{"id":2572,"date":"2018-03-14T16:28:28","date_gmt":"2018-03-14T15:28:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2572"},"modified":"2021-09-07T09:50:57","modified_gmt":"2021-09-07T07:50:57","slug":"bei-stille-nacht-hoert-es-aber-auf","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/bei-stille-nacht-hoert-es-aber-auf\/","title":{"rendered":"\u00abBei \u2039Stille Nacht\u203a h\u00f6rt es aber auf\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p>Pressehaus Z\u00fcrich, 6. Stock. Auf einem Tisch angerichtet sind Wasser, Datteln und K\u00e4gi fret. In der Mitte sitzt CEO Marc Walder (52), links von ihm VR-Pr\u00e4sident Michael Ringier (68), rechts dessen Neffe, Gesch\u00e4ftsleitungsmitglied Robin Lingg (38). Alle tragen weisse Hemden, nur Walder und der Reporter dazu eine Krawatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DOMO: Herr Ringier, was ist ein echter Ringier?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Ringer (MR): Es gab bei uns alles \u2013 wahnsinnig T\u00fcchtige, weniger T\u00fcchtige, die Ausgeflippten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Walder, Sie sind neu Teilhaber der Ringier AG. Was ist Ringier f\u00fcr Sie?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marc Walder (MW): Ringier steht f\u00fcr die Bereitschaft, Risiken einzugehen, sich immer wieder neu zu erfinden, f\u00fcr grosse Verantwortung gegen\u00fcber Mitarbeitenden. Und Ringier steht f\u00fcr ein modernes Medienunternehmen, das es geschafft hat, sich zu diversifizieren und zu digitalisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Lingg, Sie sind der J\u00fcngste in der Runde. Weiss man mit 38 schon, was ein Ringier ist?<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Mit dieser Mutter bestimmt!<\/p>\n\n\n\n<p>Robin Lingg (LG): Etwas weiss ich: Schubladisieren l\u00e4sst sich ein Ringier nicht. Wir sind flexibel. Ringier l\u00e4sst einem viele Freiheiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum ist Marc Walder ein Ringier?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Der Deckungsgrad zwischen Marc und der jetzigen Ringier-Generation ist hoch. Es beginnt bei der Integrit\u00e4t, geht \u00fcber Ehrlichkeit bis hin zum Ehrgeiz. All das sind wichtige Qualit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Marc und ich arbeiten seit f\u00fcnf Jahren zusammen. Er tr\u00e4gt die gemeinsame Vision der Familie mit. Die Grenzen zwischen Familie und Marc l\u00f6sen sich bei der Arbeit auf. Was richtig, was falsch ist, sehen wir alle gleich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird die Firma jetzt zu \u00abWaldier\u00bb, wie der \u00abBlick\u00bb das geschrieben hat?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Wortspiele scheinen eine spezielle journalistische Disziplin zu sein \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 als ich das im \u00abBlick\u00bb sah, erschrak ich ein wenig. Das Wortspiel ist v\u00f6llig vermessen. Ringier ist eines der traditionsreichsten Schweizer Familienunternehmen, das in der f\u00fcnften Generation gef\u00fchrt wird, nun in die sechste Generation geht.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Das Wort \u00abWaldier\u00bb habe ich als Erster gesagt, insofern ist es okay. Ich hoffe ja, dass wir mehr zu \u00abRinger\u00bb werden und somit die \u00abGier\u00bb endlich loswerden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sehen Sie fortan Ihre Aufgabe, Herr Walder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: W\u00e4hrend der Phase, in der ich Ringier leiten darf, stelle ich die Weichen, damit die n\u00e4chste Generation ein m\u00f6glichst gut aufgestelltes Unternehmen vorfinden kann. Mit der Realit\u00e4t hat das Wortspiel nichts zu tun. Das Unternehmen Ringier geh\u00f6rt zur Familie Ringier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wessen Idee war es, Marc Walder zum Teilhaber und designierten VR-Pr\u00e4sidenten von Ringier zu machen?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Bei anderen Firmen heisst es schnell: \u00abIch habe die Idee gehabt.\u00bb Wir \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>RL: \u2026 wir wissen es gar nicht \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 wirklich nicht. Es entstand ganz nat\u00fcrlich, wie vieles bei uns.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Pl\u00f6tzlich stand es im Raum, dann sagten alle: Ja, so ist es.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Es war logisch, dass es so ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei Ringier passieren Dinge einfach?