{"id":2560,"date":"2019-09-02T15:36:23","date_gmt":"2019-09-02T13:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ringier.com\/?post_type=interview&#038;p=2560"},"modified":"2025-12-15T15:00:48","modified_gmt":"2025-12-15T14:00:48","slug":"man-on-a-mission","status":"publish","type":"interview","link":"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/man-on-a-mission\/","title":{"rendered":"Man on a Mission"},"content":{"rendered":"\n<p>Der sechste Stock des Ringier-Stammhauses an der Dufourstrasse, ein bew\u00f6lkter Donnerstag im August. An den W\u00e4nden h\u00e4ngt moderne Kunst, die bekannte Leidenschaft des Verlegers. Aber nicht nur sie fesselt den Blick: Hohe Glasfronten \u00f6ffnen den Raum zum See, wo ein paar Boote gem\u00e4chliche Bahnen ziehen. Dann erscheint Marc Walder, Ringier-CEO seit mehr als zehn Jahren, Anteilseigner seit 2018; in der Physis immer noch der Tennisprofi von dazumal. Ein H\u00e4ndedruck, ein wenig Smalltalk \u2013 dann kann das Gespr\u00e4ch beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marketing &amp; Kommunikation: Dieses Magazin erscheint unmittelbar zum Schweizerischen Digitaltag am 3. September. Sie waren mit der Initiative digitalswitzerland erneut f\u00fcr die Organisation verantwortlich. Verraten Sie uns: Worauf freuen Sie sich bei dem Event besonders?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marc Walder:&nbsp;Erstens freue ich mich, dass der Digitaltag \u00fcberhaupt stattfindet. Das Projekt ist europaweit immer noch einzigartig, obwohl es jetzt Bestrebungen gibt, das zu kopieren \u2013 was wichtig f\u00fcr Europa ist. Liechtenstein macht einen Digitaltag, in Osteuropa gibt es Polen und Serbien, die einen machen wollen. Auch in Deutschland gibt es Bestrebungen, dass man einen solchen Digitaltag veranstaltet. Wissen Sie: Als wir uns vor dreieinhalb Jahren in einer Vorstandssitzung von digitalswitzerland dar\u00fcber unterhalten haben \u2013 und da waren alle Firmenchefs am Tisch, die damals Mitglied waren \u2013, gab es zwei Lager. Die einen haben gesagt: \u00abUnbedingt, f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr die normalen Menschen in diesem Land Digitalisierung erlebbar machen. Toll.\u00bb Und die anderen haben gesagt: \u00abDas ist so eine grosse Kiste, und damit verbunden ein grosses Risiko. Stellt euch vor, es ist Digitaltag \u2013 etwas, was man in der Bev\u00f6lkerung damals noch nicht kannte \u2013 und niemand geht hin. Was f\u00fcr eine Blamage w\u00e4re das!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber eine Blamage wurde es ja nicht&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(lacht) Nein! Schon bei der ersten Ausgabe kamen Zehntausende von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern. Alt und Jung. St\u00e4dter genauso wie l\u00e4ndlich Wohnende. Dazu Bundesr\u00e4te, Wirtschaftsf\u00fchrer, Spitzenpolitiker, Chefs der grossen Institutionen wie ETH oder EPFL \u2013 alle waren dabei. Das war ein wahnsinnig gutes Gef\u00fchl. Und darauf jetzt aufzubauen und den Digitaltag einerseits immer gr\u00f6sser zu machen, andererseits immer dezentraler zu konzipieren, das ist so etwas, worauf wir alle bei digitalswitzerland uns freuen und wor\u00fcber wir als Team hinter dem Digitaltag stolz sein k\u00f6nnen. Verbunden mit dem Dank an alle, die das erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Hauptpartner des Events sind grosse Unternehmen: APG, Google, Ringier, die SBB, die SRG und Swisscom. W\u00fcrden Sie die alle als Vorreiter der digitalen Transformation bezeichnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Generell sind wir bei digitalswitzerland heute \u00fcber 160 Mitglieder, und das sind alles Mitglieder, die dreierlei erkannt haben: Erstens, dass die Digitalisierung in praktisch allen Bereichen des Lebens auch f\u00fcr sie bedeutet, dass sich ihr Gesch\u00e4ftsmodell oder das, was sie heute tun, innert sehr kurzer Zeit ver\u00e4ndern wird. Es geht schnell, es geht radikal.