{"id":2640,"date":"2014-09-01T18:02:13","date_gmt":"2014-09-01T16:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2640"},"modified":"2021-09-07T17:05:48","modified_gmt":"2021-09-07T15:05:48","slug":"mich-stoert-die-boesartigkeit-und-haeme","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/mich-stoert-die-boesartigkeit-und-haeme\/","title":{"rendered":"\u00abMich st\u00f6rt die B\u00f6sartigkeit und H\u00e4me\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-verse\"><strong>\u00abGer\u00fcchte sind immer interessanter als die Realit\u00e4t.\u00bb<\/strong>\nMichael Ringier, VR-Pr\u00e4sident Ringier AG<\/pre>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-ringier-sie-sind-im-m-rz-65-jahre-alt-geworden-und-haben-die-pensionsgrenze-erreicht-warum-arbeiten-sie-noch\"><strong>Herr Ringier, Sie sind im M\u00e4rz 65 Jahre alt geworden und haben die Pensionsgrenze erreicht. Warum arbeiten Sie noch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Ringier: Weil es Spass macht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-was-genau-macht-spass-am-verlegersein\"><strong>Was genau macht Spass am Verlegersein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Mediengesch\u00e4ft an sich macht Spass. Es geht um Politik, Sport, Glamour. Und in all diesen Bereichen tummeln sich spannende Menschen. In einem Medienunternehmen sind Sie in dieser Beziehung wirklich verw\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-sind-seit-rund-40-jahren-im-journalismus-und-seit-30-jahren-im-verlagsgesch-ft-da-hat-man-doch-eigentlich-alles-schon-mal-gesehen-oder\"><strong>Sie sind seit rund 40 Jahren im Journalismus und seit 30 Jahren im Verlagsgesch\u00e4ft. Da hat man doch eigentlich alles schon mal gesehen, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, \u00fcberhaupt nicht! Ich sammle ja auch zeitgen\u00f6ssische Kunst. Auch da mache ich etwas, bei dem es keine einzig wahre Antwort gibt. Sie m\u00fcssen sich auf Ihr Urteil, das Urteil anderer oder auf das Bauchgef\u00fchl verlassen. Das hat mich immer fasziniert.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-dem-sonntagsblick-haben-sie-k-rzlich-gesagt-als-verleger-besch-ftige-ich-mich-st-ndig-mit-den-problemen-von-heute-und-morgen-das-klingt-nicht-gerade-nach-einem-sehr-freudvollen-arbeitsalltag\"><strong>Dem \u00abSonntagsblick\u00bb haben Sie k\u00fcrzlich gesagt: \u00abAls Verleger besch\u00e4ftige ich mich st\u00e4ndig mit den Problemen von heute und morgen.\u00bb Das klingt nicht gerade nach einem sehr freudvollen Arbeitsalltag.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht dabei um Fragen und um Dinge, die mich interessieren. Ich rede nie von fr\u00fcher, mich interessiert nur Heute und Morgen. Und ungel\u00f6ste Probleme sind in der Regel interessanter als die gel\u00f6sten. Eine L\u00f6sung macht f\u00fcr einen kurzen Moment Freude, aber wenn dann kein ungel\u00f6stes mehr kommt, was machen Sie denn dann den ganzen Tag?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ehrlich-gesagt-frage-ich-mich-das-auch-so-was-machen-sie-eigentlich-den-ganzen-tag\"><strong>Ehrlich gesagt frage ich mich das auch so: Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine berechtigte Frage (lacht), meine Kinder haben mich das auch schon gefragt. Ich habe das Privileg, mich st\u00e4ndig informieren und weiterbilden zu k\u00f6nnen. Das heisst: Der Grossteil meiner Zeit geht daf\u00fcr darauf, zu lesen, mich zu informieren und mit Menschen zu reden. Ein Teil der Zeit geh\u00f6rt der Kunst. Ich kann st\u00e4ndig aufnehmen, das empfinde ich als riesiges Privileg.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wenn-ihnen-ihre-rolle-als-verleger-so-viel-freude-macht-k-nnen-sie-ja-noch-lange-m-glicherweise-bis-ins-hohe-alter-bleiben-es-gibt-genug-beispiele-daf-r\"><strong>Wenn Ihnen Ihre Rolle als Verleger so viel Freude macht, k\u00f6nnen Sie ja noch lange, m\u00f6glicherweise bis ins hohe Alter bleiben. Es gibt genug Beispiele daf\u00fcr.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das kommt auf die interne Situation an. Ich werde, egal wie alt ich bin, immer wahnsinnig viel tun. Ob die Firma dann noch im Zentrum steht, das lassen wir mal offen. Stellen Sie die Nachfolgefrage noch mal in f\u00fcnf Jahren. Wobei die Altersfrage heute sowieso eine andere ist als fr\u00fcher. Ich bin einfach keine 65.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wie-alt-f-hlen-sie-sich-denn\"><strong>Wie alt f\u00fchlen Sie sich denn?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie 53. (lacht) Auch physisch. Wenn ich mich erinnere: Als Kind war f\u00fcr mich ein 65-J\u00e4hriger steinalt, da habe ich schon den Grabstein daneben gesehen. Das ist heute komplett anders geworden. Ich kann meinen Kindern immer noch erkl\u00e4ren, wieso ihre Computer nicht funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-ist-aber-ungew-hnlich-meistens-i-uft-es-umgekehrt\"><strong>Das ist aber ungew\u00f6hnlich, meistens I\u00e4uft es umgekehrt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gut, meine Kinder zeigen mir dann wieder, wo ich was im Netz finde. Aber ich kann das alles halbwegs ordentlich.