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Robin hatte einen sehr guten Job in Mexico City, bei einem Pharmakonzern, der deutlich gr\u00f6sser ist als Ringier, mit \u2026 mit wie vielen Mitarbeitern, Robin?<\/p>\n\n\n\n<p>RL: 45 000 \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 mit 45 000 Mitarbeitern. Als ich bereits CEO war, haben Michael, Robin, dessen Mutter Evelyn und ich uns gefragt, ob wir Robin zu Ringier bringen sollten. Niemand dachte daran, dass er f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter hier den ertragreichsten Bereich der Firma verantworten w\u00fcrde, den digitalen, der fast 70 Prozent des operativen Gewinns einbringt. Er f\u00fchrt diesen Bereich, weil er viel leistet, weil er Ringier in Afrika&nbsp;grossartig weiterentwickelt hat \u2013 und nicht, weil er zur Familie geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>MR zu MW gewendet: Vor 25 Jahren dachte niemand, dass du CEO wirst.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Das Erfolgsgeheimnis der f\u00fcnf, nun sechs Generationen liegt darin, dass man nicht auf Jahrzehnte hinaus plant, sondern versucht, immer das jeweils Beste zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Meine beiden Schwestern haben kaum gedacht, dass ich das halb anst\u00e4ndig hinbringen w\u00fcrde. Man l\u00e4sst einander machen, dann funktioniert es \u2013 meistens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ringier, Sie haben vor Jahren schon anget\u00f6nt, dass Sie Marc Walder nachziehen wollen. Was hat es gebraucht, um Ihre Schwestern zu \u00fcberzeugen, die Mitaktion\u00e4rinnen?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Das war nicht zentral.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sondern?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: N\u00f6tig war, dass ich endlich \u00fcber mein eigenes Alter nachdachte. Dabei merkte ich: Ja, ich bin \u00e4lter geworden, ohne es wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Schluss zogen Sie daraus?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Es ist dringend, den Generationenwechsel anzugehen. Meine Schwestern Evelyn und Annette musste niemand \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Das ist ja kein Verhandlungsergebnis. Es gab kein Hin und Her. Kein \u00abIch gebe dir das, du mir das\u00bb. Du, Michael, hast gesagt, wir m\u00fcssen uns an einen Tisch setzen und \u00fcber die Nachfolge reden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dann zog sich die Familie zur\u00fcck, und draussen wartete Marc Walder, bis weisser Rauch aufstieg?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Wir gingen das professionell an und suchten einen Moderator. Er kl\u00e4rte bei allen die Interessen ab. Dabei stellte er eine grosse Harmonie fest. In kurzer Zeit bereinigten wir legitime Einzelinteressen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum hat dabei nichts geleakt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Es gibt nur Lecks, wenn etwas nicht stimmt. Bei uns stimmt alles.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ringier, Sie wurden mir als \u00abin gewissem Masse harmonies\u00fcchtig\u00bb beschrieben \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 dieses Ger\u00fccht will ich vehement dementieren. Ich bin seit 40 Jahren mit meiner Frau verheiratet ist. Das beweist, dass ich streiten kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich habe einseitig recherchiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Ja! Meine Frau w\u00fcrde es nicht einen Tag mit einem Harmonies\u00fcchtigen aushalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gleichwohl \u2013 wie bringt man einen Generationswechsel so harmonisch \u00fcber die B\u00fchne?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Das ist eine St\u00e4rke dieser Familie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sind deren Oberhaupt. Wie erzeugen Sie eine solche Atmosph\u00e4re?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Mit gemeinschaftlichen Erlebnissen. Die Familie muss wichtig sein. An Weihnachten f\u00e4hrt niemand in die Ferien. Zu Weihnachten kommen alle im Familienhaus in Merlischachen zusammen. Das haben wir schon immer gemacht, und das werden wir weiterhin tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist Marc Walder da jeweils dabei?