&nbsp;Zweiter Punkt ist: Sie haben anerkannt, dass die Schweiz als<br>f\u00fchrender Wirtschaftsstandort in vielen Indexen ganz weit vorne ist: Enterpreneurship-Index, Competitiveness-Index, Innovation-Index, das sind alles globale Indexe, die Schweiz ist immer ganz weit vorne, aber \u2013 das kann sich schnell \u00e4ndern. Nicht nur Unternehmen<br>gewinnen oder verlieren durch die Digitalisierung an Boden, sondern auch L\u00e4nder. Es ist einfacher f\u00fcr ein Unternehmen, an einem Standort weiterzukommen, der digital kompetitiv, digital sexy ist.&nbsp;Wo wenig Innovation geschieht, werden auch weniger erfolgreiche Unternehmen zu finden sein. Der dritte Punkt, den wir alle mit Ja beantwortet haben, ist: Wir wollen mithelfen, da was zu tun. Wir h\u00e4tten vor viereinhalb Jahren \u2013 als wir das Ganze als kleines Gr\u00fcppchen aus Wirtschaft und Akademie gegr\u00fcndet haben \u2013 nie gedacht, dass digitalswitzerland einmal so gross und kraftvoll werden wird. Und der Spirit des Anfangs herrscht weiterhin. Wir zusammen k\u00f6nnen in verschiedenen Bereichen \u2013 jetzt sprechen wir gerade vom Digitaltag, aber es gibt noch viele andere Aktivit\u00e4ten \u2013 wirklich viel bewirken. Das wird von aussen, von den anderen L\u00e4ndern, \u00fcbrigens mit viel Bewunderung beobachtet: Dass die Schweiz so eine derart starke und grosse Gruppe zusammengebracht hat, die an diesen Themen arbeitet. Alle Mitglieder investieren daf\u00fcr Geld, Zeit und bringen grossartige Mitarbeiter mit f\u00fcr die verschiedenen Projekte. Das ist schon faszinierend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00fcrden Sie sich noch mehr Commitment vom \u00abharten Kern\u00bb der IT-Branche und deren Verb\u00e4nden w\u00fcnschen?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich, denn je besser die Durchmischung in der Mitgliederstruktur ist \u2013 eben auch von eher IT-orientierten Companies, digitalen Agenturen und so weiter \u2013, desto mehr profitieren alle. Die Frage, die sich einige Unternehmen da stellen, ist ja: \u00abWas bringt es uns denn unmittelbar?\u00bb Das ist aber die falsche Frage. Die richtige Frage w\u00e4re: \u00abWo kann ich mich einbringen?\u00bb Denn wenn ich mich beim Thema Start-up-Oekosystem, Aus- und Weiterbildung oder Infrastruktur einbringe, wird automatisch ein positiver Effekt f\u00fcr das ganze Grosse erzielt. Davon profitieren dann wiederum viele.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber wir halten fest: Wenn das jetzt jemand aus dem Digital Marketing liest und denkt, seine Firma w\u00e4re gern &#8211; digitalswitzerland ist offen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sicher, wir versuchen, alle zu umarmen, die in irgendeiner Form diese Ideen mittragen und Know-how einbringen k\u00f6nnen. Auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo haben wir den in der Schweiz noch den gr\u00f6ssten Nachholbedarf im Digitalbereich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt drei Punkte, die wir aktuell gerade auf der Liste haben. Erstens, das Thema E-ID: die digitale Identit\u00e4t, die \u00fcbrigens mit der SwissID am ersten Digitaltag vor zwei Jahren lanciert wurde. Das war ein wichtiger Meilenstein. Diese SwissID gibt es ja seit zwei Jahren und eine Million Menschen in der Schweiz nutzen sie bereits. Nun geht es darum, dass wir das E-ID-Gesetz diskutieren. Die beiden Kammern haben das bereits grossmehrheitlich best\u00e4tigt, aber es wird m\u00f6glicherweise ein Referendum geben.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Davon gehen Sie aus, weil&#8230;?