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ihr-neffe-robin-lingg-35-ist-seit-drei-jahren-als-verwaltungsrat-dabei-seit-vergangenem-jahr-arbeitet-er-auch-im-management-gibt-es-schon-einen-konkreten-plan-wann-er-bernimmt\"><strong>Ihr Neffe Robin Lingg (35) ist seit drei Jahren als Verwaltungsrat dabei. Seit vergangenem Jahr arbeitet er auch im Management. Gibt es schon einen konkreten Plan, wann er \u00fcbernimmt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es ihn geben w\u00fcrde, w\u00fcrde ich nicht dar\u00fcber reden. Warum sollte man ihn damit belasten? Robin soll jetzt in Afrika rumsausen, das macht er mit enormem Engagement. Alles Weitere sehen wir dann.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-der-druck-ist-aber-ohnehin-da-denn-abgesehen-von-ihm-gibt-es-offenbar-keine-optionen-f-r-ihre-nachfolge-als-verleger\"><strong>Der Druck ist aber ohnehin da, denn abgesehen von ihm gibt es offenbar keine Optionen f\u00fcr Ihre Nachfolge als Verleger.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns ist ziemlich beruhigend, dass es eine neue Generation von Aktion\u00e4ren gibt und dass unter denen einer dabei ist, der eine ganze Menge vom Gesch\u00e4ft versteht. Abgesehen davon ist er ein sehr liebensw\u00fcrdiger und vern\u00fcnftiger Mensch. Das ist schon mal ganz viel. Ob diese Firma in zehn Jahren noch eine Familiengesellschaft ist? Ja, was weiss denn ich.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ich-dachte-immer-dass-sei-das-grosse-ziel\"><strong>Ich dachte immer, dass sei das grosse Ziel.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, um Gottes willen. Wenn das das Ziel ist, dann fangen Sie an, Fehler zu machen. Sie m\u00fcssen versuchen, m\u00f6glichst das Richtige f\u00fcr Ihre Firma zu machen, dann haben Sie die gr\u00f6sste Chance, ein Familienunternehmen zu bleiben. Ich weiss nicht, ob eine Firma, deren oberstes Ziel es ist, eine Familienfirma zubleiben, sich mit KKR eingelassen h\u00e4tte\u2026<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-mitte-juli-haben-sie-bekannt-gegeben-dass-kkr-49-prozent-am-gesch-ft-mit-den-digitalen-rubrikenm-rkten-etwa-f-r-autos-und-immobilien-in-der-schweiz-bernimmt-die-abk-rzung-steht-f-r-kohlberg-kravis-roberts-co-und-ist-eine-beteiligungsgesellschaft-im-newsroom-des-blick-w-rde-man-wohl-sagen-eine-heuschrecke\"><strong>\u2026Mitte Juli haben Sie bekannt gegeben, dass KKR 49 Prozent am Gesch\u00e4ft mit den digitalen Rubrikenm\u00e4rkten etwa f\u00fcr Autos und Immobilien in der Schweiz \u00fcbernimmt. Die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr Kohlberg Kravis Roberts &amp; Co. und ist eine Beteiligungsgesellschaft. Im Newsroom des Blick w\u00fcrde man wohl sagen: eine Heuschrecke.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bild stimmt heute nicht mehr, das war fr\u00fcher das Modell von Private-Equity&#8211;Gesellschaften: Sie kaufen sich ein Familienunter\u2014 nehmen, in dem alle nur noch \u00fcber den Anwalt miteinander reden, hauen die Schulden drauf, sanieren es und verkaufen es wieder. Das ist nur noch ein kleiner Teil des Gesch\u00e4fts, auch weil es immer schwieriger wird, solche Firmen zu finden. Heute investieren Beteiligungsgesellschaften in Wachstumsm\u00e4rkte, das ist unser Modell. Bei KKR arbeiten ganz tolle Leute, die sehr viel vom Gesch\u00e4ft verstehen und uns jetzt weiterhelfen k\u00f6nnen. Ob Private Equity in f\u00fcnf Jahren immer noch der richtige Partner ist, muss man sehen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-haben-die-anteile-aber-auch-an-kkr-verkauft-weil-die-zuk-ufe-im-digitalen-rubrikengesch-ft-so-teuer-sind-nehme-ich-an-es-ging-wohl-darum-das-risiko-zu-teilen-oder\"><strong>Sie haben die Anteile aber auch an KKR verkauft, weil die Zuk\u00e4ufe im digitalen Rubrikengesch\u00e4ft so teuer sind, nehme ich an. Es ging wohl darum, das Risiko zu teilen, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Absolut, das ist ja klar. In den vergangenen Jahren ist viel Geld in neue Gesch\u00e4fte geflossen. Ich habe leider nur eine Zeitungsdruckerei und keine Gelddruckerei.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-es-heisst-dass-sie-in-den-vergangenen-jahren-rund-1-4-milliarden-franken-investiert-haben\"><strong>Es heisst, dass Sie in den vergangenen Jahren rund 1,4 Milliarden Franken investiert haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Etwa, ja. Und das ist ein ganz sch\u00f6ner Batzen Geld f\u00fcr ein Familienunternehmen. Also m\u00fcssen wir uns dieses Geld irgendwo herholen. Wir sind ja eher eine konservative Firma, was Finanzen betrifft. Und wir wollten schnell die finanzielle Ausstattung wieder da hin zur\u00fcckf\u00fchren, wo wir uns absolut wohlf\u00fchlen. Jetzt haben wir wieder Geld f\u00fcr neue Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-gehen-sie-berhaupt-das-risiko-ein\"><strong>Warum gehen Sie \u00fcberhaupt das Risiko ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir Unternehmer sind. Nat\u00fcrlich habe ich das mit meinen beiden Schwestern als Anteilseigner diskutiert. Am Ende haben Sie nur zwei Optionen. Entweder Sie verkaufen, solange das alles noch sehr werthaltig ist, oder Sie sagen: Augen zu und durch. Verkaufen war keine Sekunde eine Option.