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Nein, mit der Firma hat das nichts zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Wir reden nie \u00fcber das Gesch\u00e4ft, sondern schauen zum 700. Mal \u00abDie Hard 3\u00bb, ich koche, wir haben es zusammen gut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Daran \u00e4ndert nichts, dass Marc Walder zehn Prozent an der Firma h\u00e4lt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Es gibt nach wie vor eine Firma, und es gibt eine Familie. Das ist wichtig. Das trennen wir. Marc w\u00e4re es peinlich, mit uns \u00abStille Nacht\u00bb zu singen. Sicher, er ist in den letzten 25 Jahren ein Teil der Familie geworden. Das kommt mit der Beteiligung zum Ausdruck. Bei \u00abStille Nacht\u00bb h\u00f6rt es aber auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bisher besassen drei Aktion\u00e4re je ein Drittel. Wollte einer oder eine verkaufen, kamen nur die beiden anderen als K\u00e4ufer in Frage. Wie haben Sie diese Regel umgangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Pl\u00f6tzlich passen einst gute Regeln nicht mehr. Sind sich alle einig, findet man einen neuen Konsens. Irgendwann wird die n\u00e4chste Generation die neuen Regeln wieder \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die \u00abWeltwoche\u00bb berichtet, es gab mit Annette Ringier eine Art K\u00f6nigsmacherin. Sie habe ihren Anteil von 33,3 Prozent familienintern verkaufen wollen \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 dass Sie die \u00abWeltwoche\u00bb als Quelle zitieren, ist bereits Ihr zweiter journalistischer Fehler in diesem Interview \u2026&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 stimmt es?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Bl\u00f6dsinn. Niemand trieb, niemand musste sich verbeugen, es ging ganz schnell.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es eine neue Regel bez\u00fcglich des Verkaufs der Anteile? Wenn ja, wie sieht sie aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Zur ersten Frage sage ich Ja, zur zweiten schweigen wir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Beteiligung von Marc Walder deutet einen B\u00f6rsengang an. Wann l\u00e4sst sich Ringier kotieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Solange ich dabei bin, geht Ringier nicht an die B\u00f6rse.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Was wir jetzt machen \u2013 das ist ganz wichtig f\u00fcr die Mitarbeitenden \u2013, ist ein Vertrauensbeweis f\u00fcr Marcs Arbeit. Es ist eine Botschaft der Stabilit\u00e4t. Wir m\u00f6chten diese Firma als Familienunternehmen&nbsp;weiterf\u00fchren. Deshalb arbeite ich ja f\u00fcr Ringier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es kursieren Zahlen \u00fcber die Wertsteigerung der Firma unter Marc Walder. Die \u00abWeltwoche\u00bb schreibt von 900 Millionen auf 1,5 Milliarden. Entspricht das der Wahrheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Hinter Ihnen h\u00e4ngt ein Werk von Anselm Reyle. Wie wertvoll es ist, weiss ich erst, wenn ich es zum Verkauf an eine Auktion gebe. Wollen es zwei, geht der Preis durch die Decke. Will es nur einer, sinkt er.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Bei uns wird wenig \u00fcber Geld gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Wir wissen schlicht nicht, wie wertvoll das Unternehmen ist. Aber wir sind \u00fcberzeugt, dass wir eine viel bessere Firma haben, seit Marc da ist. Nicht Zahlen sind interessant, sondern Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber Marc Walder konnte durch die get\u00e4tigten Investitionen den Wert deutlich steigern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Er hat aus dieser Firma etwas Neues gemacht \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>RL: \u2026 eine neue Firma \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 er hat etwas mit Zukunft gemacht, das ist unbezahlbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dass er sich beteiligen darf, ist eine Anerkennung f\u00fcr diese Leistung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Nat\u00fcrlich ist es eine Anerkennung, aber nicht nur. Es ist eine Best\u00e4tigung, dass wir den Weg weitergehen wollen, den er eingeschlagen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hat die Familie die Aktien Marc Walder geschenkt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Nein.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Geschenke funktionieren nie,&nbsp;nicht einmal in einer Ehe, wenn nichts Ernsthaftes dahintersteckt.