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Unsicherheit relativ gross ist: Was ist die Rolle des Staates bei der digitalen Identit\u00e4t, und was die Rolle des privaten Sektors? Diese Unsicherheit besteht, obwohl die Rollenverteilung klar und sinnvoll geregelt ist. Wir m\u00fcssen jedenfalls Fortschritte machen: Eine digitale Identit\u00e4t, mit der die B\u00fcrger digitale Dienstleistungen auf Schweizer Plattformen beziehen k\u00f6nnen \u2013 aber und vor allem auch mit kommunalen, kantonalen oder nationalen Beh\u00f6rden kommunizieren k\u00f6nnen, das ist&nbsp;fundamental wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo muss es noch Fortschritte geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Punkt ist das Thema 5G. Jegliche digitalen Engagements sind nur so gut, wie die digitale Infrastruktur in einem Land ist. Und genauso wie bei der E-ID gibt es auch bei 5G noch viel Unsicherheit, etwa medizinische Bedenken, die \u00fcbrigens nicht fundiert sind in Studien, sondern die sind einfach da, und die soll man auch ernst nehmen. Aber, um es kurz zu machen: Es ist ganz wichtig, dass die Schweiz bei 5G ein Vorreiter werden wird \u2013 und diese Chance haben wir weiterhin. Denn alles, was an \u00abconnected devices\u00bb oder an digitalen Dienstleistungen erstellt werden kann, beruht schlussendlich darauf, dass wir eine hohe Datengeschwindigkeit anbieten k\u00f6nnen in der Schweiz. Also: E-ID, 5G, und der dritte Punkt ist das Datenschutzgesetz. Die Datenschutz-Grundverordnung der EU ist alles in allem eine gute Sache, der die Schweiz aber eben noch nicht angeschlossen ist. Unser Parlament sollte nun das Schutzniveau rund um Daten jenem im umliegenden Europa anpassen. Wenn Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger angemessen gesch\u00fctzt sind, wird der Zugang<br>unserer Wirtschaft zum freien Austausch von Daten gesichert. Und die Reputation der Schweiz als wettbewerbsf\u00e4hige, digitale Nation gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Werfen wir einen Blick auf die Digitalisierung im Hause Ringier &#8211; dazu gibt es seit Mai mit \u00abRingen um Ringier\u00bb sogar ein ganzes Buch. Gab es in Ihrem Unternehmen immer schon eine Affinit\u00e4t f\u00fcr die Thematik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was es bei Ringier gibt und gab, ist eine enorme unternehmerische Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Das Unternehmen und vor allem die Aktion\u00e4re haben stets sehr unternehmerisch gedacht. Das ist der rote Faden durch die lange Geschichte von Ringier. Man ist \u2013 ich nehme mal die letzten drei Jahrzehnte \u2013 nach Osteuropa gegangen, als man beinahe daf\u00fcr ausgelacht wurde. Man ist nach Asien gegangen. Und man ist nach Afrika gegangen vor sieben Jahren, als viele fragten: Was machen die Schweizer jetzt im grossen Afrika?Thematisch war vor elf oder zw\u00f6lf Jahren die Aufmerksamkeit beim Thema Digitalisierung sehr klein \u2013 wie bei allen anderen Verlagen oder Medienh\u00e4usern auch. Man hat sein Gesch\u00e4ft gemacht und das lief auch sehr gut. Man darf nicht vergessen, dass der Zeitpunkt, zu dem wir den Kick-off Richtung Transformation gemacht haben, eines der erfolgreichsten Jahre von Ringier \u00fcberhaupt war. Das heisst, wenn der Leidensdruck nicht gross ist, weil es immer noch brummt, ist es umso schwieriger zu sagen: \u00abHey, jetzt m\u00fcssen wir uns ver\u00e4ndern und investieren!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und dann hat man sich in Gesch\u00e4ftsfeldern engagiert, in denen sich das Unternehmen vorher noch nie bet\u00e4tigt hatte. Hatten Sie da manchmal Herzklopfen, ob das alles gut geht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die allererste Transaktion war die Scout24-Gruppe in der Schweiz. Wir hatten damals viel Geld ausgegeben f\u00fcr dieses Unternehmen, so um die 160 Millionen Schweizer Franken und (lacht) wir hatten eigentlich im Haus nicht die Kompetenz, so eine Firma zu f\u00fchren. Wir wussten nicht wirklich, wie digitale Marktpl\u00e4tze im Bereich Automobile und Immobilien funktionieren. Ich erinnere mich ans erste Management-Meeting mit