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-und-dennoch-zirkulieren-die-verkaufsger-chte-schon-ewig-auch-gerade-wieder-wie-erkl-ren-sie-sich-das-ger-chte-sind-immer-interessanter-als-die-realit-t-dazu-kommt-aber-dass-sie-einen-verkauf-ja-auch-nie-kategorisch-ausgeschlossen-haben\"><strong>Und dennoch zirkulieren die Verkaufsger\u00fcchte schon ewig, auch gerade wieder. Wie erkl\u00e4ren Sie sich das? Ger\u00fcchte sind immer interessanter als die Realit\u00e4t. Dazu kommt aber, dass Sie einen Verkauf ja auch nie kategorisch ausgeschlossen haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In jeder Geschichte eines Unternehmens kann es Zeiten geben, in denen sich die Umst\u00e4nde dermassen \u00e4ndern, dass Sie klugerweise sagen: Jetzt m\u00fcssen wir verkaufen oder fusionieren oder was auch immer. Da gibt es in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte gen\u00fcgend Beispiele. Es k\u00f6nnte sein, dass irgendwann der Moment kommt, in dem man sagen muss: Eine Firma in diesem Gesch\u00e4ft in dieser Gr\u00f6ssenordnung, das wird ganz, ganz schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-klingt-sehr-n-chtern-andererseits-gibt-es-doch-auch-diese-emotionale-komponente-sie-f-hren-ringier-in-f-nfter-generation-w-rden-sie-nicht-gerne-das-unternehmen-als-eine-art-verm-chtnis-hinterlassen\"><strong>Das klingt sehr n\u00fcchtern. Andererseits gibt es doch auch diese emotionale Komponente. Sie f\u00fchren Ringier in f\u00fcnfter Generation. W\u00fcrden Sie nicht gerne das Unternehmen als eine Art Verm\u00e4chtnis hinterlassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, gar nicht. Wenn schon, w\u00fcrde das eher f\u00fcr meine Kunstsammlung gelten. Aber auch da: Ich sammle doch nicht all die Sachen, damit jemand in 50 Jahren meinen Namen in einem Museum lesen kann.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sondern\"><strong>Sondern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es macht einfach unheimlich Spass, sich mit zeitgen\u00f6ssischer Kunst auseinanderzusetzen. Das gilt auch f\u00fcr die Firma. Es ist hochspannend, dieses Unternehmen zu f\u00fchren. Was k\u00f6nnte ich denn f\u00fcr einen spannenderen Job haben? Ich weiss keinen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ich-auch-nicht\"><strong>Ich auch nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Warum sollten wir dann verkaufen? Dann sind wir ja nur noch reich, das ist ja grauenhaft.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ihr-job-als-verleger-hat-aber-auch-schattenseiten-haben-sie-robin-lingg-schon-gesagt-dass-man-als-boulevardverleger-ein-dickes-fell-haben-muss-sie-m-ssen-sich-st-ndig-rechtfertigen-f-r-das-was-sie-tun\"><strong>Ihr Job als Verleger hat aber auch Schattenseiten. Haben Sie Robin Lingg schon gesagt, dass man als Boulevardverleger ein dickes Fell haben muss? Sie m\u00fcssen sich st\u00e4ndig rechtfertigen f\u00fcr das, was Sie tun.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es muss Ihnen komplett egal sein, was die anderen Leute \u00fcber Sie sagen und denken. Wirklich, das geht mir so was von am &#8230; vorbei, was da zum Teil geschrieben wird. Ausser, eine Kritik ist wirklich fundiert. Wissen Sie, wenn Sie mit diesen Vorurteilen nicht leben k\u00f6nnen, dann m\u00fcssen Sie sich einen anderen Job suchen. Wenn ich fr\u00fcher Interviews gegeben habe, hiess es immer sofort: Sie sammeln doch Kunst, um Ihr Image als Boulevardverleger zu korrigieren. Das fand ich so idiotisch.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-bei-manchen-familienunternehmen-f-hlen-sich-die-nachfolger-in-die-pflicht-genommen-wollten-sie-diese-rolle-als-verleger-oder-mussten-sie\"><strong>Bei manchen Familienunternehmen f\u00fchlen sich die Nachfolger in die Pflicht genommen. Wollten Sie diese Rolle als Verleger oder mussten Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin in die Rolle hineingewachsen. Ich habe mal als junger Mensch Weisswein getrunken und geraucht, ohne beides zu m\u00f6gen. Seitdem habe ich eigentlich nur noch Dinge gemacht, zu denen ich Lust habe. Sonst sind Sie auch nicht gut. Wissen Sie: Mein Grossvater hat in der Schweiz zum Gl\u00fcck zwei Weltkriege \u00fcberlebt. Unternehmer sein heisst auch, dass man immer wieder sehr schwere Zeiten durchmacht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-klingt-jetzt-aber-doch-eher-nach-pflichtgef-hl\"><strong>Das klingt jetzt aber doch eher nach Pflichtgef\u00fchl.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, aber das geh\u00f6rt auch zu unserem Selbstverst\u00e4ndnis, damit bin ich aufgewachsen. Das ist einfach so. Hier arbeiten 7&#8217;500 Menschen, mit den Familien h\u00e4ngen vielleicht noch mal 20&#8217;000 Menschen mit dran, da versucht man schon das Richtige zu tun. Ich glaube, wir signalisieren durch das, was wir tun, sehr genau nach aussen, was wir denken.