00e4t hat vor zwei Jahren eine Fallstudie \u00fcber Ringier gemacht. Zwei Dinge haben die besonders beeindruckt: der Mut zur Transformation und die Geschwindigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-michael-ringier-ist-ihr-f-rderer-sie-kennen-sich-schon-lange-haben-gemeinsam-tennis-gespielt\"><strong>Michael Ringier ist Ihr F\u00f6rderer. Sie kennen sich schon lange, haben gemeinsam Tennis gespielt&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Ringier war und ist ein sehr guter Tennisspieler.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-waren-selbst-zehn-jahre-lang-tennis-profi-spielen-sie-heute-noch-gemeinsam\"><strong>Sie waren selbst zehn Jahre lang Tennis- Profi. Spielen Sie heute noch gemeinsam?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenig, seit drei Jahren eigentlich nicht mehr. Wir haben erst k\u00fcrzlich gesagt, wir sollten wieder mehr Tennis spielen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wer-gewinnt-normalerweise\"><strong>Wer gewinnt normalerweise?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Michael ist ungemein fit f\u00fcr seine 65 Jahre, er ist Langstreckenl\u00e4ufer, hat mehrmals am New York Marathon teilgenommen. Er ist auch exzellenter Golfspieler mit Handicap 14. Aber ich w\u00fcrde immer noch gewinnen. Eines unserer letzten Spiele war \u00fcbrigens ein Doppel, das wir gewonnen haben: Wir sind gegen Gerhard Schr\u00f6der und (den Tennisspieler) Ilie N\u00e4stase angetreten. Der war mal die erste Nummer eins der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wer-gerhard-schr-der\"><strong>Wer? Gerhard Schr\u00f6der?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Lacht.) Nein, N\u00e4stase. Der fr\u00fchere Bundeskanzler Schr\u00f6der ist ein Berater von uns. Wir haben zwei wichtige Pers\u00f6nlichkeiten, die f\u00fcr uns arbeiten: Gerhard Schr\u00f6der und Ottmar Hitzfeld. Schr\u00f6der k\u00fcmmert sich vor allem um die politischen Belange, gerade in Osteuropaund in Asien. Und Ottmar ber\u00e4t mich rund um die Erweiterung unserer Aktivit\u00e4ten bei der Sportvermarktung. Ringier besitzt beispielsweise s\u00e4mtliche Marketingrechte der ersten beiden Schweizer Fussballligen. Man k\u00f6nnte also sagen: Wir brauchen kein Boston Consulting und kein McKinsey, wir haben Schr\u00f6der und Hitzfeld.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-eng-ist-ihr-kontakt-zu-michael-ringier-wie-gross-ist-sein-einfluss\"><strong>Wie eng ist Ihr Kontakt zu Michael Ringier, wie gross ist sein Einfluss?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben unsere B\u00fcros nebeneinander, aber Michael ist viel irgendwo auf der Welt unterwegs, vor allem als Sammler zeitgen\u00f6ssischer Kunst. Er hat eine der gr\u00f6ssten Sammlungen moderner Kunst weltweit. Unser Verh\u00e4ltnis kann man als unkompliziert, kollegial und vertrauensvollbezeichnen. Wir schicken uns t\u00e4glich Nachrichten, oft via SMS oder den Blackberry Messenger. Ist er in Z\u00fcrich, treffen wir uns eher spontan zum Kaffee auf der Terrasse.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-laufen-solche-gespr-che\"><strong>Wie laufen solche Gespr\u00e4che?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wichtige Sitzungen mit Michael Ringier dauern oft nicht l\u00e4nger als 20 Minuten, dann f\u00e4llt eine Entscheidung. Diskussionen sind stets unternehmerisch getrieben. Er m\u00f6chte nicht Excel Sheets und Businesspl\u00e4ne f\u00fcr zehn Jahre sehen. Er m\u00f6chte die Gesch\u00e4fte verstehen, er m\u00f6chte die Menschen kennenlernen, die diese Gesch\u00e4fte f\u00fchren. Schon seit Jahren h\u00e4lt er sich an seinen Vorsatz: Ich entscheide nichts gegen meinen Bauch. Ein guter Vorsatz.