der Scout24-Gruppe, wo wir, die Ringier-Manager, denen zugeh\u00f6rt haben und nicht gerade viel verstanden haben. Die haben \u00fcber Sachen geredet, die kannten wir nicht, war ja auch logisch&#8230;Was Ringier als Unternehmen aber gut kann: Es kann sehr gut einen Stein ins Rollen bringen und den dann konsequent, mutig, schnell adaptierend nach vorne treiben. Das ist nat\u00fcrlich auch oft ein Risiko, wenn Sie solche Sachen machen wie nach Osteuropa, Asien, Afrika zu gehen oder sich in die Digitalisierung zu st\u00fcrzen. Viele haben damals Michael Ringier und mir gesagt, dass wir verr\u00fcckt seien, so viel Geld auszugeben f\u00fcr digitale Firmen, die damals viele noch nicht richtig einsch\u00e4tzen konnten. So viele Millionen da und dort, etwa ins Ticketing oder eben die digitalen Marktpl\u00e4tze im Auto-, Immobilien- oder Job-Segment. Doch die Aktion\u00e4re hatten diese Bereitschaft, diesen unternehmerischen Mut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Buch gibt es Anekdoten \u00fcber E-Mails zu heiklen Transaktionen, die an den falschen Kontakt gehen; \u00fcber Meetings in Weinkellern in ganz kleiner Runde; \u00fcber Treffen mit Investoren in Manhattan. Mitunter bekommt man fast den Eindruck, man w\u00fcrde einen Krimi lesen. Habne Sie die geschilderten Anekdoten damals selbst auch als so aufregend empfunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten ein Abendessen mit Freunden vor Kurzem und die haben tats\u00e4chlich ein wenig im Buch gelesen. Eine schnelle Klammer vorab: Die Ansage an den Buchautor Ren\u00e9 L\u00fcchinger war: Du bist der Autor, du bekommst Zugang zu allem, zu allen Dokumenten, Protokollen und Menschen, die involviert waren, und die reden mit dir. Du wertest das aus und machst damit, was du richtig findest. Bitte erz\u00e4hle es aber so, dass niemand dabei einschl\u00e4ft. Und es ist einigermassen gelungen, denke ich. Das der Einschub, jetzt zur Anekdote: Da haben die erw\u00e4hnten Freunde also tats\u00e4chlich ein bisschen im Buch gelesen. Das mit der falschen Mail \u2013 da ging es um die Ticketcorner-Aquisition vor rund 10 Jahren. Da haben die sich kaputtgelacht beim Abendessen \u00fcber diesen Fehler von mir: Der ganze Aktion\u00e4rsbindungsvertrag, den ich an die falsche Adresse geschickt habe im Beisein aller Anw\u00e4lte hier im Office. Wenn man ein Unternehmen f\u00fchrt, dann ist das wie \u00fcberall im Leben \u2013 Sie machen Fehler, Sie \u00fcbersehen etwas, Sie vergessen etwas&#8230; Sie treffen sich im Weinkeller, finden einander gut, kommen auf eine gute Idee und sagen: \u00abLass uns das weiterverfolgen.\u00bb Oder Sie treffen jemanden, der hat eine super Idee, ist aber ein A&#8230;, mit dem man nichts zu tun haben m\u00f6chte&#8230;, dann wird wohl nichts draus. Oder Sie ringen sich \u00fcber Wochen zu einem Aktion\u00e4rsbindungsvertrag durch, sind am Ende todm\u00fcde und schicken den 80-seitigen Vertrag nicht nur an die falsche Adresse, sondern an einen Konkurrenten Ihres eigentlichen Partners \u2013 das Schlimmste, was passieren kann. Was wichtig ist bei<br>diesem Buch: Die anderen Firmen, die involviert waren, die wurden alle mit diesen Passagen konfrontiert. Das heisst, sie haben das alle lesen k\u00f6nnen \u2013 und sie haben nat\u00fcrlich auch ein paar Sachen rausgefischt. Hat man da schlaflose N\u00e4chte? (wendet sich zu Ren\u00e9 Beutner, dem CCO von Ringier) Ren\u00e9 kennt mich relativ gut. Ich bin ein gewissenhafter, fleissiger, pr\u00e4ziser Typ, mehr nicht. (beide lachen) Und wir haben uns gesagt: \u00abWir haben jetzt das begonnen, jetzt werden wir fleissig, gewissenhaft, pr\u00e4zise vorangehen. So, dass uns niemand den Vorwurf machen kann, wir h\u00e4tten uns besser drum k\u00fcmmern m\u00fcssen.