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Lassen Sie mich kurz \u00fcber die Aktion\u00e4re, die Familie Ringier, sprechen. Unser Gesch\u00e4ftsmodell ist massiv angegriffen worden. Zeitungen, Zeitschriften, Druckereien sind durch die Digitalisierung substanziell geschw\u00e4cht worden. Es brauchte Aktion\u00e4re mit enormem Mut. Wir redeten vor knapp zehn Jahren dar\u00fcber, Dutzende Millionen f\u00fcr Ticketcorner auszugeben, gar Hunderte von Millionen f\u00fcr Jobs.ch oder Scout24. Ich habe miterlebt, was sich jene anh\u00f6ren mussten, die das damals wagten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hiess es?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Verlagskollegen, die sich&nbsp;weniger mutig, weniger schnell ver\u00e4nderten, sagten: \u00abDu bist wahnsinnig, und die Aktion\u00e4re sind noch wahnsinniger, derart hohe Risiken einzugehen, in Gesch\u00e4fte zu investieren, die ihr nicht kennt.\u00bb Die Lorbeeren verdienen also jene, die uns diese Investitionen erlaubten, nicht die Manager, die das umsetzten.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Sorry, Marc, aber es braucht beide. Unsere Firma ist alles, was wir haben. Es gibt keine geheimen dicken Konten mit zig Millionen. Ich will jetzt nicht die arme Maus geben oder mein sch\u00f6nes Leben schlechtreden. Aber bei allem, was wir machen, tragen wir das Risiko.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Der Anfang der Transformation war pr\u00e4gend. Er hat mich eng&nbsp;an die Aktion\u00e4re gebunden. Sie haben mir das Vertrauen geschenkt, viel Geld zu investieren in Firmen, von denen wir im Management glaubten, es seien die richtigen. Das Risiko hat sich gelohnt. Viele der Unternehmen sind heute ein Vielfaches ihres damaligen Kaufpreises wert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben nun zehn Prozent einer viel wertvolleren Firma gekauft. Ich kenne Ihre finanziellen Verh\u00e4ltnisse nicht, nehme aber an, Sie bezahlten die Aktien nicht bar. Wie konnten Sie sich den Einkauf leisten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Zusammen haben wir eine L\u00f6sung gefunden, wie ich einen beachtlichen Anteil \u2013 zehn Prozent sind unheimlich viel f\u00fcr mich \u2013 an diesem wunderbaren Unternehmen \u00fcbernehmen konnte. Die L\u00f6sung bleibt im Kreise jener, die sie entwickelt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bisher waren Sie Angestellter mit einem Lohn. Nun sind Sie Teilhaber, tragen die Risiken mit. Geht etwas schief, k\u00f6nnten Schulden bleiben. Wie ver\u00e4ndert das Ihr Bewusstsein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Mit der Last und der Lust eines Unternehmers bin ich aufgewachsen. Mein Vater hatte ein Architekturb\u00fcro. Es wuchs von vier auf 38 Mitarbeiter an, dann ging es wieder runter. Lief es, waren alle zufrieden, lief es&nbsp;nicht, sp\u00fcrten wir das. Ich war stets gewissenhaft. Seit die Beteiligung bekannt ist, \u00fcberlege ich wohl noch genauer, wie wir investieren.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Macht Sie das risikoscheuer oder risikobereiter?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Gute Frage. Beantworten kann ich sie in ein paar Jahren \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 das sehen wir schon bei der n\u00e4chsten Investition \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 ich entscheide ja nicht allein, wir entscheiden im Team.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Es war stets mein Ziel, nie abstimmen zu m\u00fcssen. In den rund dreissig Jahren, in denen ich nun dabei bin, haben wir immer diskutiert, bis alle Ja oder alle Nein sagten.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Bei den fast zwei Milliarden Franken, die wir in Technologie und Firmen investiert haben, gab es nie einen Stichentscheid, sondern immer einen Konsens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Den dann alle durchziehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: W\u00e4ren wir z\u00f6gerlich gewesen, h\u00e4tten wir die Transformation nicht geschafft. Haben wir einen Entscheid, ziehen ihn alle durch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ringier, Sie sagten vor zwei Jahren, Sie seien ein Verleger, der sich einmischt, \u00absonst braucht es mich ja nicht mehr\u00bb. Braucht es Sie bald nicht mehr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Noch bin ich ja Aktion\u00e4r, und als das werde ich mich weiter einbringen und mitreden. Aber&nbsp;durch die \u00abBlick\u00bb-Redaktion gehen und mich einmischen, das mache ich nicht. Was in unserem Namen ver\u00f6ffentlicht wird, daf\u00fcr f\u00fchle ich mich nach wie vor verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Walder, Sie werden Michael Ringier als Verwaltungsratspr\u00e4sident nachfolgen. Bleiben Sie CEO?