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-michael-ringier-hat-sie-einst-auch-in-das-unternehmen-gebracht-oder\"><strong>Michael Ringier hat Sie einst auch in das Unternehmen gebracht, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Lacht.) Eigentlich musste ich aus der Not einen richtigen Beruf lernen, weil ich mit dem Tennisspielen nicht genug verdient habe. So bin ich Journalist geworden. Eigentlich ist Heinz G\u00fcnthardt schuld, der lange Coach von Steffi Graf war. Ich hatte ihn damals gefragt: \u00abIch bin fertig mit Tennis. Was w\u00fcrdest du tun? Eine Tennisschule aufmachen?&#8220; Ich hatte ja einen guten Namen. G\u00fcnthardt aber sagte mir: \u201eBeginn ganz unten. Mach was ganz Neues.&#8220;Also habe ich mich als Volont\u00e4r bei Ringier beworben.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-welche-rolle-spielte-michael-ringier\"><strong>Welche Rolle spielte Michael Ringier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Ringier hat mich zum damaligen Personalchef geschickt, und ich habe f\u00fcr 1300 Franken im Monat angefangen. Zun\u00e4chst musste ich im Zeitschriftenverlag die Pr\u00e4sentation der Vertriebsleute kleben. Ein Jahr sp\u00e4ter bin ich in die Sportredaktion von Blick gegangen. Nach einem halben Jahr durfte ich die ersten 40 Zeilen \u00fcber eine bulgarische Tennisspielerin schreiben, mit meinem K\u00fcrzel. Das habe ich mir dann zu Hause aufgeh\u00e4ngt. Ich denke, ich war fleissig und zuverl\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-und-sie-haben-mit-dem-verleger-tennis-gespielt\"><strong>Und Sie haben mit dem Verleger Tennis gespielt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen eine Geschichte erz\u00e4hlen. Bald hatte ich die Verantwortung f\u00fcr die Schlussredaktion bekommen. Bis Mitternacht musste ich dableiben und habe dannjeweils die letzte Strassenbahn nicht mehr erreicht, musste also quer durch Z\u00fcrich mit dem Fahrrad fahren. Beim Tennisspielen habe ich dann einmal zu Michael Ringier gesagt: \u00abIch brauche dringend einen Schein f\u00fcr die Tiefgarage, damit ich mit dem Auto kommen kann.&#8220;&#8218;Seine Antwort war: \u201eDa kann ich leider nichts machen, da musst du mit den zust\u00e4ndigen Stellen sprechen.&#8220; Habe ich dann getan.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-und\"><strong>Und?\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die haben mich eiskalt abblitzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-jetzt-sind-sie-ganz-oben-mathias-d-pfner-der-chef-der-axel-springer-ag-hat-einen-radikalen-schnitt-gemacht-hat-regionalzeitungen-und-traditionsbl-tter-wie-h-rzu-verkauft-kann-man-sich-vorstellen-dass-irgendwann-ringier-auch-den-blick-die-grosse-schweizer-boulevardzeitung-aufgibt\"><strong>Jetzt sind Sie ganz oben. Mathias D\u00f6pfner, der Chef der Axel Springer AG, hat einen radikalen Schnitt gemacht, hat Regionalzeitungen und Traditionsbl\u00e4tter wie \u00abH\u00f6rzu\u00bb verkauft. Kann man sich vorstellen, dass irgendwann Ringier auch den \u00abBlick\u00bb, die grosse Schweizer Boulevardzeitung, aufgibt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, Ringier ohne Blick kann ich mir nicht vorstellen. Blick, Sonntags-Blick, Blick am Abend und Schweizer Illustrierte, das ist unser Kern, das ist unser Herz. Und das sind \u00fcbrigens nach wie vor sehr profitable Objekte.