\u00bb Wir sind ein aufmerksames Unternehmen, auch ein mutiges. Wir haben eine gute Arbeitsethik \u2013 und das hilft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Firmen, die Ihre Strukturen gerade ins digitale Zeitalter \u00fcberf\u00fchren, w\u00fcrden Sie also raten: Gut vorbereiten, fleissig sein &#8211;&nbsp; aber dann einfach mutig handeln und Risiken eingehen?\u200b<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ganz wichtig. Ich bin aber nicht hier, um Lektionen zu erteilen, ich kann nur aus Erfahrung sch\u00f6pfen. Der Grundsatz von Michael Ringier ist: \u00abIch glaube nicht an Businesspl\u00e4ne, ich glaube an Menschen.\u00bb Er handelt auch so. Wenn er die ganzen Grafiken sieht, ist ihm das meistens nicht allzu wichtig. Er versucht, die Menschen, die diese Zahlen verantworten, zu verstehen, zu beurteilen. Es geht also zuerst immer um Menschen. Zweitens, konkreter zur\u00fcck zu Ihrer Frage: Businesspl\u00e4ne und Szenarien in dieser digitalen Welt, die sich so schnell ver\u00e4ndert, sind verdammt schwierig zu erarbeiten und es bringt sowieso wenig, sich an sie zu klammern. Weil Sie in eine unsichere Welt hineinspringen. Aber Sie m\u00fcssen springen. Wenn Sie nicht springen, dann wissen Sie in vielen Gesch\u00e4ftsmodellen, dass es nur einen Weg geben wird, n\u00e4mlich den nach unten. Wenn Sie springen, springen Sie immer in eine gewisse Unvorhersehbarkeit, eine noch nicht definierte Welt, weil es keine oder nur wenige Prognosen gibt, wie sich das alles entwickeln wird. Und deshalb ist meine Empfehlung: Sich gut vorbereiten, aber dann auch springen. Und wenn Sie gesprungen sind, dann m\u00fcssen Sie schwimmen, schwimmen, schwimmen. Genau so war es auch bei jenen, die heute gross sind \u2013 und vor noch nicht langer Zeit ein Start-up waren. AirBnB \u2013 meine Lieblingsanekdote: Ich durfte damals, als die noch niemand sehen wollte, \u00fcber einen Kontakt das Unternehmen besuchen. Die hatten damals ein Office mit f\u00fcnfzehn Leuten. Die haben mich empfangen, waren supernett, haben sich Zeit genommen. Haben sich vielleicht gedacht, ein Schweizer, der wohl investieren m\u00f6chte. (lacht) Aber ich wollte nur lernen. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass die mal so gross werden. Aber viel witziger ist: Die Gr\u00fcnder selber haben das nie im Leben gedacht. Warum? Die haben mir damals gesagt: \u00abSchau, wir machen etwas, das eigentlich nicht mehrheitsf\u00e4hig sein wird. Auf unserer Plattform bieten Menschen Betten und Wohnungen und Badezimmer f\u00fcr Menschen an, die sie gar nicht kennen.\u00bb Das kann ja eigentlich nie gross werden, haben die sich gesagt. Und es wurde riesig. Und nicht nur das, es hat die Gesellschaft ver\u00e4ndert. Heute ist es sexy und selbstverst\u00e4ndlich, fremde H\u00e4user und fremde Wohnungen zu nutzen. Digitalisierung ver\u00e4ndert oft nicht nur Gesch\u00e4ftsmodelle, Digitalisierung ver\u00e4ndert auch den gesellschaftlichen Habitus. Was wir tun, wie wir etwas tun. Wenn Sie heute beobachten, wie Menschen mit ihrem Smartphone reden, wenn sie etwas wollen oder suchen! Wer h\u00e4tte gedacht, dass ich irgendwann mit meinem Smartphone rede. Ich rede sogar mit meinem<br>Auto. (lacht)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie h\u00f6ren ja von Nostalgie, von Kollegen, auch von manchen Medienjournalisten schon mal die Frage: \u00abSollte man als Verlag nicht bei Journalismus und Print bleiben, wenn einen das gross gemacht hat? Verr\u00e4t man sonst nicht seine DNA?