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Was wir jetzt haben, ist sehr gut. Einen Chairman, der Mitbesitzer ist, selbst CEO war, der alle unsere Gesch\u00e4fte hervorragend kennt. Nun hat die Familie bekannt gegeben, dass ich irgendwann das Pr\u00e4sidium \u00fcbernehmen werde. Dann wird es einen neuen CEO geben.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Wir haben stets f\u00fcr frischen Wind gesorgt und geschaut, dass man nicht in die gleiche Richtung rennt. Es geht nicht, dass man gleichzeitig Aktion\u00e4r, CEO und VR-Pr\u00e4sident ist. Michael sagt,&nbsp;dann rede man nur noch mit sich selbst, dann fehlen die Impulse.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Gegenkr\u00e4fte waren mir stets wichtig. Der Vizepr\u00e4sident im Verwaltungsrat, Uli Sigg, f\u00fchrt die Sitzungen. Meine Schwestern sind zwar in der \u00d6ffentlichkeit weniger pr\u00e4sent, aber intern sehr. Sie wissen alles, sind manchmal sehr hartn\u00e4ckig und das Gegenteil von Abnickern. Dank dieser Gegenkr\u00e4fte l\u00f6sen wir am Schluss alles in Harmonie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie teilen Macht. Was bedeutet sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Ich brauchte lange, um zu verstehen, dass ich innerhalb wie ausserhalb der Firma etwas anders bin. Mit meiner Stellung, meinem Namen. Zuvor hatte ich stets das Gef\u00fchl, wie die anderen zu sein. Bis ich einsah: Wenn alle anderen das anders sehen, ist das wohl so.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben gemerkt, Macht zu haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Dann habe ich gelernt, damit umzugehen. Macht ist diffizil. Sie ist n\u00f6tig, um etwas Richtiges durchzusetzen. Aber man muss h\u00f6llisch aufpassen, dass man nicht vergisst, andere mitzunehmen. Werden Entscheide allein mit Macht gef\u00e4llt, geht es meist schief.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Macht ist keine feste Gr\u00f6sse.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Darum wollten wir Marc als Aktion\u00e4r gewinnen. Er hat jetzt eine andere Position. Es ist mehr \u2026 es ist etwas anderes als ein angestellter CEO, ein VR-P. Alle wissen: Er ist jetzt Aktion\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Ein Medienunternehmen \u00fcbt Einfluss auf die Gesellschaft aus. Dadurch hat es Macht. Sicher, auch wir haben Fehler gemacht. Aber wenn man bedenkt, wie wir beispielsweise mit dem aufkeimenden Rechtspopulismus umgegangen sind, in der Schweiz und in Osteuropa, dann gehen wir verantwortungsvoll mit Macht um. Gesellschaftliche Verantwortung wurde h\u00f6her gewichtet als das Gewinnstreben. Ein Medienunternehmen hat eine gr\u00f6ssere Verantwortung als eine Schraubenfabrik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ringier, Sie absolvierten den ersten Jahrgang der Ringier Journalistenschule \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 aus den meisten Abg\u00e4ngern ist ja etwas geworden \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 w\u00fcrden Sie einer Ihrer T\u00f6chter diesen Berufsweg heute empfehlen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Ja, aber ihre Wege gehen in andere Richtungen. Selbstverst\u00e4ndlich ist Journalismus nach wie vor etwas Faszinierendes. Wirtschaftlich aber ist er wesentlich weniger interessant als fr\u00fcher, gleichzeitig viel anspruchsvoller.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie waren ebenfalls Journalist, Herr&nbsp;Walder, die Digitalisierung scheint Sie mehr zu packen. Bleibt Ringier journalistisch? Nimmt das Interesse ab?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Das Unternehmen ist deutlich unabh\u00e4ngiger geworden vom Journalismus. Das ist richtig. Keiner, der heute in dieser Branche arbeitet, weiss, was in f\u00fcnf Jahren sein wird. Deshalb war die Transformation ein kluger Schritt. Dass man daraus folgert, Journalismus w\u00e4re nicht mehr wichtig, ist falsch. Michael hat immer gesagt, gerade weil wir journalistische Produkte herausgeben, konnten wir uns in den letzten zehn Jahren so ver\u00e4ndern. Partner haben mit uns Firmen gebaut, weil wir eine grosse Geschichte haben im Journalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Weder die Faszination f\u00fcr noch das Interesse am Journalismus nimmt ab. Das Bewusstsein nimmt aber zu, dass es schwieriger geworden ist, Journalismus zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie selber haben keine journalistische Ausbildung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Vermutlich hat bei Ringier in den letzten f\u00fcnf Jahren