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-die-sp-ren-doch-auch-die-medienkrise-oder\"><strong>Die sp\u00fcren doch auch die Medienkrise, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Tageszeitungenhabenin denvergangenen Jahren die Erosion gesp\u00fcrt, die Zeitschriften deutlich weniger, die hatten 2013 sogar das beste Jahr seit Langem. Die Schweizer lllustrierte beispielsweise, die ja f\u00fcr Deutsche schwer zu fassen ist &#8211; sie ist wohl eine Art Mischung aus Bunte und Stern &#8211; l\u00e4uft weiterhin wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-haben-vor-kurzem-sogar-eine-tageszeitung-gekauft-warum\"><strong>Sie haben vor Kurzem sogar eine Tageszeitung gekauft. Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Le Temps ganz \u00fcbernommen, die relevanteste Zeitung der franz\u00f6sischsprachigen Westschweiz. Wir besassen bereits 50 Prozent, jetzt haben wir 100 Prozent. Bei aller Diversifikation glauben wir an starkejournalistische Marken.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-lange-wird-es-noch-zeitungen-geben\"><strong>Wie lange wird es noch Zeitungen geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Steve Jobs damals das iPad herausbrachte, hiess es, von nun an wird alles ganz schnell gehen. Doch die Nutzungsgewohnheiten von Menschen verschieben sich viel, viel langsamer.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-verdienen-sie-denn-im-internet-geld\"><strong>Verdienen Sie denn im Internet Geld?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das bleibt die grosse Herausforderung f\u00fcr die herk\u00f6mmliche Medienindustrie. Viele unserer journalistischen Portale verdienen heute Geld, nicht alle. Aber gerade mit Kleinanzeigen in den Bereichen Stellenmarkt, Irimobilien oder Automobile verdienen sie heute richtig viel Geld. Weil das einfache und effiziente Angebote sind. Ich gebe Ihnen ein pers\u00f6nliches Beispiel: Als wir vor drei Jahren unser privates Haus verkaufen wollten, haben wir eine Anzeige in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung geschaltet. Das hat vielleicht 300 Franken gekostet f\u00fcr f\u00fcnf Zeilen Es kamen drei Bewerbungen, sehr seri\u00f6se. Denen habenwir das Haus gezeigt, aus verschiedenen Gr\u00fcnden haben die drei abgesagt. Dann habe ich es auf unserer eigenen Plattform versucht, auf Immoscout 24.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-war-billiger-und\"><strong>Das war billiger. Und?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es kostete weniger als die NZZ-Anzeige. Aber viel wichtiger: Da waren Bilder zu sehen, da war ein Grundriss zu sehen, alles direkt verlinkt mit meiner E-Mail. Es kamen 250 Bewerbungen<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-wollten-sie-doch-dann-auch-nicht\"><strong>Das wollten Sie doch dann auch nicht!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das wollten wir auch nicht. Aber der Service ist f\u00fcr den Nutzer durch das Internet um ein Vielfaches gr\u00f6sser geworden. Alle profitieren. Wir haben das Haus dann \u00fcbrigens verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-wie-wollen-sie-in-zukunft-guten-journalismus-finanzieren\"><strong>Aber wie wollen Sie in Zukunft guten Journalismus finanzieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Journalismus darf nicht querfinanziert oder subventioniert werden. Das w\u00e4re M\u00e4zenatentum, und das w\u00e4re katastrophal. Journalismus muss sich selbst tragen. Die Publikationen, die wir haben, erwirtschaften in einem zunehmend schwierigeren Umfeldimmernochgute Margen, aber gr\u00f6sser werden die in der Regel nicht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-trotzdem-haben-sie-keine-pl-ne-f-r-bezahlinhalte-im-internet-warum\"><strong>Trotzdem haben Sie keine Pl\u00e4ne f\u00fcr Bezahlinhalte im Internet. Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gab einmal einen Handschlag zwischen Mathias D\u00f6pfner und mir auf einem Flug nach Warschau. Springer hatja digitale Abo- Modelle f\u00fcr Welt und Bild eingef\u00fchrt. Ich habe mit Mathias abgemacht, dass wir das bei Ringier ebenfalls tun. Und zwar zeitgleich mit Springer. Diese Abmachung habe ich gebrochen. Wir haben es nicht gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-untypisch-f-r-einen-schweizer\"><strong>Untypisch f\u00fcr einen Schweizer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht auch typisch, weil sehr pragmatisch. Ich bewundere, was Springer bei Bild macht. Es wird aber schwierig bleiben, digitale Abo-Modelle f\u00fcr Boulevardmedien zu etablieren. Die Alternative ist immer nur einen Klick entfernt. Abo-Modelle im Internet werden vor allem bei Publikationen im oberen Segment eine Chance haben. Wir halten also vorl\u00e4ufig am Reichweitenmodell fest. M\u00f6glichst viele User erm\u00f6glichen m\u00f6glichst viel Werbeumsatz. Unsere Bezahlmodelle sind jetzt erst einmal im K\u00fchlschrank.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-hat-sich-d-pfner-schon-beschwert-dass-sie-ihr-versprechen-nicht-einhalten\"><strong>Hat sich D\u00f6pfner schon beschwert, dass Sie Ihr Versprechen nicht einhalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mathias ist ein grossr\u00e4umig denkender Mann und hat das mit einer kleinen Verstimmung zur Kenntnis genommen, aber er sieht dar\u00fcber hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sehen-sie-google-wie-d-pfner-als-grossen-feind-der-medienunternehmen\"><strong>Sehen Sie Google wie D\u00f6pfner als grossen Feind der Medienunternehmen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(\u00dcberlegt.) Google ist ein frenemy, ein Freind sozusagen. Schauen wir es einmal n\u00fcchtern an: Die Marktmacht von Google ist &#8211; ich w\u00e4hle dieses Wort bewusst &#8211; exorbitant. Weltweit kontrollieren die rund 70 Prozent des Internets im Bereich Suche. In den USA generierte Google 2013 mehr Werbevolumen als alle US-Zeitungen zusammen. Und ich spreche nur von Google. Deren Tochterfirmen lasse ich mal beiseite. Kaum je gab es in einer Industrie ein Unternehmen, das derart marktdominant war. Schauen wir zur\u00fcckauf 2006: Damals durfte Springer ProSieben Sat.1 nicht \u00fcbernehmen &#8211; wegen \u00abzu starker wirtschaftlicher Konzentration im Medienmarkt\u00bb. Im Vergleich zur Marktmacht von Google heute w\u00e4re das damals ja beinahe ein Nischenspieler gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-was-ist-die-konsequenz\"><strong>Was ist die Konsequenz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kartell-Theorie, die wirbis dahin kannten, ist wohl \u00fcberfordert mit dieser Marktdominanz, einer historischen Marktdominanz. Demzufolge gilt es, diese Kartell-Theorie der neuen Realit\u00e4t anzupassen. Alles andere w\u00e4re eine Kapitulation.<\/p>\n\n\n\n<p>Marc Walder, 48, absolvierte nach seiner Zeit als Tennisprofi ein Volontariat beim Ringier-Verlag und machte bald Karriere. Er war Chefredakteur der \u00abSchweizer Illustrierte&#8220; und des \u00abSonntags- Blick. 2008 stieg er in die Konzernleitung auf, seit April 2012 ist er Vorstandsvorsitzender. Ringier wurde 1833 gegr\u00fcndet und befindet sich noch immer in Familienbesitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Unternehmen ist in 14 L\u00e4ndern aktiv, setzte 2013 mehr als eine Milliarde Schweizer Franken um und besch\u00e4ftigt 7500 Mitarbeiter. Mit Axel Springer betreibt Ringier ein Gemeinschaftsunternehmen in Osteuropa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Journalist Marc Walder ist Chef von Ringier, dem gr\u00f6\u00dften Medienunternehmen der Schweiz. 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