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wenn-die-nachfolge-ansteht-k-nnen-viele-unternehmer-ja-auch-nicht-unbedingt-loslassen-sind-sie-einer-der-das-kann\"><strong>Wenn die Nachfolge ansteht, k\u00f6nnen viele Unternehmer ja auch nicht unbedingt loslassen. Sind Sie einer, der das kann?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich heute hier rausgehe und sage \u00abAus und vorbei\u00bb, dann habe ich den Tag trotzdem randvoll. Ich habe so viele Dinge, die ich tun will. Damit habe ich gar kein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-und-wenn-das-unternehmen-einen-v-llig-anderen-weg-nehmen-w-rde\"><strong>Und wenn das Unternehmen einen v\u00f6llig anderen Weg nehmen w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist es so. Aber ich werde ja immer mit der Firma verbunden sein. Wenn einer als Aktion\u00e4r die Familie anf\u00fchrt, sollte er das Unternehmen gut kennen. Deshalb ist Robin Lingg jetzt dabei. Bisher gibt es in der Familie die Abmachung, dass keiner auch operativ beispielsweise als CEO f\u00fchren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum\"><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Salopp gesagt: Es sollte nie jemand aus der Familie an etwas schuld sein.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sondern-1\"><strong>Sondern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(lacht) Wenn was schiefgeht, rufe ich Marc Walder an und frage, was er f\u00fcr einen Unsinn gemacht hat. Ich habe, abgesehen von einer Phase, in der es einfach nicht anders ging, immer ausgeschlossen, auch CEO zu sein. Dann kann ich ja gleich einen Spiegel auf dem Konferenztisch aufstellen und mit mir selbst reden. Unser Verwaltungsrat hat eine starke Stellung. Das ist wichtig, denn Sie brauchen den institutionalisierten Widerspruch, wenn Sie starke Aktion\u00e4re haben.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-egal-wer-ringier-wie-f-hrt-die-herausforderung-wird-das-digitale-sein-sie-haben-der-faz-mal-vor-sechs-jahren-dazu-gesagt-wir-stochern-alle-im-nebel-ist-der-nebel-noch-dichter-geworden\"><strong>Egal wer Ringier wie f\u00fchrt, die Herausforderung wird das Digitale sein. Sie haben der \u00abFAZ\u00bb mal vor sechs Jahren dazu gesagt: \u00abWir stochern alle im Nebel.\u00bb Ist der Nebel noch dichter geworden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, der Nebel hat sich gelichtet, das ist eindeutig so. Es gab verschiedene Phasen in der Entwicklung. Am Anfang nimmt man arrogant Notiz von den Ver\u00e4nderungen und sagt: Das interessiert mich alles nicht. Dann merkt man: Ui, da ist mehr dran, aber man lehnt das Neue ab und verteidigt sein eigenes Modell. Und dann kommt die Lernphase und Gott sei Dank haben wir die recht fr\u00fch erreicht. Seit einigen Jahren investieren wir richtig aggressiv in digitale Gesch\u00e4fte, weil wir uns sicher f\u00fchlen. Zehn Jahre vorher haben wir zu Recht wenig gemacht, das hat uns viel Geld gespart. Ich kann mich erinnern, was ich am WEF in Davos Ende der 90er alles geh\u00f6rt habe. Wenn wir das gemacht h\u00e4tten, g\u00e4be es uns schon lange nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-gab-es-trotzdem-fehler\"><strong>Gab es trotzdem Fehler?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich, das geh\u00f6rt dazu. Bei der Beurteilung von Gratisjournalismus haben wir uns total get\u00e4uscht. Ich muss aber immer sagen: Das ist ehrenwert. Wir haben halt das klassische Modell des recherchierenden Journalismus verteidigt. Das war zwar wirtschaftlich ein Fehler, ich kann es mir aber moralisch eigentlich nicht vorwerfen, weil ich nach wie vor davon \u00fcberzeugt bin, dass es das richtige Modell ist.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-viele-medienunternehmen-haben-in-den-vergangenen-jahren-kaum-noch-in-journalismus-investiert-sondern-bestenfalls-in-angrenzende-bereiche-das-gilt-auch-f-r-ringier\"><strong>Viele Medienunternehmen haben in den vergangenen Jahren kaum noch in Journalismus investiert, sondern bestenfalls in angrenzende Bereiche. Das gilt auch f\u00fcr Ringier.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Lernphase sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass wir zwar in den Journalismus investieren m\u00fcssen, dass diese Investitionen aber eher anstrengend als finanziell interessant sind. Und daher haben wir geschaut, wo es nachhaltige Modelle gibt, mit denen wir Geld verdienen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-tut-ihnen-das-als-gelernter-journalist-nicht-weh-nat-rlich-ist-das-l-ngerfristig-ein-problem\"><strong>Tut Ihnen das als gelernter Journalist nicht weh? Nat\u00fcrlich ist das l\u00e4ngerfristig ein Problem.