niemand mehr journalistische Jobs geschaffen und Newsrooms gebaut als ich. Wer sich um den Stellenwert des Journalismus bei Ringier sorgt, soll sich \u00fcberlegen, welche Sorgen wir ohne die nichtjournalistischen T\u00e4tigkeiten h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Ich verstehe die Fragen der Journalisten, ob sie im Unternehmen wichtig bleiben. Auch, weil immer mehr \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz und lernende Maschinen gesprochen wird. Journalisten, die sich wundern, ob sie noch am richtigen Ort sind, sage ich: Es ist der beste Ort, weil das Unternehmen eben so breit abgest\u00fctzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben sich in Mexiko durchgesetzt, Herr Lingg. Ist das wichtiger als eine journalistische Ausbildung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Mein Hintergrund hat Michael und Marc wohl auf die Idee gebracht, ich k\u00f6nne einen Mehrwert bringen. Mit 21 verliess ich die Schweiz und verbrachte 13 Jahre im Ausland, setzte mich in aufstrebenden M\u00e4rkten durch. Unsere Wurzeln sind in der Schweiz, aber Ringier ist ein agiles, internationales Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie lebten zufrieden in Lateinamerika, waren dort erfolgreich. Jetzt sind Sie wieder in der tr\u00fcben Schweiz. Warum \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 er ist ja kaum je in der Schweiz \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 warum wollen Sie das? Niemand ist verpflichtet, in ein Familienunternehmen einzusteigen.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Es ist das Gr\u00f6sste. Meine Frau&nbsp;und ich wollten eigentlich in Mexiko bleiben. Als Marc fragte, ob ich zur\u00fcckkommen wolle, haben wir nicht eine Millisekunde \u00fcberlegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist ein grosser Schritt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Wenn man die Chance erh\u00e4lt, etwas zu dem beizutragen, von dem man lange profitiert hat, eine 185-j\u00e4hrige Geschichte weiterzuschreiben, von der ich \u00fcberzeugt bin, dass sie als Modell f\u00fcr die Mitarbeiter einen grossen Wert hat, dann gibt es nichts zu \u00fcberlegen. Es ist die Lebensaufgabe der Familie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vieles bleibt vorerst beim Alten. Warum reden Sie bereits dar\u00fcber?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Heute ist es wichtiger denn je, dass Menschen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Die Konkurrenz ist hart. Andere zahlen besser, bieten attraktivere Technologie-Jobs. Bei uns wissen die Menschen, mit wem sie es zu tun haben. Sie kennen vielleicht mich, Marc, nun lernen sie Robin kennen. Sie wissen, was sie erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Wir beseitigen Spekulationen. Von Kolleginnen und Mitarbeitern erwarten wir viel Flexibilit\u00e4t, st\u00e4ndig m\u00fcssen sie sich ver\u00e4ndern. Oft bleibt in 18 Monaten kein Stein auf dem anderen. Nun sagen wir zwei Dinge. Erstens: Der eingeschlagene Weg ist zu 100 Prozent richtig, wir gehen ihn weiter, mit Marc, mit Michael, mit mir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und zweitens?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Trotz vieler Wechsel und Ver\u00e4nderungen ist das Fundament sehr solide. Dieses Haus steht aufrecht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie nennen Herrn Ringier \u00abmeinen Onkel\u00bb. Was ist Michael Ringier f\u00fcr Sie, abgesehen von einem Onkel?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Vermutlich seine Hypothek!<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Michael war f\u00fcr mich immer speziell. Als Knabe hat er mich gepiesackt. Kein unter Zehnj\u00e4hriger schafft es, solchen Sarkasmus auszuhalten. Ich habe meinen Onkel immer geliebt als Kind. In der Familie ist er eine zentrale Figur, zusammen mit meiner Mutter. Wir hatten stets ein gutes Verh\u00e4ltnis, nie gab es Streit. Er ist herzlich, ist da, wenn man ihn sucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Marc Walder f\u00fcr Sie, Herr Ringier: Ziehsohn? Freund? Angestellter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Marc ist eine Art siamesischer Zwilling. Wirklich gekannt hatten wir uns ja lange nicht. Beim Tennis nahm ich ihn erstmals wahr, da erf\u00e4hrt man viel \u00fcber eine Person. \u00dcber die Jahre sind wir uns n\u00e4hergekommen. Angenehm ist heute: Wir denken deckungsgleich, was vieles erleichtert. Brauchen&nbsp;andere Monate, entscheiden wir in wenigen Minuten. Zudem haben wir es einfach irrsinnig lustig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Humor ist Ihnen wichtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Schon als junger Mann habe ich mir geschworen: Ich will mit Menschen arbeiten, mit denen es fr\u00f6hlich ist. Wie in der Familie. Was wir zu Hause lachen! Klar gibt es da Opfer. Ich muss mich offiziell bei Robin entschuldigen, dass ich gesagt habe, er soll mit seiner Trompete an Weihnachten draussen spielen. Robin, es tut mir wirklich leid!