\u00bb Sagen Sie uns bitte: Wie ist es mit der DNA von Ringier? Kann man sich vorstellen, dass man irgendwann nicht mehr in Medien investiert, diese nicht mehr quersubventioniert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das waren viele Fragen, auch faire Fragen, ich versuche, kurz und knapp zu antworten. Wir haben immer noch 140 Medienmarken unter unserem Dach, damit ist schon mal viel dazu gesagt, ob Ringier eigentlich noch ein Medienunternehmen, ob uns Journalismus noch wichtig ist. Nat\u00fcrlich ist es das. Zweitens ist es mir eigentlich egal, ob unser Journalismus auf Papier oder digital stattfindet. Bedeutend ist, dass es guter Journalismus ist, dass er sein Publikum findet. Wo er das Publikum findet, ist sekund\u00e4r. Drittens m\u00f6chte ich sagen, dass Michael Ringier und ich wenig von Quersubventionierung halten. Eine Publikation wird nach ihrer Leistung beurteilt, und quersubventioniert sollten Gesch\u00e4fte grunds\u00e4tzlich nicht werden \u2013 auch Journalismus nicht. Was ich aber sagen w\u00fcrde: Wenn ein Haus genug Substanz hat, in digitalen Journalismus oder in Journalismus generell zu investieren, also Neues zu kreieren, dann hilft das nat\u00fcrlich. Blick TV ist deshalb ein typisches Ringier-Thema. Es ist ein unternehmerisches Thema. Wir wissen nicht, wie es rauskommen wird. Wir k\u00f6nnen aber investieren, weil das Unternehmen Substanz hat, dies zu tun. Digitaler Journalismus ist heute teurer als Printjournalismus. Wenn Sie Druck und Vertrieb und Papier zusammenz\u00e4hlen bei einer Publikation wie dem \u00abBlick\u00bb und alle digitalen Investitionen in einem Jahr bei der \u00abBlick\u00bb-Gruppe dagegenhalten \u2013 also Plattform, Datenanalyse, Bewegtbild \u2013, dann ist digitaler Journalismus teurer. Deshalb braucht es die Substanz. Alle Journalisten, die bei Medienunternehmen arbeiten, die diversifiziert sind, k\u00f6nnen ruhiger schlafen als jene, die in einem nicht diversifizierten Medienunternehmen t\u00e4tig sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was man als Medienmacher nat\u00fcrlich immer mitdenken muss, egal ob man sich online oder offline bewegt, ist eine \u00d6konomie der Aufmerksamkeit. Die Menschen scheinen immer weniger Zeit zu haben, aber immer mehr Input, der Ihre Konzentration fordert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das stimmt, aber das ist nicht nur bei der Medienindustrie so. Wenn Sie sich die Tagesstruktur eines Menschen heute in der Schweiz ganz vereinfacht anschauen und den gleichen Menschen nehmen, sagen wir, zehn Jahre fr\u00fcher \u2013 wie sich die \u00d6konomie seines Zeitmanagements respektive wof\u00fcr er Zeit investiert, ver\u00e4ndert hat \u2013, das ist enorm. Ein Indiz ist die \u00abBildschirmzeit\u00bb, die man vom iPhone aufzeichnen lassen kann. Schauen Sie regelm\u00e4ssig die Analyse Ihrer Bildschirmaktivit\u00e4ten auf Ihrem iPhone an&#8230; Selbstredend gibt es es unterschiedliche Typen von Usern. Die einen spielen sieben Stunden Fortnite, die anderen schauen zw\u00f6lfmal auf die Wetter-App, andere scrollen sich durch endlose Social Media Feeds und Profile. Der Kampf um die Aufmerksamkeit hat sich radikal ver\u00e4ndert, ja zugespitzt \u2013 und das ist eine zentrale Herausforderung, die wir alle haben. Aber das gilt auch f\u00fcr den Laden da vorne an der Bahnhofstrasse. Oder f\u00fcr TV: TV ist eigentlich stets besser geworden, seit meine Eltern damals immer nach dem Abendessen vor den Fernseher gesessen sind. Aber heute haben Sie zehn Optionen, was Sie nach dem Abendessen machen k\u00f6nnen. Nur schon mit diesem kleinen Ger\u00e4t, das jeder von uns in der Tasche hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und einzusch\u00e4tzen, wof\u00fcr die Menschen sich entscheiden werden, wird immer schwieriger.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt schliesst sich der Kreis zum Beginn unseres Gespr\u00e4chs. Die Digitalisierung bringt neue Dinge und ver\u00e4ndert dadurch die Art und Weise, wie wir uns bewegen, besch\u00e4ftigen, TV schauen, im Tram sitzen, in die Ferien gehen, einkaufen, zum Arzt gehen, Essen bestellen, Freunde finden, ein Haus oder ein Auto kaufen, neue Marken entdecken. Es ist so komplex, einzusch\u00e4tzen, was die Gesellschaft wie ver\u00e4ndert und welche Folgen das hat. Klar ist nur: Es geht alles deutlich schneller als je zuvor. Wenn autonomes Fahren<br>mehrheitsf\u00e4hig wird, dann werden in der ersten Phase alle im Auto