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich das nicht \u00e4ndert, leidet der Journalismus. Und das ist ja nicht nur schlecht f\u00fcr mich und f\u00fcr Sie, sondern auch f\u00fcr die Gesellschaft. Ich bin aber voller Hoffnung, dass Journalismus auch k\u00fcnftig wirtschaftlich funktionieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-woher-nehmen-sie-die-hoffnung-ich-bin-grunds-tzlich-ein-optimist-f-r-mich-ist-das-glas-immer-halbvoll-und-nicht-halbleer\"><strong>Woher nehmen Sie die Hoffnung? Ich bin grunds\u00e4tzlich ein Optimist. F\u00fcr mich ist das Glas immer halbvoll und nicht halbleer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ausserdem muss man auch sehen, dass es journalistische Modelle gibt, die sehr gut funktionieren: das Zeitschriftengesch\u00e4ft beispielsweise. Das Zeitungsgesch\u00e4ft ist schwieriger geworden, aber wir verdienen immer noch Geld damit. Es ist ja nicht so, dass das alles dramatisch zusammenbricht. Und was anderes macht mir auch Hoffnung: Je l\u00e4nger wir mit dem Digitalen leben, desto mehr erkennen wir auch dessen Unzul\u00e4nglichkeiten und grosse Nachteile. Und die Frage lautet: Was hat das f\u00fcr Auswirkungen?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-glauben-sie-an-ein-comeback-der-klassischen-medien\"><strong>Glauben Sie an ein Comeback der klassischen Medien?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das braucht es gar nicht. Wenn Sie sich die Reichweiten von Printtiteln anschauen, k\u00f6nnen sich die meisten Internetseiten die Finger danach lecken.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-was-k-nnen-die-medien-gegen-den-langfristigen-trend-machen-das-gesch-ft-geht-ins-digitale-dort-zerbr-seln-die-werbeerl-se-und-die-nutzer-zahlen-ungern-f-r-inhalte-zugegeben-das-ist-die-1-milliarde-dollar-frage\"><strong>Aber was k\u00f6nnen die Medien gegen den langfristigen Trend machen? Das Gesch\u00e4ft geht ins Digitale. Dort zerbr\u00f6seln die Werbeerl\u00f6se und die Nutzer zahlen ungern f\u00fcr Inhalte. Zugegeben, das ist die 1-Milliarde-Dollar- Frage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, das ist die 100-Milliarden-Dollar-Frage. Es gibt noch keine Antwort darauf. Es ist Learning by Doing. Aber wir haben immer noch das Privileg, dass wir diese Lernkurve in einem finanziell halbwegs ordentlichen Umfeld machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-jedes-jahr-sinken-die-erl-se-ein-bisschen\"><strong>Aber jedes Jahr sinken die Erl\u00f6se ein bisschen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt auch Bereiche, in denen die Erl\u00f6se stabil sind. Auf der anderen Seite haben wir auch Firmen im Digitalen, die richtig gut verdienen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-klar-aber-das-hat-alles-nichts-mit-inhalten-zu-tun\"><strong>Klar, aber das hat alles nichts mit Inhalten zu tun.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Okay, aber wenn das mit den Inhalten den Bach runtergeht, dann habe ich immer noch eine Firma. Da ist es mir dann hier wohler, als wenn ich 50 Meter weiter dr\u00fcben sitzen w\u00fcrde. (zeigt Richtung NZZ-Hauptsitz an der Falkenstrasse)<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-1\"><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil da der Printanteil nat\u00fcrlich noch sehr gross ist.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-die-nzz-gruppe-setzt-eben-alles-auf-die-karte-qualit-tsjournalismus\"><strong>Die NZZ-Gruppe setzt eben alles auf die Karte Qualit\u00e4tsjournalismus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und ich dr\u00fccke ihnen die Daumen, dass das gut geht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-gehen-wir-konkret-zu-entwicklungen-in-der-digitalwelt-die-grenze-zwischen-werbung-und-redaktion-verschwimmt-native-ads-heisst-das-stichwort-zu-dem-trend-bei-dem-werbung-im-netz-ein-redaktioneller-anstrich-verpasst-wird-blick-am-abend-experimentiert-damit-gerade\"><strong>Gehen wir konkret zu Entwicklungen in der Digitalwelt: Die Grenze zwischen Werbung und Redaktion verschwimmt. Native Ads heisst das Stichwort zu dem Trend, bei dem Werbung im Netz ein redaktioneller Anstrich verpasst wird. \u00abBlick am Abend\u00bb experimentiert damit gerade.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ach, das ist doch nicht neu, das Problem kennen wir. Auf die gute alte Publireportage mussten Sie halt Werbung drauf schreiben. Und wenn Sie das nicht gemacht haben, waren Sie nicht ehrlich. Die digitale Leserschaft ist da genauso empfindlich wie Printleser. Wenn die das Gef\u00fchl haben, man jubelt ihnen irgendwas unter, ist das schlecht. Der \u00abBlick am Abend\u00bb sorgt da f\u00fcr eine ganz gute Trennung.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-gegenthese-vielleicht-ist-das-den-nutzern-gar-nicht-so-wichtig\"><strong>Gegenthese: Vielleicht ist das den Nutzern gar nicht so wichtig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube schon. Und es ist uns auch wichtig. Ich halt daran fest, dass wir diese Dinge sichtbar trennen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-ringier-wenn-ich-mir-die-si-oder-andere-people-publikationen-anschaue-dann-ist-der-redaktionelle-teil-voll-von-konsumententipps-wenn-man-das-gratis-macht-ist-es-dumm-wenn-man-sich-daf-r-bezahlen-l-sst-ist-es-betrug-solche-formate-d-rfte-es-eigentlich-gar-nicht-geben\"><strong>Herr Ringier, wenn ich mir die \u00abSI\u00bb oder andere People-Publikationen anschaue, dann ist der redaktionelle Teil voll von Konsumententipps. Wenn man das gratis macht, ist es dumm. Wenn man sich daf\u00fcr bezahlen l\u00e4sst, ist es Betrug. Solche Formate d\u00fcrfte es eigentlich gar nicht geben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch, am Schluss ist es ein Service f\u00fcr die Leser. Wenn ein neues Auto rauskommt, m\u00f6chte ich das als Leser sehen. Und wenn eine Creme was Neues kann, muss ich das auch mitteilen. Egal, ob der Verlag jetzt daf\u00fcr Geld bekommt oder nicht. Das Modell hat schon immer so funktioniert. Und wenn Sie so vorgehen, kann es ja auch sein, dass Sie ein Umfeld kreieren, bei dem auch mal eine Anzeige abf\u00e4llt. Am Schluss geht es nur um eins: Was interessiert die Leser?