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Walder, vermutlich schlagen Sie Michael Ringier noch immer beim Tennis. Was kann er besser als Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Er hat eine grosse, ganz nat\u00fcrliche Autorit\u00e4t. Er muss nie laut werden oder Kraft seines Amtes Dinge durchsetzen. Was er ausstrahlt, reicht. Dass Michael Ringier unser Verwaltungsratspr\u00e4sident ist, ist das Beste, was der Firma widerfahren kann. Er ist oft unterwegs, irgendwo zwischen New York, Miami, London. Und doch bleibt er der nat\u00fcrliche und unbestrittene Kopf der Firma.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sch\u00e4tzen Sie an Robin Lingg, Herr Walder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Es war ein Risiko, als Robin in die Firma kam \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>RL: \u2026 absolut \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 vor allem f\u00fcr Robin. Er hatte eine Top-Stelle in Mexiko. Seiner Familie gefiel es. Er zog mit ihr von der anderen Seite der Welt nach Z\u00fcrich. Um in einer Firma zu arbeiten, die sein Onkel f\u00fchrt, in einer Branche, die er nicht kannte, mit der Aufgabe, in Afrika etwas aufzubauen. Schwieriger geht es wirklich nicht! Und wissen Sie was? Er hat das hervorragend hinbekommen. Weil er aufopferungsvoll, leistungsstark und ausserordentlich schnell ist. Ihm geht es immer um den Fortschritt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Lingg, was lernen Sie von Marc Walder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Enorm viel. Es gibt keinen Bullshit, keine Politik zwischen uns. Niemand muss dem anderen etwas vormachen. Wir legen einander alles ehrlich auf den Tisch, sagen, was wir denken. Wir lernen voneinander und miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dann ist das die n\u00e4chste Generation siamesischer Zwillinge?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Marc ist ein Vision\u00e4r, er denkt viele Schritte voraus, ein unglaublicher Netzwerker. Sein Enthusiasmus nach 25 Jahren ist fantastisch. Etwas pr\u00e4gt unsere Beziehung: Ehrlichkeit. Es gibt keine Filter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Redaktor. Chefredaktor. Schweiz-Chef. Konzernchef. Mitinhaber. Herr Walder, wie erkl\u00e4ren Sie Ihren Kindern, wie man eine solche Karriere schafft?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Am Schluss ist es immer Fleiss, davon bin ich \u00fcberzeugt. Es ist noch niemand ein guter Tennisspieler geworden, ohne dass er viel trainiert hat \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 oder ein Kunstsammler \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 nicht verbissener Fleiss, sondern echte Hingabe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fleiss allein reicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Das Zweite ist Integrit\u00e4t. Die Menschen, mit denen man zu tun hat, sollen sagen: \u00abMit dem mache ich das gerne.\u00bb Es gibt den wahren Spruch \u00abpeople do business with people they know, like and trust\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ringier, wer hat den besseren Kunstgeschmack, Marc oder Robin?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Ich weiss nicht mal, ob ich einen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Das ist eine sehr fiese Frage. Es geht nicht um Geschmack, es geht um das Auge, das Sehen. Wenn ich erlebe, wie sie auf ein Werk reagieren, dann muss ich sagen: Beide haben ein gutes Auge. Etwas zu sehen, kann man nicht lernen, es ist aber Voraussetzung. Danach muss jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden, wie weit er gehen will.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dann werden beide zusammen die Sammlung weiterf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: lacht. Ich nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>RL: lacht.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Bei der Kunstsammlung finden wir die Nachfolgeregelung ein anderes Mal. Mein Vater wurde 97 Jahre alt. Am Tag vor meinem Tod werde ich noch ein Bild kaufen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei Ihrem Sekretariat ist mir eine Elefantenskulptur von Rolf Knie aufgefallen \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: lacht schelmisch.