sitzen und bewundern, was das Auto alleine alles so macht \u2013 Fotos und Videos aufnehmen&#8230; und nerv\u00f6s sein. Nach zwei, drei Jahren ist das nicht mehr lustig und spannend. Dann wird mal wohl lesen, essen, digital einkaufen oder was auch immer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Sie sich jetzt etwas w\u00fcnschen k\u00f6nnten, wenn Sie auf eine Zukunft blicken, wo die digitale Transformation immer weiter voranschreitet &#8211; was w\u00e4re dann Ihre Vorstellung von ideal genutzten Chancen in der Schweiz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine komplexe und sehr philosophische Frage. Wenn wir die Digitalisierung richtig nutzen, wird sie f\u00fcr uns alle praktisch in jeder Lebenssituation eine Verbesserung bringen. Mehr Zugang zu Wissen, h\u00f6here Effizienz ganz generell, noch besser gefertigte Produkte, neue L\u00f6sungen bei Krankheiten und so weiter. Ich w\u00fcrde beinahe sagen: eine bessere Welt in fast jeder Beziehung. Aber wie \u00fcberall, gibt es eine Kehrseite und eine Gefahr. Einige Tendenzen sehen wir jetzt schon. Probleme von Jugendlichen, die psychologischer Natur sind und durch Social Media entstehen, weil Social Media das eigene Sein massivst tangieren kann. Solche Themen sind die Kehrseite der Medaille. Dass Menschen \u2013 wieder ganz banal \u2013 zu sechst zum Abendessen gehen und kaum mehr kommuniziert wird, weil jeder an seinem Handy mit irgendwelchen Dritten kommuniziert. Politische Beeinflussung \u2013 wir haben es erlebt bei der Wahl von Trump: Ein Drittel aller Tweets mit dem Hashtag \u00abMake America great again\u00bb waren Bots, Computerprogramme&#8230; Auf der einen Seite gibt es diese unglaublichen Chancen und Verbesserungen, an die ich glaube. Auf der anderen Seiten gibt es auch Gefahren und Schattenseiten der Digitalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wollen wir trotzdem mit einer positiven Note schliessen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentrales Thema ist \u2013 und wird immer mehr: Aus- und Weiterbildung. Wir alle sollten bereit sein, jeden Tag zu lernen, sich in diese Lernkurve, und die wird eher steiler, hineinzubegeben. Am Digitaltag am 3. September werden wir die Initiative \u00ablifelong learning\u00bb lancieren. Denn nicht nur jeder Einzelne soll die Bereitschaft aufbringen, sich weiterzubilden. Auch die Arbeitgeber, egal ob es eine kleine Firma oder ein grosses Unternehmen ist, egal in welcher Branche oder Industrie, sind aufgefordert, ihren Mitarbeitenden daf\u00fcr Chancen, Budget und Zeit zur Verf\u00fcgung zu stellen. Wir alle sind uns bewusst: Das ist einfach gesagt, aber damit noch lange nicht umgesetzt. Daran arbeiten wir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ringier-CEO Marc Walder will die Schweizer zum lebenslangen Lernen ermutigen: Diesem Thema widmen er und seine Mitstreiter der Standort-Initiative digitalswitzerland den landesweiten Digitaltag am 3. September. Vor dem Event hat Walder uns zum Gespr\u00e4ch empfangen \u2013 ein Austausch \u00fcber grosse und kleine Ver\u00e4nderungen, Zukunftsw\u00fcnsche und unternehmerischen Mut.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":23061,"template":"","categories":[],"class_list":["post-2560","interview","type-interview","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.0 (Yoast SEO v27.0) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Man on a Mission - Ringier<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.ringier.com\/de\/news\/interviews\/man-on-a-mission\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Man on a Mission\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Ringier-CEO Marc Walder will die Schweizer zum lebenslangen Lernen ermutigen: Diesem Thema widmen er und seine Mitstreiter der Standort-Initiative digitalswitzerland den landesweiten Digitaltag am 3. 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