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-springer-setzt-stark-auf-bezahlinhalte-ringier-noch-nicht-warum\"><strong>Springer setzt stark auf Bezahlinhalte, Ringier noch nicht. Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einer der Gr\u00fcnde in der Schweiz ist \u00ab20 Minuten\u00bb. Die werden ihre Inhalte im Netz und auf Papier wohl immer gratis anbieten. Ausserdem d\u00fcrfen Sie nicht vergessen, dass der Blick im Internet Gewinn macht, den ein Wechsel zu Bezahlinhalten gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Das Wichtigste aber im Vergleich zu Springer ist der Gr\u00f6ssenunterschied von Deutschland und der Schweiz. Springer treibt f\u00fcr die Bezahlinhalte einen riesigen Aufwand, um damit Hunderttausende von Digitalabos zu verkaufen. Unser Aufwand w\u00e4re fast genauso gross, aber die potentiellen Erl\u00f6se eben nur ein Zehntel.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-im-deutschsprachigen-raum-setzen-viele-verlage-jetzt-auf-bezahlinhalte-auch-in-der-schweiz-wie-sch-tzen-sie-die-frage-grunds-tzlich-ein\"><strong>Im deutschsprachigen Raum setzen viele Verlage jetzt auf Bezahlinhalte, auch in der Schweiz. Wie sch\u00e4tzen Sie die Frage grunds\u00e4tzlich ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(seufzt) Das wird schwierig. Nat\u00fcrlich hoffe ich es im eigenen Interesse, aber mein Glaube ist &#8211; sagen wir mal &#8211; eher limitiert. Aber ich unterst\u00fctze alle Bem\u00fchungen intern und ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass das klappt, weil es ein ehrliches und faires Gesch\u00e4ftsmodell ist.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-heisst-gratis-ist-unfair\"><strong>Das heisst: Gratis ist unfair?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist jedenfalls f\u00fcr denjenigen problematisch, der herstellt. Es hat beim Fernsehen wahnsinnig gut funktioniert, im Printbereich nur f\u00fcr einige wenige. Und im Intemet ist es \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-zu-diesen-gewinnern-mit-hoher-reichweite-k-nnten-portale-wie-buzzfeed-oder-heftig-geh-ren-was-halten-sie-davon\"><strong>Zu diesen Gewinnern mit hoher Reichweite k\u00f6nnten Portale wie Buzzfeed oder Heftig geh\u00f6ren. Was halten Sie davon?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das geh\u00f6rt halt dazu. Ich war schon letztes Jahr bei Buzzfeed und ich gehe jetzt wieder hin. Wir gehen ja mit dem Blick am Abend auch in eine \u00e4hnliche Richtung. Solange es auch noch Blick, Newsnet und Spiegel gibt, ist das doch okay. Es hat immer Leute gegeben, die \u00abDallas\u00bb und \u00abDenver\u00bb geschaut haben und keine \u00abTagesschau\u00bb. Genauso wird es immer Leute geben, die im Internet Rankings und Unterhaltung wollen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-viele-journalisten-verstehen-sich-nicht-als-unterhalter-sondern-belehren-ganz-gern-m-ssen-wir-uns-daran-gew-hnen-auch-zu-unterhalten\"><strong>Viele Journalisten verstehen sich nicht als Unterhalter, sondern belehren ganz gern. M\u00fcssen wir uns daran gew\u00f6hnen, auch zu unterhalten?\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, sicher. Diesen Vorwurf des \u00abJournalismus von oben herab\u00bb gab es immer. Was haben wir vor Jahren mal nicht alles geh\u00f6rt von B\u00fcrgerjournalismus? Das ist die Zukunft, hiess es. Und wo bitte ist das heute? Das Bed\u00fcrfnis, dass Journalisten recherchieren und analysieren, wird es immer geben, das hat mit Arroganz gar nichts zu tun. Was mich viel mehr st\u00f6rt, ist unterschwellige B\u00f6sartigkeit und H\u00e4me.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-2\"><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das verletzt mich in der Berufsehre. H\u00e4me ist f\u00fcr mich kein Journalismus und es hat langfristig hoffentlich auch keinen Markt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wenn-sie-etwas-rgert-rufen-sie-dann-an\"><strong>Wenn Sie etwas \u00e4rgert, rufen Sie dann an?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, klar. Oder ich schreibe, ich habe Journalisten auch schon beschimpft. Es muss dabei gar nicht um mich oder unser Haus gehen. Ich finde diese H\u00e4me genauso beschissen, wenn sie jemand anderen trifft.