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: \u2026 dass Sie das ins Spiel bringen, ist nun Ihr dritter journalistischer Fauxpas!<\/p>\n\n\n\n<p>RL: It\u2019s the elephant in the room. D\u00fcrfen wir den Joker ziehen und nicht dar\u00fcber reden?<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Darf ich die Geschichte erz\u00e4hlen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Passt die Skulptur in die Sammlung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: lacht.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Wir m\u00f6chten nicht f\u00fcr Schlagzeilen sorgen, indem wir jetzt Michael das Wort geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schade.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MW: Ich habe Rolf Knie, den ich seit dreissig Jahren kenne, in die Kronenhalle zum Mittagessen eingeladen. Um 12.30 Uhr sass ich p\u00fcnktlich im Restaurant. Um 12.45 Uhr schickte ich ihm ein SMS: \u00abIch sitze vorne links.\u00bb Um 13 Uhr&nbsp;schrieb ich: \u00abHast du mich vergessen?\u00bb Um 13.15 Uhr habe ich die Kronenhalle verlassen, weil er nicht kam. Um 14 Uhr schrieb er: \u00abScheisse, voll vergessen, tut mir wahnsinnig leid.\u00bb Danach brachte er \u2013 liebensw\u00fcrdig, wie er ist \u2013 den Elefanten mit.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Kunst muss tolerant sein. Meine Frau sammelt auch Elefanten. Die Assistentin von Herrn Walder hat mich gebeten, ihn behalten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Die Assistentin verl\u00e4sst uns!<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Ihr Abschiedsgeschenk?<\/p>\n\n\n\n<p>RL: Sie darf den Elefanten mitnehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Michael. Marc. Robin. Ist Ringier fest in M\u00e4nnerhand?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>RL: Nein, wir haben ganz starke Frauen auf wichtigen Positionen.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Zwei Drittel sind Aktion\u00e4rinnen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>RL: \u2026 genau, es ist eher Zufall \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 ich glaube, das beantwortet Ihre Frage. Jeder, der unsere Frauen kennt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>RL: \u2026 Ellen, Susanne, Myri \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>MR: \u2026 weiss: Wir, die hier sitzen, sind nur die Attrappen.<\/p>\n\n\n\n<p>MW: Das Thema Frauen ist bei Ringier wichtig. Zwei Frauen sitzen in der Konzernleitung. Zentrale Bereiche wie Finanzen und Technologie werden von Frauen gef\u00fchrt, ebenso Human Resources und Mergers &amp; Acquisition. Je eine Frau f\u00fchrt Serbien und Blick Online.<\/p>\n\n\n\n<p>MR: Es passiert viel, aber wir haben da sicher Raum, uns zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben zwei T\u00f6chter. Nach Robin gebe es da ja M\u00f6glichkeiten, dass eine Frau an der Spitze der Familie steht.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Das haben wir nie ausgeschlossen. Bei meiner Generation war die Frage berechtigt. Ich musste es nicht machen, weil ich ein Mann bin, sondern weil es klar war, dass meine Schwestern es nicht wollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Ringier, Marc Walder sagt, Coden ist das neue Schreiben. Sie schreiben pr\u00e4gnante Reden, blitzende Kommentare \u2013 k\u00f6nnen Sie coden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: K\u00f6nnte ich alles, w\u00e4re das furchtbar. Ich verstehe, worum es geht. Das reicht. Ich besch\u00e4ftige mich&nbsp;mit zeitgen\u00f6ssischer Kunst. Jeden Tag stehe ich vor etwas, das ich nicht verstehe. Das h\u00e4lt mich jung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jede Generation hinterl\u00e4sst ein Verm\u00e4chtnis. Was ist Ihres?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MR: Das werden andere beurteilen, ich bin da schmerzfrei. Ich versuche, die Sache so gut zu machen, wie ich das gem\u00e4ss meinem Anspruch kann. Mit anderen messe ich mich nicht. Das Wort Verm\u00e4chtnis gebrauche ich nie. \u00dcber die jetzige L\u00f6sung bin ich froh. Der Rest ist die Aufgabe von Robin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Generationenwechsel bei Ringier: CEO Marc Walder kauft zehn Prozent der Aktien und wird Michael Ringier dereinst als VR-Pr\u00e4sident nachfolgen. 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