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-was-machen-sie-wenn-ihnen-was-im-eigenen-haus-missf-llt\"><strong>Was machen Sie, wenn Ihnen was im eigenen Haus missf\u00e4llt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was Sie von mir noch nie geh\u00f6rt haben, aber von vielen anderen Verlegern lautet: Das ist redaktionelle Freiheit, das ist Tabuzone. Ja, wo sind wir denn? Ich werde daf\u00fcr bezahlt, dass ich mich einmische. Wenn Porsche ein Auto konstruiert, das Fehler hat, kann Herr Winterkorn auch nicht sagen: Entschuldigung, das waren die Techniker.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-sie-machen-ja-wohl-keine-t-glichen-blattanalysen\"><strong>Aber Sie machen ja wohl keine t\u00e4glichen Blattanalysen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, nat\u00fcrlich nicht. Aber wir reden viel \u00fcber Journalismus hier im Haus. N\u00e4chste Woche habe ich ein Mittagessen mit Chefredaktoren und da sprechen wir nur \u00fcber Inhalte. Und Sie m\u00fcssen auch loben, Kritik ohne Lob funktioniert nicht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-ringier-haben-sie-in-ihrem-leben-jemals-eine-homestory-gemacht\"><strong>Herr Ringier, haben Sie in Ihrem Leben jemals eine Homestory gemacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, warum sollte ich? Um Gottes willen, dazu kenne ich doch die Gesetze der Branche viel zu gut.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ist-es-nicht-ein-widerspruch-dass-ihr-gesch-ftsmodell-auf-dingen-basiert-die-sie-f-r-sich-selbst-ablehnen\"><strong>Ist es nicht ein Widerspruch, dass Ihr Gesch\u00e4ftsmodell auf Dingen basiert, die Sie f\u00fcr sich selbst ablehnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich lehne das ja nicht grunds\u00e4tzlich ab, ich m\u00f6chte nur nicht Teil davon sein. Das ist ja meine freie Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-wenn-das-alle-so-handhaben-w-rden-w-ren-viele-seiten-in-ihren-titeln-frei\"><strong>Aber wenn das alle so handhaben w\u00fcrden, w\u00e4ren viele Seiten in Ihren Titeln frei.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, aber Gott sei Dank gibt es ganz viele Leute, die das wunderbar finden. Es gibt sogar welche, die die Redaktionen anrufen und bitten, dass sie doch mal bitte einen Fotografen vorbeischicken. Ich hatte diesen Drang nie. Sie sehen mich ganz selten an Veranstaltungen, es gibt keine Homestorys, es gibt wenig Bilder. Ich gehe, wenn es irgendwie geht, auch nicht ins Fernsehen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-waren-vor-drei-jahren-aber-mal-bei-schawinski\"><strong>Sie waren vor drei Jahren aber mal bei Schawinski.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja und das h\u00e4tte ich besser sein lassen. Ich war auch noch bei Giacobbo. Aber das ist was anderes, das macht Spass.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-haben-bei-schawinski-gesagt-dass-ihre-frau-ihnen-leicht-autistische-z-ge-zuspricht-sie-wirken-tats-chlich-ein-bisschen-unnahbar-bis-scheu\"><strong>Sie haben bei Schawinski gesagt, dass Ihre Frau Ihnen leicht autistische Z\u00fcge zuspricht. Sie wirken tats\u00e4chlich ein bisschen unnahbar bis scheu.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin gar nicht mal scheu, aber ich kann eigentlich wahnsinnig gut mit mir alleine sein. Ich bin auch gerne mit Menschen zusammen, aber ich brauche die \u00d6ffentlichkeit nicht. F\u00fcr Boulevardmedien bin ich der Horror, furchtbar langweilig.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-finde-ich-interessant-sie-sind-das-personifizierte-gegenteil-ihres-gesch-ftsmodells\"><strong>Das finde ich interessant: Sie sind das personifizierte Gegenteil Ihres Gesch\u00e4ftsmodells.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber muss ich denn als Chef von Philip Morris Raucher sein?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-sollten-rauchen-jedenfalls-dann-nicht-ablehnen\"><strong>Sie sollten Rauchen jedenfalls dann nicht ablehnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das tue ich ja auch nicht. Aber es ist doch meine pers\u00f6nliche Entscheidung, ob ich st\u00e4ndig bei \u00abGlanz und Gloria\u00ab vor der Kamera stehen will oder nicht. Das hat mit meinem Gesch\u00e4ft nichts zu tun. Ich bin als Privatperson sehr diskret, obwohl meine Aufgabe als Verleger darin besteht, meine Leute anzustacheln, \u00fcberall ihre Nase reinzuhalten. Das ist so. Ich bin aber einfach wahnsinnig gerne ein privater Mensch. Ich bin auch nicht auf Facebook. Nicht weil ich das irgendwie ablehne oder so, aber was bitte soll ich denn mit virtuellen Freunden?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-unterstreichen-gerade-ihren-ruf-als-digitaler-skeptiker-der-ihnen-auf-den-sozialen-netzen-und-in-blogs-gerne-vorgehalten-wird\"><strong>Sie unterstreichen gerade Ihren Ruf als digitaler Skeptiker, der Ihnen auf den sozialen Netzen und in Blogs gerne vorgehalten wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich immer, wenn die auf mich draufhauen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-warum-geniessen-sie-diese-rolle-so\"><strong>Warum geniessen Sie diese Rolle so?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Skeptisch zu sein, geh\u00f6rt zur Grundausstattung eines Journalisten und Unternehmers, gerade dann, wenn sich die Dinge in dem Masse \u00e4ndern wie heute.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-f-hlen-sie-sich-beim-tempo-der-digitalen-entwicklung-noch-auf-der-h-he\"><strong>F\u00fchlen Sie sich beim Tempo der digitalen Entwicklung noch auf der H\u00f6he?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Total. Ich habe zwei iPads, ein iPhone, ein Blackberiy und ein MacBook. Und ich kann jedes Ger\u00e4t bedienen und nutze alle intensiv. Ich habe immer die neueste Hardware, weil ich wissen will, was sich da entwickelt. Diese Verleger, die stolz darauf sind, dass sie kein iPhone bedienen k\u00f6nnen, sind kein Vorbild f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-gut-aber-dann-m-ssten-sie-ja-auch-facebook-twitter-und-co-anschauen\"><strong>Gut, aber dann m\u00fcssten Sie ja auch Facebook, Twitter und Co. anschauen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das tue ich ja auch. Ich folge Leuten auf Twitter, nur bin ich selber nicht dabei.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-ich-habe-sie-aber-nirgends-gefunden\"><strong>Ich habe Sie aber nirgends gefunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das sollen Sie ja auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-sie-sind-anonym-auf-twitter\"><strong>Sie sind anonym auf Twitter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja und ich bin mit meinem Hund auf Facebook. (lacht) Ich habe sogar schon einige Freunde. Die wissen aber nicht, dass es in Wahrheit nur ein Hund ist.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-verraten-sie-uns-bitte-den-namen-ich-verspreche-ihnen-sie-werden-nach-der-publikation-viele-neue-freunde-haben\"><strong>Verraten Sie uns bitte den Namen. Ich verspreche Ihnen, Sie werden nach der Publikation viele neue Freunde haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, das werde ich sicher nicht. Ich habe mich vor zwei Jahren einmal auf Twitter registriert, als der Hurrikan Sandy auf New York zukam und ich dort war. Da musste ich mich entscheiden, wann ich zur\u00fcckfliege, und es gab auf Twitter die besten Informationen. Ohne einen einzigen Tweet abzusetzen, hatte ich innerhalb von kurzer Zeit zehn Follower. Was soll das?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-hat-es-gar-keinen-reiz-f-r-sie\"><strong>Hat es gar keinen Reiz f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal gibt es schon Momente, in denen ich eine Kritik gerne zurechtr\u00fccken w\u00fcrde, aber ich lass das. Denn ich weiss genau, was passiert. Dann bin ich in der Falle. Will ich der Menschheit denn st\u00e4ndig mitteilen, was ich denke? Ich halte deshalb auch nur wenige Reden. Ich mache das nur, wenn ich das Gef\u00fchl habe, dass ich irgendwas zusagen habe.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-aber-sie-kommentieren-ja-wohl-auch-nicht-fleissig-anonym\"><strong>Aber Sie kommentieren ja wohl auch nicht fleissig anonym?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, nein, das w\u00fcrde ich nie machen. Entweder steht man mit seinem Namen zu seiner Meinung oder gar nicht. Und Entschuldigung, die Leute sollen doch \u00fcber mich schreiben, was sie wollen. Solange es nicht absolut ehrverletzend ist oder wieder einer schreibt, dass ich Goldman Sachs treffe, um \u00fcbermorgen meine Firma zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-das-war-mal-eine-geschichte-in-der-sonntagspresse\"><strong>Das war mal eine Geschichte in der Sonntagspresse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, der Sonntag hat eine Leaderstellung f\u00fcr Ger\u00fcchte und aufgeblasene Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-herr-ringier-sie-haben-auch-so-eine-sonntagszeitung-im-angebot\"><strong>Herr Ringier, Sie haben auch so eine Sonntagszeitung im Angebot.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, aber in der Beziehung sind wir vorbildlicher als die anderen. Von diesen Branchenger\u00fcchten finden Sie wenig bis nichts bei uns. Da haben wir uns absichtlich immer rausgehalten, obwohl wir st\u00e4ndig Bestandteil davon sind.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-wissen-sie-wie-viele-artikel-die-suchw-rter-michael-ringier-enthalten\"><strong>Wissen Sie, wie viele Artikel die Suchw\u00f6rter \u00abMichael Ringier\u00ab enthalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Keine Ahnung.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-fast-5-000\"><strong>Fast 5.000.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott sei Dank lese ich das nicht alles.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"h-es-ist-nicht-alles-kritisch-manches-ist-sogar-ganz-schmeichelhaft\"><strong>Es ist nicht alles kritisch, manches ist sogar ganz schmeichelhaft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch das brauche ich nicht so zwingend. Aber wenn meine Frau mich lobt, dann weiss ich, was das wert ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Ringier ist der Verleger des Jahres. 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